Einordnung: Viele Wege, wenig Mittel
0:2 gegen den VfL Wolfsburg, die siebte Niederlage in dieser Saison, eine mehr als in der gesamten vorhergehenden Spielzeit. Wie meistens, wenn sich Eintracht Frankfurt nach über 90 Minuten geschlagen geben musste, hatte der Gegner zuvor schwierige Rätsel entwickelt, deren Lösung rückblickend in der Theorie einfacher zu lösen waren als in der Praxis. Erst nach dem Rückstand nach knapp einer halben Stunde.
Es war fast bezeichnend, als VfL-Coach Florian Kohfeldt auf die Bedeutung von Max Kruse, der mit dem 0:1, seinem sechsten Treffer in den vergangenen vier Aufeinandertreffen mit Frankfurt, der Spielentwicklung eine entscheidende Wende gab, nonchalant abwiegelte. Sinngemäß wiedergegeben: Er habe seinen Winterneuzugang wohl in den vergangenen Jahren am häufigsten in den Himmel gelobt, auf diesen Samstagnachmittag im Deutsche Bank Park bezogen mochte er aber wegen eines aus elf Metern ins Tor untergebrachten Balls aber nicht übertreiben und lieber andere Wölfe hervorheben. Namentlich: „Brooks, Bornauw und Lacroix haben uns das Spiel gewonnen.“ Also die drei Innenverteidiger, keiner kleiner als 1,90 Meter.
Die drei Hünen waren ein, sehr wesentlicher, Punkt, weshalb die Hausherren nicht nur aus dem Spiel heraus wenig Durchschlagskraft entwickelten, sondern auch nach am Ende zehn Eckstößen, zuletzt eine Paradedisziplin, zweiter Sieger blieben. Dem zollte auch Oliver Glasner Respekt. Zugleich fand der Eintracht-Cheftrainer hier den nächsten Ansatzpunkt, seine Mannen weiterentwickeln zu wollen: „Wir müssen lernen, uns gegen physisch starke und wache Verteidiger durchzusetzen. In der Luft wird es schwierig. Wir hatten Bälle hinter die Kette, aber am Ende habe ich immer nur Bornauw gesehen, der geklärt hat.“ Es war beileibe nicht das einzige Manko, das zum gebrauchten Tag führte. Markus Krösche benannte die nicht ganz neuen Erkenntnisse eindeutig: „Wir haben zu häufig den Querpass als den Abschluss gesucht, müssen zielstrebiger werden und die Fehler minimieren.“
Zahl des Spiels: 33 Meter
Hierbei bezog sich der Sportvorstand wie alle sportlich Beteiligten beileibe nicht auf den Gesamtauftritt, sondern insbesondere auf das Verhalten in der Box, wie es so schön heißt. Beziehungsweise in beiden Strafräumen. In diesen jeweils 16,5 Meter, zusammen 33 Meter, weiten Feldbereichen, das bemängelte auch Glasner, „waren wir nicht gut genug.“ Knapp aufgedröselt: „Wir sind selber schuld, wenn wir kein Tor schießen. Wir hatten mehrere Drei-gegen-drei-Situationen, in denen wir hängen bleiben. Auch vor dem Elfmeter waren wir in Überzahl.“
Schlüsselmoment des Spiels
In diesem Zusammenhang analysierte Glasner auch die Szene, die das kampfbetonte Match gewissermaßen in zwei Teile gliederte – den vor und dem nach dem Rückstand. Unabhängig von der Entstehung des Strafstoßes suchten die Verantwortlichen die Schuld bei niemand anderem als sich selbst. Kevin Trapp, der beim Elfer die richtige Ecke erahnte, befand die Szene „schwer zu lösen. Hinti will zum Ball, Max fällt. Er hat selbst gesagt, dass er einen kurzen Schwächeanfall hatte. Ich weiß nicht, wie ich es bewerten soll. Es geht drin los und hört außerhalb des Sechzehners auf. Schwierig zu entscheiden. Dass wir verloren haben, hat nichts mit dem Schiedsrichter zu tun. Wir hatten lange genug Zeit, um das Spiel zu drehen.“
Glasner mochte sich ebenso wenig auf Einzelne beziehen und zeigte vielmehr eine nachvollziehbare Kettenreaktion auf: „Es gibt die klare Anweisung, den Gegenspieler nicht in die Mitte ziehen zu lassen.“ Der eine, Tuta, sei 22, der andere, Kruse, 33. Auch eine Frage der Erfahrung. „So einfach ist es manchmal“, meinte der 47-Jährige. Weshalb der Fußballlehrer „weit davon entfernt“ war, Hinteregger „die Alleinschuld zu geben. Das wäre mir zu oberflächlich. Wir haben als Mannschaft verloren.“
Ausblick: „Dranbleiben“
Und überhaupt: „Natürlich sind wir unzufrieden mit der hohen Anzahl an Gegentreffern. Aber das macht keiner absichtlich. Wir werden dranbleiben und nicht lockerlassen.“ In dieseselbe Kerbe schlug ebenso Krösche, der angesprochen auf die sportlichen Aussichten bekräftigte: „Unsere Ambitionen bleiben unverändert.“ Oder um aus Spielersicht zu sprechen. „Wir können ja nicht aufhören, Fußball zu spielen. Wir machen weiter, möchten die Dinge, die wir nicht gut gemacht haben, verbessern und das nächste Spiel gewinnen“, so Trapp gegenüber EintrachtTV. Die nächste Gelegenheit, dies mit Taten zu untermauern bietet sich am nächsten Samstagabend, 18.30 Uhr, beim 1. FC Köln.