11.09.2022
Bundesliga

10 Versuche, 0:1 Tore und ein 100-Spiele-Mann

Warum die Eintracht trotz Vorteilen zahnloser als die Wölfe agiert, was in den 48 Stunden danach geschieht und welchen Meilenstein Daichi Kamada geknackt hat, schildert der Nachklapp.

Nach dem 0:1 gegen den VfL Wolfsburg steht Eintracht Frankfurt, tabellarisch betrachtet, genau dort, wo die vergangene Spielzeit geendet hatte: Auf Platz elf in der Bundesliga und eine internationale Aufgabe vor der Brust. Nach zwei Unentschieden und zwei Siegen in Folge stehen weiterhin acht Punkte zu Buche und damit drei mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison.

Es spricht für die ausgeprägte Selbstreflexion bei den Adlerträgern, dass sich in der Analyse niemand der Bilanzfälschung verdächtig machen wollte, und alle Beteiligten der einhelligen Meinung sind, dass das Zustandekommen der sechsten Heimniederlage in den vergangenen sieben Gastspielen der Wölfe, Frankfurter Negativrekord in diesem Zeitraum, unter den eigenen Ansprüchen liegt.

Geschichte des Spiels: Doppelnull trotz Doppelzehn

Während Oliver Glasner „klare Worte“ ankündigte, zeigte Markus Krösche mit Blick auf mangelnde Trainingszeit während der Englischen Wochen auf: „Wir müssen durch Videoanalyse daran arbeiten.“ Freilich ließen sich die daraus hervorgehenden Erkenntnisse vom Hundertstel ins Tausendstel durchdeklinieren. Für den Laien sind manche Ursachen schon an der Oberfläche erkennbar. Oder wie es selbst Djibril Sow, Denker und Lenker im Mittelfeld der Eintracht, auf den Punkt brachte: „Aktuell verlieren wir die Spiele in beiden Sechzehnern.“

Hat nicht nur auf dem Platz den Durchblick, sondern auch in der Analyse: Djibril Sow.

In Zahlen gesprochen: Zehn Schüsse gaben die Hausherren ab, kein einziger fand den direkten Weg auf den Kasten von Koen Casteels. Auf die erste Halbzeit bezogen gilt dies nun für drei der ersten sechs Spieltage. In vier von sechs Partien blieb den Hessen vor der Pause kein eigener Treffer vergönnt. Und damit auch der „Flow“, den Sow nur entdeckt, „wenn wir unsere erste Chance nutzen“.

Dass neben der deshalb ausgebliebenen fußballerischen Leichtigkeit gegen robuste Wölfe auch Standardsituationen verpufften, war Cheftrainer Glasner ein Dorn im Auge. Insgesamt zehn Ecken entfachten keine Gefahr. Weshalb das erste Mal nach der Sommerpause auf nationaler Ebene weder ein Tor noch ein Punkt zu Buche stand. Doppelnull trotz Doppelzehn sozusagen.

Dagegen genügte den Niedersachen eine von fünf Ecken, um den 0:1-Endstand zu markieren. Das Tor des Tages von Maxence Lacroix in der 60. Minute war der erste VfL-Treffer nach einem ruhenden Ball überhaupt 2022/23 sowie zugleich der erste per Kopf und in der Fremde.

Zahl des Spiels: 100

Das war sicher nicht der Hintergrund, als Sow bemerkte: „Fußball ist Kopfsache.“ Vielmehr forderte der Schweizer, „wieder Lockerheit“ reinzubekommen und „an das Positive“ zu denken. Einer, der beide Eigenschaften in der Vergangenheit nachhaltig personifiziert, ist Daichi Kamada. Der Mittelfeldmann hat im aktuellen Kader in der Bundesliga die meisten Scorerpunkte auf dem Konto: 14 Tore und 20 Vorlagen. Beides Topwerte aller Adlerträger, genau wie die wettbewerbsübergreifend 29 Tore.

Auch wenn der 26-Jährige ebenfalls ohne Zählbares blieb, konnte er mit seinem 100. Bundesligaspiel immerhin eine kleine Marke knacken. Er ist damit der zwölfte Japaner, der diesen Meilenstein erreicht.

Das schreiben die Medien

  • hessenschau: „Trotz einer klaren Feldüberlegenheit verloren die Hessen gegen den VfL Wolfsburg knapp.“
  • Wiesbadener Kurier: „Den Willen konnte niemand den Frankfurter Profis absprechen, aber es fehlte eindeutig an Mitteln.“
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Schon wieder haben die "Wölfe", wie zumeist in den vergangenen Jahren, bei der Eintracht große Beute gemacht. Diesmal reichte ein Tor von Maxence Lacroix in der 60. Minute, um der Eintracht mit dem 0:1 eine bittere Heimniederlage zuzufügen.“

Das sagt das Netz

  • „Ich wiederhole mich gerne: Oh Eintracht Frankfurt du bist mein Leben, du machst mich glücklich wenn du gewinnst und geht das Spiel auch mal verloren, wir werden immer weiter zu dir stehn.“ (@4ttila78)
  • „Das war gestern SGE 2016/17 vs. SGE 2021/2022. Wir waren damals unter Kovac ein sehr unbeliebter Gegner, hinten möglichst nix zugelassen, eklig in den Zweikämpfen und vorn die Hoffnung auf ein Kontertor.“ (@balljungs)
  • „Bei sovielen Ecken die wir hatten wäre die Regelung 3 Ecken = 1 11er besser gewesen 😅“ (@Chriz069)

Ausblick: Erinnerungen werden wach

Nur ein Jahr hatte Kamada seit seiner Ankunft am Main 2017 anderswo verbracht: 2018/19 leihweise bei der VV St. Truiden. Seinerzeit hatten die Adler nach einem gleichermaßen durchwachsenen Saisonstart durch ein 2:1 bei Olympique de Marseille eine Antwort gegeben, die Sow sich und seinen Kollegen auch beim Wiedersehen vier Jahre später zutraut. „Wir haben an diesem Dienstag ein Highlight, viele unserer Fans sind dabei. Ihr Support ist unglaublich. Wir haben schon oft eine Reaktion auf solche Phasen gezeigt.“

Derweil erwartet Sportvorstand Krösche im zweiten Gruppenspiel der UEFA Champions League ohnehin „ein anderes Spiel. Sie werden deutlich höher attackieren als Wolfsburg. Wir müssen für beide Varianten Lösungen haben.“ Bis zum Ernstfall bleibt neben dem Auslaufen am Sonntag einzig das Abschlusstraining am Montag im Deutsche Bank Park, ehe der Flieger nach Frankreich abhebt. Anstoß im Orange Vélodrome ist am Dienstag um 21 Uhr.