Der Ligastart verlief für Eintracht Frankfurt 1979/80 eigentlich nach Maß. Vier Siege holten die Mannen von Friedel Rausch aus den ersten vier Spielen, ehe die Hessen dem FC Schalke 04 0:1 unterlagen. Als einer von fünf Bundesligisten hatten sich die Adler in der Vorsaison als Tabellenfünfter für den UEFA-Pokal qualifiziert, dessen Sieger ab dem Halbfinale später Stuttgart, Bayern, Mönchengladbach und eben die SGE unter sich ausmachen sollten.
Dass ausgerechnet die Hessen, die im Oberhaus am Ende auf Rang neun abschnitten, den Europapokal gewinnen würden, deutete sich im September 1979 nicht unbedingt an. Erstmal galt es, die erste Runde gegen den Aberdeen FC zu überstehen. Die Schotten galten ihrerzeit zu den Top Drei des Landes neben den ewigen Glasgower Rivalen Celtic und Rangers.
Die Dons erlebten unter dem Manager Alex Ferguson, der mittlerweile auf der Insel den Titel Sir innehat, die erfolgreichste Phase der Klubgeschichte, das Team gilt Vielen noch heute als Goldene Generation: Meister 1980, 1984, 1985; Pokalsieger 1982, 1983, 1984, 1986; Ligapokalsieger 1986; Europapokalsieger der Pokalsieger 1983 durch ein 2:1 nach Verlängerung gegen Real Madrid und UEFA-Supercup-Sieger 1983 durch ein 0:0 und 2:0 gegen den Hamburger SV.
Doch nicht in jenem Jahr. Obwohl Frankfurt auf die verletzten Fred Schaub, Ronald Borchers und Norbert Nachtweih verzichten musste, Karl-Heinz Körbel und Jürgen Grabowski erst wieder ins Training eingestiegen waren, jedoch rechtzeitig zum Hinspiel im Pittodrie Stadium fit geworden waren.
Fit wie Flöhe und unerbittlich.
Joe Harper über die Eintracht
Nach 90 Minuten steht ein 1:1, das die Hausherren trotz der Auswärtstorregelung eher als Erfolg verbuchten als die Eintracht, so sehr war Frankfurt vor rund 23.000 Besuchern überlegen. Folgerichtig die 1:0-Pausenführung durch Cha Bum-kun. „Wir wussten, dass Cha unser größtes Problem werden würde, aber wir konnten es trotzdem nicht lösen. Er war unaufhaltsam“, erklärte Ferguson hinterher.
Zwar gelang Joe Harper kurz nach der Pause der 1:1-Endstand, allzu rosige Aussichten formulierten die AFC-Protagonisten dennoch nicht. „Frankfurt war gut organisiert, fit wie Flöhe und unerbittlich“, zeigte sich Stürmerstar Harper beeindruckt. Und der damalige Newcomer Ferguson, der bis zum Ende seiner Laufbahn bei über 1500 Vereinsspielen für Aberdeen und vor allem Manchester United an der Seitenlinie stand, meinte in einer ersten Stellungnahme: „Die Eintracht hat so frech gespielt, dass ich für das Rückspiel keine Chancen für uns sehe.“
Nachtweih: „Eines der schwierigsten Spiele überhaupt“
Neben dem Torschützen Cha hatte es dem Gastgeber vor allem Bernd Hölzenbein angetan. In der Zeitung war zu lesen: „Der Holz ist los“. Es war wie eine Prophezeiung. Im Rückspiel am 3. Oktober besiegelte Holz mit dem Tor des Tages zum 1:0 das Weiterkommen. Dann auch mit dem wiedergenesenen Nachtweih, der sich im Wiesbadener Kurier erinnerte: „Das Hinspiel war eines der schwierigsten Spiele in dieser Saison überhaupt. Und das, obwohl wir dort unser einziges Unentschieden geholt haben. Ansonsten haben wir jedes Auswärtsspiel verloren. Im Rückspiel haben wir uns auch schwergetan. Aber das war ein schweres Pflaster.“ Das erfuhr der ehemalige Abwehrmann selbst nochmal 1983 mit dem FC Bayern, als sich Aberdeen im Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger durchsetzte (0:0, 3:2).
So können sich die Kräfteverhältnisse verschieben. Umso eindeutiger ist die Ausgangslage vor der zweiten Auflage am Donnerstag: Aberdeen ist sicher ausgeschieden, Frankfurt Zweiter und weiter. Immerhin letzteres ist so eine kleine Parallele.