05.07.2022
Team

Athletische Abwehrkraft aus Afrika

Jérôme Onguéné verstärkt ab dieser Saison die Eintracht. Die Qualitäten des Innenverteidigers haben die Adlerträger einst am eigenen Leib erfahren.

Es läuft die 72. Spielminute im Rückspiel der Round of 32 der UEFA Europa League 2019/20 zwischen Salzburg und Eintracht Frankfurt. Dominik Szoboszlai steht zur Ecke bereit, nimmt ein paar Schritte Anlauf und schlenzt den Ball hoch ins Strafraumzentrum. Dort steigt Salzburgs Innenverteidiger mit der Nummer sechs am höchsten, köpft das Spielgerät ins linke Eck und trifft damit zur 2:1-Führung für die Hausherren. Nach der 1:4-Niederlage im Hinspiel kommt bei den Österreichern damit nochmal Hoffnung aufs Weiterkommen ins Achtelfinale auf. André Silva beendet diese kurz darauf aber mit seinem zweiten Treffer des Abends und dem damit verbundenen Endstand von 2:2. Der Mann, der zwischenzeitlich nochmal für Spannung in der Arena sorgte, steht seit dem 27. Juni auf dem Trainingsplatz im Deutsche Bank Park: Jérôme Onguéné.

28. Februar 2020: Jérôme Onguéné schnappt sich nach dem Führungstreffer gegen Frankfurt den Ball und bläst zur – letztlich vergeblichen – Aufholjagd.

Für Salzburg waren die beiden Spiele gegen die Eintracht zwei von acht in der UEFA Europa League. 13 Einsätze in der UEFA Champions League komplettieren seine Vita auf internationaler Klubebene. Nicht zuletzt deshalb sei es etwas Besonderes, so Markus Krösche, den 1,87 Meter großen Innenverteidiger für die Eintracht begeistert zu haben. „Es ist sicher besonders, dass wir einen Spieler hinzugewinnen, der in seinem jungen Alter bereits zahlreiche Einsätze in der Champions League vorweisen kann. Es spricht für Eintracht Frankfurt, einen solchen Spieler für uns gewonnen zu haben. Wir freuen uns auf Jérôme und die gemeinsame Zusammenarbeit“, bekundete der Sportvorstand nach der Verpflichtung im März.

Fünf Jahre lang lief Onguéné zuletzt für Salzburg auf, gewann in der Mozartstadt vier österreichische Meisterschaften und drei nationale Pokale. Insgesamt kam er im Dress der Blau-Roten auf 111 Pflichtspieleinsätze, in denen er 13 Tore erzielte und fünf weitere auflegte. Die Bundesliga ist ihm noch aus seiner Zeit beim VfB Stuttgart bekannt. 2017 wechselte er von seinem Ausbildungsverein, dem FC Sochaux aus Frankreich, ins Schwabenland. Nach zwei Spielen in der zweiten Mannschaft des VfB schloss er sich nach einem halben Jahr erst leihweise und nach einer weiteren Zwischenstation in Genua fest den Salzburgern an. „Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, erwachsen zu werden und habe sehr viele Erfahrungen gesammelt. Der Jérôme von Stuttgart ist nicht mehr mit dem Jérôme von heute zu vergleichen“, beschrieb der 24-Jährige bei seiner offiziellen Vorstellung seinen genommenen Reifeprozess.

Ruhiger Zeitgenosse, zumindest, wenn der Ball ruht: Jérôme Onguéné vor dem ersten Testspiel in Nieder-Weisel.

Einer seiner bislang größten sportlichen Erfolge war der Gewinn der U19-Europameisterschaft 2016 in Deutschland mit der französischen Nationalmannschaft. Bei der Équipe Tricolore durchlief der in der kamerunischen Stadt Mbalmayo geborene Kicker alle Jugendmannschaften von der U16 bis zur U20, entschied sich im August 2018 allerdings für einen Verbandswechsel. Damals wurde er erstmals für die A-Nationalmannschaft Kameruns berufen, für die er am 12. Oktober 2018 in der Qualifikation zum Afrika-Cup gegen Malawi debütierte. Onguéné stand prompt in der Startelf und spielte 70 Minuten lang. Bis heute kommt die kantige Abwehrkraft auf zehn Partien im Nationaldress und holte beim diesjährigen Afrika-Cup den dritten Platz. In Frankfurt erhoffe sich der Verteidiger, den nächsten großen Schritt in seiner Karriere zu machen und „dass wir in den nächsten Jahren hier etwas Großes erreichen können“.

Er selbst beschreibt sich im Alltag als eher ruhige Person, hier und da auch gerne mal schüchtern und zurückhaltend. Auf dem Platz sei allerdings das komplette Gegenteil der Fall: „Da mag ich es zu kämpfen, zu schreien und zu sprechen“, versichert er. Entsprechend schnappte er sich die Rückennummer vier, „weil Sergio Ramos sie trägt. Er ist ein großes Idol für mich. Aber nicht nur deswegen habe ich mich für die Vier entschieden, sondern auch, weil es die klassische Nummer eines Innenverteidigers ist“. Mit allen Qualitäten, die dazugehören – im eigenen wie im gegnerischen Sechzehner. Ab sofort nicht mehr zum Leidwesen, sondern zum Wohle des Europapokalsiegers.

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