01.07.2022
Team

Aus den Tiefen gelernt

Bei Randal Kolo Muani lassen sich nicht nur wegen seiner Geschwindigkeit Parallelen zu einer Achterbahnfahrt finden. Der Neuzugang im Portrait.

Randal Kolo Muani wurde in Bondy geboren, einem Stadtteil von Paris, in dem auch Frankreichs Weltstar Kylian Mbappé aufwuchs. Entsprechend häufig wurden Vergleiche zwischen beiden Spielern bemüht. Dass dieser trotz ähnlicher Spielanlagen – beide definieren sich vor allem über die Kombination aus Schnelligkeit und Technik – hinkt, betonte Muani in einem Interview selbst: „Ich verstehe nicht ganz, warum man das sagt. Ich wurde im Bondy Hôpital geboren, habe aber nie dort gelebt. Ich bin in Villepinte aufgewachsen, meine Eltern leben immer noch dort.“ Villepinte ist eine Stadt rund 20 Kilometer nördlich des Pariser Zentrums gelegen, übrigens Geburtsort des langjährigen Gladbachers Ibrahima Traoré.

Ein weiterer Unterschied zu Mbappé: Während die Karriere des Landsmanns geradezu bilderbuchmäßig verlief, musste Kolo Muani für seinen Durchbruch in der Ligue 1 deutlich mehr kämpfen – einige Windungen inbegriffen. Alles begann beim FC Villepinte, bei dem sein damaliger Trainer und Entdecker Loic Ferry auf den jungen, ruhigen Kolo Muani aufmerksam wurde.

Früher Durchbruch verpasst

Als Ferry zum in der Region renommierten Ausbildungsklub Torcy wechselte, nahm er Kolo Muani mit. Doch der junge Stürmer verpasste den direkten Durchbruch. Während Teamkollegen in die Jugendauswahlen von Proficlubs wechselten, blieb Kolo Muani in Torcy. „Ich war körperlich zu schwach“, sagte Kolo Muani einem französischen Medium, sein Trainer Ferry sprach von „fehlender Athletik“.

Heute ein blitzschneller Angreifer, wurde Randal Kolo Muani in der Jugend häufig für nicht athletisch genug befunden.

Doch wie bei jeder Achterbahnfahrt ging es auch bei Kolo Muani wieder bergauf. Mit 17 Jahren entdeckten 2015 Scouts des FC Nantes das Talent des Stürmers, der Wechsel in die Jugend eines Proficlubs wurde doch noch zur Realität. Beim französischen Erstligisten lief es gut an, schon nach einem Jahr holte ihn der damalige Trainer Sergio Conceicao in die erste Mannschaft. Als 18-Jähriger stand er zumindest im Kader des FC Nantes.

Doch dann die nächste Runde in der Achterbahn, die Kolo Muanis Karriere in den Anfangsjahren nahm: Conceicao wurde Trainer des FC Porto und das junge Sturmtalent musste sich bei den Nachfolgern Claudio Ranieri und Miguel Cardoso hintenanstellen. Fast zwei Jahre wartete er auf sein Ligue-1-Debüt, gegen die AS Saint-Étienne feierte er im November 2018 schließlich seine Premiere.

Umweg über dritte Liga

Fünf weitere Auftritte sollten in der Saison folgen, bei seinen drei letzten Einsätzen wurde er jedoch erst in der Nachspielzeit eingewechselt. Also ging er den Umweg, den viele Talente gehen: Er ließ sich in die dritte französische Liga ausleihen, zu US Boulogne. Kolo Muani, der mittlerweile neben seiner Schnelligkeit und Technik auch durch die nötige Physis bestach, etablierte sich nach anfänglichen Problemen als Stammspieler. Im Februar 2020 kam er in Fahrt, in vier Spielen verbuchte er fünf Scorerpunkte und traf gegen Ajaccio sogar doppelt.

Nach der Zwischenstation in der dritten französischen Liga startete Randal Kolo Muani in Nantes so richtig durch.

Und dann kam Corona. Die Saison wurde abgebrochen, Kolo Muani kehrte zurück nach Nantes. Die fehlende Spielpraxis machte ihm allerdings nichts aus, denn ab diesem Moment kannte die Achterbahnfahrt nur noch eine Richtung. 37 Spiele in der Ligue-1-Saison 2020/21, in der er jeweils neun Tore und Vorlagen verzeichnete, bedeuteten für Kolo Muani den endgültigen Durchbruch.

Angekommen – und wie

Und auch in der vergangenen Saison zeigte der 23-Jährige, worauf die Eintracht-Fans sich freuen dürfen: Spektakuläre Dribblings gepaart mit der nötigen Durchschlagskraft. 13 Treffer hat Kolo Muani in der vergangenen Saison erzielt, sieben weiteren hat er assistiert. „Man kann es als einen Vorteil bezeichnen, dass ich spät in den Profifußball gekommen bin. Dafür ging es dann steil bergauf. Ich hoffe, dass ich mit harter Arbeit noch weiter nach oben kommen kann“, erklärte Kolo Muani jüngst auf seiner Vorstellungspressekonferenz.

Und auch das Gefühl eines Pokaltriumphs kennt er schon: Mit Nantes gewann er im Mai den französischen Pokal durch ein 1:0 gegen Nizza. In Frankfurt will er nun die Bundesliga aufmischen. „Es war mir wichtig, meinen Ausbildungsverein FC Nantes vor dem Abschied mit einem Titel zu beschenken. Dafür spielt man Fußball. Ich hoffe, dass mit der Eintracht noch einige folgen werden. Dafür werden wir hart arbeiten.“

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