Timothy, welches Gefühl spürst Du in dieser Woche?
Ein sehr gutes Gefühl. Es ist noch alles möglich. Für uns als Mannschaft, aber auch für uns als Verein ist ein guter Saisonabschluss wichtig. Es kommt ein starker Gegner, wir wollen unbedingt gewinnen, Stuttgart will unbedingt gewinnen und ich erwarte eine geile Stimmung. Wir werden alles daransetzen, erfolgreich zu sein.
Mal wieder herrscht am 34. Spieltag Hochspannung bei der Eintracht. War klar, oder?
Natürlich, das ist Eintracht Frankfurt. Wir gehen positiv gestimmt in das Spiel. Hochspannung bis zum Schluss, das ist doch auch das Schönste am Fußball – nichts austrudeln lassen, sondern bis zum Schluss um etwas kämpfen.
2023, 2024 und 2025 hatte die Eintracht zum Saisonfinale immer Spiele vor der Brust, in denen es um viel ging – jedes Mal habt Ihr euer Ziel erreicht. Was stimmt Dich zuversichtlich, dass es auch 2026 klappt?
Wir haben ein geiles Heimspiel vor der Brust und ich weiß, dass unsere Fans bis zur letzten Minute noch einmal alles geben werden, auch wenn es ein durchwachsenes Jahr war. Wir wollen unseren Fans unbedingt etwas zurückgeben, das stimmt mich positiv. Positiv, dass wir auf dem Platz noch einmal alles abrufen und am Ende wieder unser Ziel erreichen.
Unsere Fans werden bis zum Schlusspfiff hinter uns stehen, das weiß ich!
Timothy Chandler
Vor zwei Wochen musstet Ihr Pfiffe hinnehmen, nach dem Spiel in Dortmund haben Euch die Fans mit Applaus und Anfeuerung verabschiedet. Du kennst die Fans: Was erwartest Du von den Rängen am Samstag?
Ich kann die Fans verstehen, natürlich dürfen sie auch mal ihren Unmut äußern. Aber das Wichtigste ist doch, dass wir als Eintracht-Familie in guten, wie in schlechten Zeiten zusammenstehen. Genau das müssen und werden wir zeigen. Unsere Fans werden bis zum Schlusspfiff hinter uns stehen, das weiß ich!
Es ist ein Dreikampf um Platz sieben und den damit verbundenen Einzug in die UEFA Conference League. Augsburg spielt zeitgleich in Berlin, Freiburg gegen Leipzig. Will man als Spieler eigentlich wissen, was auf den anderen Plätzen passiert? Ein Beispiel: 2023, als eingeblendet wurde, dass Wolfsburg gegen die Hertha zurückliegt, ist ein spürbarer Ruck durchs Stadion gegangen – am Ende stand ein 2:1-Heimsieg gegen Freiburg.
Da ist jeder Spieler anders. Ich persönlich schaue sehr selten auf die Tabelle oder das, was andere Klubs machen. Ich fokussiere mich voll und ganz auf uns. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen, dahingehend dürfen wir uns nichts vorwerfen lassen. Jetzt haben wir noch diese eine Chance. Wir wollen gewinnen, wir müssen gewinnen. Das ist das Wichtigste!
Was passiert wann? Von Tabellenplatz sieben bis neun ist für Frankfurt alles noch möglich:
- Heimsieg: 7. Platz, wenn Freiburg gegen Leipzig nicht gewinnt und Augsburg in Berlin bei einem Sieg den aktuellen Acht-Tore-Rückstand gegenüber der Eintracht nicht aufholt.
- Unentschieden: 7. Platz, wenn Freiburg gegen Leipzig verliert und Augsburg in Berlin nicht gewinnt; 8. Platz, wenn Freiburg nicht verliert und Augsburg in Berlin nicht gewinnt; 9.Platz, wenn Freiburg nicht verliert und Augsburg gewinnt.
- Niederlage: 8. Platz, wenn Augsburg in Berlin verliert und die Eintracht die bessere Tordifferenz behält; 9. Platz, wenn Augsburg in Berlin gewinnt oder unentschieden spielt.
Nächste Woche jährt sich das Relegationsdrama gegen Nürnberg zum zehnten Mal. Du dienst gewissermaßen als Zeitzeuge, zumal gegen Deinen Ex-Klub. Worin unterscheiden sich Drucksituation und Endspielstimmung im Vergleich zu Samstag?
Diesmal ist die Situation viel positiver, eine andere Art von Druck. Wenn wir ein richtig gutes Spiel machen, drei Punkte holen und alles für uns läuft, können wir letztendlich als Gewinner im Rennen um den Europapokalplatz dastehen. Wir können die Saison noch positiv beenden. Damals ging es um Existenzen, es ging um den ganzen Verein.
Nicht nur bei uns, auch beim Gegner geht es am Samstag im Kampf um einen Champions-League-Platz um viel – jeder Punkt zählt. Macht diese Tatsache das Spiel noch etwas besonderer?
Ja, weil niemand im Nachhinein sagen kann, dass man nicht mehr alles gegeben habe, da bereits alles entschieden war. Beide Teams müssen gewinnen, es wird richtig zur Sache gehen. Auch deshalb freue ich mich sehr darauf.
Auf der anderen Seite wartet auf Stuttgart eine Woche nach dem 34. Spieltag das DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern. Aus Deiner Erfahrung: Macht das etwas mit einem als Spieler, lockert man vielleicht nicht komplett die Handbremse, um fit für das große Endspiel zu sein?
Stuttgart hat bis zum Finale noch eine Woche Zeit. Und eine Verletzung kann man sich theoretisch immer zuziehen, auch im Training. Ich bin mir sicher, dass der VfB richtig heiß sein wird.
Stuttgart kommt mit einem überzeugenden Heimsieg gegen Leverkusen im Gepäck nach Frankfurt, vor allem die Spitzen Deniz Undav und Ermedin Demirovic sind gut drauf. Wie schätzt Du den Gegner ein?
Ich rechne mit einem schnellen und körperbetonten Spiel, in dem es hin- und hergehen wird. Viele Zweikämpfe, jeder will den Ball haben. Darauf müssen wir uns einstellen und genau das müssen wir auf den Platz bringen.
Der Trainer kann personell nahezu aus dem Vollen schöpfen, setzte öffentlich zuletzt auf die erfahrenen Spieler. Du standest in drei der vergangenen sechs Bundesligapartien im Spieltagskader. Welche Rolle hat Albert Riera für Dich definiert?
Der Trainer hat mir gesagt, dass ich sehr gut trainiere. Ich weiß aber auch, dass ich Spieler wie Robin, unser Kapitän, und Rasmus vor mir habe – das nehme ich an, das weiß er. Ich freue mich, dass er meine Trainingsleistung anerkennt – das ist wichtig und respektvoll. Der Trainer hat mir zudem gesagt, dass er meine Erfahrung brauche: unter anderem, weil ich weiß, wie der Klub tickt. Auch deshalb baut er auf mich.
Bist und warst Du in dieser Saison in der Kabine mehr gefragt denn je?
Ja, ich denke schon. Es war ein kompliziertes und kein einfaches Jahr. Auch für mich. Viel reden, viel kommunizieren und versuchen, Dinge in die richtige Richtung zu bewegen. Das macht mir aber auch Spaß, ich mache das gerne. Und ich hoffe, dass wir am Samstag einfach ein gutes Saisonende erkämpfen werden.
Du hast mit der Eintracht schon so gut wie alles erlebt. Auch, dass auf schwierigere Jahre immer wieder erfolgreiche Zeiten gefolgt sind. Mit welchem Gefühl blickst Du in die Zukunft?
Mit einem guten Gefühl. Klar, wir hatten ein schwieriges Jahr, aber das kann im Fußball mal passieren. Viele Menschen, die ins Stadion kommen, wissen das auch. Das Wichtigste ist doch, dass wir als Eintracht zusammenstehen. Jeder kann mal schimpfen, ich bin der Letzte, der damit ein Problem hat. Wir können ruhig mal diskutieren. Aber am Ende müssen wir zusammenhalten, denn nur das bringt uns wieder dorthin, wo wir in den vergangenen Jahren schon waren.
Für die Eintracht stehen gleich zwei Begegnungen mit Endspielcharakter auf dem Programm: Am Samstag das Match gegen Stuttgart, am Sonntag wollen die Frauen gegen Union Berlin Platz drei und damit den Einzug in den Europapokal perfekt machen. Deine Prognose für das SGE-Wochenende?
Einfach nur positiv. Ich hoffe, dass alle glücklich in die Pause starten können.
Die Zukunft hält auf jeden Fall Eintracht Frankfurt für mich bereit. Wir sind in guten Gesprächen.
Timothy Chandler
Du liebst es, tagtäglich hierherzukommen. Dein Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2026. Was hält die Zukunft für Dich bereit?
Die Zukunft hält auf jeden Fall Eintracht Frankfurt für mich bereit. Wir sind in guten Gesprächen. Ich fühle mich topfit und ich will die Jungs noch nicht allein lassen – und die wollen das auch gar nicht.
Wir können Dich nicht ohne Tipp gehen lassen. In wenigen Woche beginnt in Kanada, Mexiko und den USA die WM. Welche Nationen siehst Du in der Favoritenrolle?
Keine der großen Fußballnationen. Eher ein Team, das aktuell noch nicht viele auf dem Zettel haben.

