Vor dem Gastauftritt im Frankfurter Stadtwald hat Borussia Mönchengladbach mit der Eintracht noch einige Rechnungen offen. Starke Einzelspieler verleihen den Fohlen das Potenzial, um sich nach einem Jahr Abstinenz wieder für den Europapokal zu qualifizieren. Doch eine Schwäche bekommen Trainer Dieter Hecking und seine Schützlinge nicht los: Die vergangenen vier Pflichtspiele gegen die Eintracht liefen für Gladbach eher ernüchternd, für die SGE indes zufrieden stellend: Im Hinspiel traf Kevin-Prince Boateng die Borussen mit einem frühen Tor zum 1:0-Endstand mitten ins Herz. Auch in der vergangenen Saison tat sich der Traditionsclub bei zwei Nullnummern gegen Frankfurt schwer. Am nachhaltigsten in Erinnerungen geblieben sein dürfte allerdings das Halfinal-Aus im DFB-Pokal im April, als die scheinbar favorisierten Rheinländern vor eigenem Publikum im Elfmeterschießen aus ihrer Sicht das Ticket nach Berlin von der Eintracht aus den Händen gerissen bekamen.
Dass die Fohlenelf gegen die Eintracht zuletzt zweimal zu Hause verloren hat, das ist eher ungewöhnlich. Denn im heimischen Borussia-Park ist der VfL seit mehreren Jahren wieder eine Macht. Mönchengladbach holte alleine in dieser Spielzeit fast zwei Drittel der Punkte in Heimspielen (20 von 31). Während die Borussia zu Hause seit fünf Bundesliga-Spielen ungeschlagen ist, gingen die letzten drei Gastspiele alle verloren. Wäre die Hecking-Elf auswärts etwas besser, dann wäre eine Champions-League-Teilnahme - zweimal war man in den vergangenen drei Jahren in der Königsklasse dabei - definitiv möglich.
Dennoch ist die Laune rund um den Borussia-Park dieser Tage wieder besser: Das verdiente 2:0 mit dem Label "Arbeitssieg" gegen den bekannt unangenehmen FC Augsburg sorgte dafür, dass Mönchengladbach weiterhin im Kampf um die Spitzenplätze ein ernstes Wörtchen mitreden darf. Neben Thorgan Hazard und Kapitän Lars Stindl hat in der Offensive zuletzt auch der Brasilianer Raffael wieder zur Form vergangener Tage gefunden. In der Defensive sorgen Nationalspieler Matthias Ginter und Hüne Jannik Vestergaard für Stabilität und sogar vorne für das ein oder andere Tor. Acht Tore haben die Mönchengladbacher Abwehrmänner in dieser Spielzeit schon erzielt, Ginter und Co. treffen dabei vor allem nach Standards: Zwölf Tore sind für Gladbach bereits nach ruhenden Bällen zu notieren gewesen.
Drei im Fokus
Matthias Ginter: Rechtzeitig in WM-Form
Wenige Monate vor der Weltmeisterschaft in Russland kommt das Mitglied des Weltmeisterteams 2014 und Confed-Cup Sieger 2016 immer besser in Fahrt: Am vergangenen Wochenende war Matthias GInter an beiden Treffern beim 2:0 gegen Augsburg beteiligt - einmal als Vollstrecker, einmal als Vorbereiter. Insgesamt sechs Scorerpunkte gelangen dem seit kurzem 24-Jährigen, was ein persönlicher Saisonrekord für den früheren Freiburger und Dortmunder ist. Eine Fehlpassquote von gerade mal neun Prozent sowie gerade mal fünf Fouls in 19 über die gesamte Spielzeit absolvierten Bundesligapartien sind in dieser Saison ebenfalls starke Werte.
Thorgan Hazard: Der Eisvogel steht vor Jubiläum
Auch Thorgan Hazard ist 24 Jahre alt, auch er dürfte in der aktuellen Verfassung sehr gute Chancen auf die WM-Teilnahme haben. Sieben Tore und sieben Vorlagen stehen in der Statistik des Bruders von Chelsea-Star Eden Hazard. In der Bundesliga toppen das lediglich Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang. Vier Treffer des Belgiers resultierten aus Elfmetern, kein Spieler traf häufiger vom Punkt als Hazard. Trainer Hecking titulierte ihn jüngst als "Eisvogel". Der variable Mittelfeldspieler, der gefährliche Standards schlägt, steht in Frankfurt vor seiner 100. Partie für die Fohlen.
Patrick Herrmann: König der Ein- und Auswechslungen
Nur 24 seiner 212 Bundesliga-Spiele bestritt Patrick Herrmann über 90 Minuten: Der 26-Jährige wurde in seiner Karriere 61-mal ein- und 127-mal ausgewechselt. Kein Mönchengladbacher Bundesligaspieler wurde öfter ein- oder ausgewechselt. Historisch mussten nur drei Spieler das Feld öfter früh verlassen, und jetzt kann Herrmann in die Top-Drei rücken: Halil Altintop wurde 140-mal ausgewechselt, Gerald Asamoah 139-mal und Lars Ricken 128-mal.