Auch einen Tag danach fühlt es sich noch ein wenig surreal an: Eintracht Frankfurt steht im Achtelfinale der UEFA Champions League! Und das in der Debütsaison. Um ein Haar sogar als Gruppensieger, hätte Tottenham Hotspur mit der letzten Aktion des Spiels in Marseille nicht noch den Siegtreffer zum 2:1 erzielt. Das trübt die Freude am Main aber wahrlich nicht.
Geschichte des Spiels: Wechselbad der Gefühle
Vielmehr überwiegt der Stolz auf das Erreichte. Noch zur Halbzeitpause hatte es ganz anders ausgesehen: Selbst in Rückstand, durch die Führung Marseilles Gruppenletzter. Oder wie es die Grafik des Streamingdienstes DAZN perfekt zusammenfasst: eine vollkommen verrückte Achterbahnfahrt!
Vor dem so wichtigen Ausgleich Kamadas, der wettbewerbsübergreifend übrigens mit einer Chancenverwertung von 38,7 Prozent die beste Quote aller Spieler in den Top-Fünf-Ligen Europas aufweist, sah es noch düster aus für die Frankfurter Eintracht. Doch eine Willensleistung des gesamten Teams ermöglichte die Wende, das konstatierte auch Sportvorstand Markus Krösche nach dem Spiel: „Die zweite Halbzeit war komplett anders. Wir haben unseren Fußball auf den Platz bekommen, waren mutig, haben Eins-gegen-eins-Situationen gewonnen und sind über die gesamte Gruppenphase gesehen verdient weitergekommen.“
Das erlösende Siegtor durch Randal Kolo Muani war dann das i-Tüpfelchen auf einer starken zweiten Hälfte. Und das, obwohl der junge Franzose auch selbst in diesem Spiel durch ein Wechselbad der Gefühle ging. „Er war zuvor nicht so gut im Spiel. Beim Treffer setzt er sich aber gut durch, auch mit Tempo. Den Ball hat er toll getroffen und so das Spiel entschieden“, analysierte Oliver Glasner im Nachgang.
Zahl des Spiels: 17
Der Schlüsselspieler für den Turnaround nach der schwachen ersten Hälfte war aber in aller Augen Kapitän Sebastian Rode. Dass 45 Minuten Spielzeit ausreichen, um zum Man of the Match gewählt zu werden, verdeutlicht diese These. Eine andere Zahl vielleicht sogar noch mehr: 17 Zweikämpfe hat Rode in diesen 45 Minuten gewonnen und damit mehr als jeder andere Frankfurter Spieler auf dem Platz – seine Rückennummer war Programm.
Immer wieder trieb er das Offensivspiel an, war giftig in den Defensivaktionen. Was auch der Plan des Trainers war, wie Rode verriet: „Der Trainer denkt sich immer etwas dabei, wenn er jemanden einwechselt. Umso schöner, wenn es funktioniert.“ Auftrag zu 100 Prozent erfüllt!
Das schreiben die Medien
- Rode macht für die Eintracht den Unterschied (Frankfurter Rundschau)
- Historische Eintracht feiert Leader Rode – und hat keine Party (kicker)
- Die Traumreise durch den Kontinent will einfach nicht enden (FAZ)
Das schreibt das Netz
- Schlaflos im Eintrachteuropahimmel 2022 - und die Sterne stehen gut für 23 (@23oliver01)
- Einfach nur wow. Ich ziehe meinen Hut vor dieser Mannschaft. Sie begeistert mich immer aufs Neue. (@multiproxy27)
- Mir fehlen die Worte zu Sebastian Rode - Bester Spieler des Spiels, obwohl nur eine Halbzeit gespielt! Vielen Dank für diese Leistung, Chapeau. FORZA SGE (@StefanMaas8)
Ausblick: Keine Zeit zum Feiern, die Bundesliga ruft
Aber auch ein „historischer“ Erfolg, wie es Vorstandssprecher Axel Hellmann formulierte, lässt sich in diesen Wochen nicht so ausschweifend feiern, wie es in ruhigeren Zeiten womöglich der Fall wäre. Schon am Samstag geht es in Augsburg weiter. Sportvorstand und Trainer warfen den Blick schon kurz nach Anpfiff direkt wieder auf die Bundesliga. Krösche: „Wichtig ist für uns, dass wir in der Bundesliga weiter punkten. Deshalb wird es vielleicht einen Wein, aber keine große Party geben. Die Punkte, die wir gegen Dortmund verloren haben, möchten wir in Augsburg holen.“
Nach der Rückreise am Mittwoch bekommen die Spieler einen freien Donnerstag zur Regeneration. Am Freitag stehen eine Einheit und die Reise nach Augsburg an, bevor es am Samstag wieder um Punkte im nationalen Geschäft geht.