14.09.2022
Eintracht

„Befürchtungen übertroffen“

Vorstandsmitglied Philipp Reschke spricht nach den Vorfällen auf den Rängen am Dienstagabend in Marseille über die Aufarbeitung, den Austausch mit der UEFA und mögliche Konsequenzen.

Philipp Reschke über …

…den verletzten Eintracht-Fan: Zunächst einmal ist die Gesundheit das, was über allem anderen steht. Wir können berichten, dass der Fan durch eine Silvesterrakete, die im Block explodiert ist, schwer verletzt wurde. Er ist mittlerweile relativ stabil, aber es ist trotzdem eine sehr ernste Verletzung. Es handelt sich um eine Wirbelverletzung, die beim Sturz danach aufgetreten ist. Es ist noch unklar, ob der Fan in Marseille operiert werden muss oder noch transportfähig ist und nach Deutschland transportiert werden kann. Wir sind mit der Lebensgefährtin im Austausch und hoffen natürlich, dass das am Ende so glimpflich wie möglich für ihn ausgeht.

…Vorfälle am Dienstag nach dem Spiel: Die Nacht ist nach unseren Informationen ohne weitere Zwischenfälle verlaufen. Das ist in Anbetracht dessen, was wir gestern erlebt haben, eine gute Nachricht.  

…die Befürchtungen im Vorfeld des Spiels: Zunächst einmal wurden unsere Befürchtungen hier deutlich übertroffen. Wer sich mit Olympique de Marseille beschäftigt, weiß, was ihn bei solchen Spielen hier erwartet. Wenn man sich die Partien gegen PAOK Saloniki oder Feyenoord Rotterdam aus der Vergangenheit anschaut, dann sind das vergleichbare Szenen gewesen. Wir haben damit gerechnet, aber es dann zu erleben, hat eine ganz andere Qualität. Das ist ein Stück weit ein rechtsfreier Raum, den wir da auf der Seite der Olympique-Fans feststellen mussten.

Wir haben damit gerechnet, aber es dann zu erleben, hat eine ganz andere Qualität.

Philipp Reschke, Vorstandsmitglied Eintracht Frankfurt Fußball AG

…mögliche Spiele ohne Zuschauer: Wir müssen einräumen, dass es auch in unseren Reihen Menschen gab, die diesen rechtsfreien Raum ebenso gerne angenommen und Böller sowie Leuchtmunition abgefeuert haben. Das wird uns in den nächsten Tagen sehr viel mehr beschäftigen, weil wir mit unseren Vorstrafen und unserer Belastung bei der UEFA jetzt in sehr gefährliches Fahrwasser kommen – sowohl, was die Bewährung bezüglich unserer Heimspiele angeht, als auch mögliche Folgen für zukünftige Auswärtsspiele.

…den Austausch mit der UEFA: Zunächst wird die UEFA ein förmliches Verfahren anstrengen. Sie werden eine Weile damit verbringen, die Masse an Vorkommnissen rund um dieses Spiel vollständig zu kommentieren. Wir werden sechs Tage Gelegenheit haben, um Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen, die auf der Hand liegen. Dann wird man abwarten müssen, wie die UEFA in ihrer nächsten Regelsitzung, in der über sämtliche Verfehlungen in allen drei Wettbewerben an einem Tag entschieden wird, zu unserer Causa entscheidet.

…die Handgeste eines Fans aus dem Eintracht-Block: In Sachen Hitlergruß gibt es wenige Vereine, die ein so klares Werte- und Abgrenzungsverständnis zu Antisemitismus und derartigem Gedankengut haben wie wir. Es steht völlig außer Frage, dass wir diese Nummer minutiös aufklären werden. Der Betreffende hat sich selbst proaktiv im Verlauf der ersten Halbzeit bei uns gemeldet und bestreitet nachdrücklich, dass das eine solche Geste gewesen sein soll. Ob das wirklich eine glaubhafte Einlassung von ihm ist oder nicht, das werden wir im persönlichen Gespräch feststellen.

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