Nein, ein grundsätzliches Effizienzproblem bestehe nicht, erklärte Oliver Glasner auf der Pressekonferenz am Samstagabend nach der 1:2-Niederlage gegen Borussia Dortmund und wartete sogleich mit zwei Gegenbeispielen aus der jüngeren Vergangenheit auf: dem 2:1 gegen Olympique de Marseille am Mittwoch und erst recht dem 3:1 bei Borussia Mönchengladbach vor einer Woche. Auch wenn nicht zuletzt die diesmalige Abschlussschwäche gepaart mit einem über sich hinauswachsenden Gäste-Goalie Gregor Kobel und des verwehrten Foulelfmeters kurz vor der Pause zur Niederlage führten.
Geschichte des Spiels: Dominant wie selten
Kurz zuvor hatte der Fußballlehrer bei Sky spontan noch einen anderen Gedanken kundgetan. „Ich erinnere mich noch an unser erstes Spiel in Dortmund, als wir sang- und klanglos 2:5 verloren haben und noch höher hätten verlieren können“, rekapitulierte Glasner sein Bundesligadebüt mit dem Adler auf der Brust.
Nun, 16 Monate später, sei „eine deutliche Weiterentwicklung“ auszumachen. „Noch nie hat eine meiner Mannschaften so dominant gegen den BVB gespielt“, behauptete der 48-Jährige. Die Zahlen zum Spiel mögen dem nicht widersprechen.
608 Pässe spielten die Hessen gegen den Champions-League-Teilnehmer, so viele wie nie in dieser Saison, auch die 20 abgegebenen Schüsse sind neuer Höchstwert 2022/23. Allein fünf davon entfielen auf Jesper Lindström, in Mönchengladbach mit zwei Toren noch die personifizierte Kaltschnäuzigkeit. Nicht zuletzt wiesen die Bundesligastatistiker ein Expected-Goal-Verhältnis von 2,30 zu 0,73 aus. Gemessen daran hätte das Kräftemessen locker umgekehrt enden können – mindestens. Allein Kobel wehrte sechs Versuche ab.
Zahl des Spiels: 7
Deshalb war es Glasner auch einerlei, ob es nun die erste Pleite gegen Dortmund gewesen war oder eben die siebte im siebten Vergleich. In anderen Fällen ist die Sieben gleichwohl alles andere als verflixt.
Daichi Kamada gelang mit dem zwischenzeitlichen Ausgleich sein siebter Saisontreffer und zählt damit gemeinsam mit Bayerns Jamal Musiala zu den torgefährlichsten Mittelfeldspielern der Bundesliga. Randal Kolo Muani, diesmal ebenso glücklos im Abschluss, aber mit der Vorlage zum 1:1, kommt nach dem zwölften Spieltag auf sieben Assists und damit die meisten aller Akteure in Deutschlands Beletage.
Das schreiben die Medien
- hessenschau: „Gegen Borussia Dortmund scheitert das Team an seiner schlechten Chancenverwertung. Eine Szene kurz vor der Pause erregt die Gemüter besonders.“
- SPIEGEL: „Die Eintracht hatte am vergangenen Mittwoch gegen Marseille gewonnen und kann mit einem Erfolg gegen Sporting Portugal am kommenden Dienstag ins Achtelfinale der Champions League einziehen. Auf das Spiel gegen die Dortmunder hatte das keinen Einfluss, die Eintracht agierte mit maximaler Energie und hätte die Partie bei insgesamt 20 Torschüssen und vielen Großchancen gewinnen können.“
- Frankfurter Rundschau: „Eintracht Frankfurt spielt Borussia Dortmund an die Wand, vergisst aber das Toreschießen und hadert zu Recht mit seltsamen Schiri-Entscheidungen.“
Das sagt das Netz
- „Was die Eintracht mittlerweile für einen Fußball spielt ist wirklich der Wahnsinn.“ (@cschellhorn)
- „Oh Mann. Gekämpft bis zum Schluss. So gut gespielt und doch verloren. Aber so ist das manchmal. Es steht fest: die @Eintracht spielt gerade richtig schönen Fußball.“ (@koeppenjan)
- „Danke, #Kobel! Frankfurt mit besserer Staffelung und besserem Ballbesitzspiel. Und das mit einem deutlich günstigeren Kader. So ist das, wenn man gut scoutet und kreative Transfers macht.“ (@schwarzundgelb1)
Ausblick: K.-o.-Kampf in Lissabon
Entsprechend gilt die einzige Enttäuschung dem Endergebnis. Zeit zum Trübsal blasen bleibt ohnehin nicht. Am Dienstagabend kommt es in Lissabon gegen Sporting Clube de Portugal zum Endspiel ums Achtelfinale in der Königsklasse. Nach Regeneration und Auslaufen am Sonntag steht am Montag ab 13 Uhr das Abschlusstraining im Deutsche Bank Park an. EintrachtTV überträgt die ersten 15 Minuten live. Am Dienstag heißt es dann im Estádio José Alvalade XXI: Siegen, Absteigen in die Europa League oder Fliegen.
Aber wie Kevin Trapp, nach Samstag mit 214 Bundesligaeinsätzen für Frankfurt der Spieler mit den meisten im aktuellen Kader, unlängst kundgetan hatte: „Endspiele können wir!“ Und einen Gegner von europäischem Format dominieren mittlerweile auch.