
Friedhelm Funkel hatte eine neue, defensivere Taktik gewählt und die Mannschaft auch personell entsprechend umgestellt. Chris kam als zentraler Spieler einer neugebildeten Dreierkette in die Mannschaft. Dafür musste mit Meier der Kopf der Kreativabteilung auf die Bank. Außerdem verteidigte Vasoski für Russ. Vorne erhielt Köhler wegen des krankheitsbedingten Ausfalls von Streit als einer von 3 offensiven Spielern seine Chance auf der linken Seite.
So defensiv, wie sich das anhört, spielten die Hessen dann auch in den ersten 45 Minuten. Sie machten den Bayern die Räume eng, was jene sichtlich störte. Vor allem Podolski kam anfangs überhaupt nicht zur Geltung. Es wurde deutlich, dass der Nationalspieler für seine Aktionen Räume braucht, welche ihm die Hessen nicht gewährten. Chris stopfte wie in besten Zeiten mit seiner grandiosen Übersicht die Löcher in der Defensive und tat sich im Gegensatz zu seinen Abwehr-Kollegen auch im Spielaufbau hervor. Hervorzuheben ist auch die Leistung von Fink, der sich stets aufs Neue als äußert geschickt erwies, wenn es darum ging, auf engstem Raum sicher zu agieren. Auch Spycher spielte sehr sicher und zermürbte Salihamidzic regelrecht.
Meist war für die Eintracht aber kurz hinter der Mittellinie Schluss mit den Offenisvaktionen und so gab es in der ersten Hälfte auf beiden Seiten nur jeweils eine echte Torchance. Salimhamidzic köpfte eine Freistoßflanke von Sagnol knapp vorbei. Auf der anderen Seite wurde ein Schuss von Preuß aus 11 Metern noch gerade eben abgeblockt. Die Torhüter hatten bis zum Pausenpfiff einen ruhigen Nachmittag, so dass der torlose Pausenstand letztlich keine Überraschung war.
Die zweite Halbzeit bot viel intensiveren Fußball. Nach etwa einer Stunde begannen die Eintracht-Fans, das Stadion in einen wahren Hexenkessel zu verwandeln. Von diesem Zeitpunkt an wurde der gegnerische Ballbesitz regelmäßig von einem gellenden Pfeifkonzert begleitet. Gewonnene Zweikämpfe des Heimteams lösten wahre Begeisterungsstürme aus - eine selbst für Frankfurter Verhältnisse ungewohnt aufgeheizte Atmosphäre. Die Stimmung übertrug sich alsbald auf das Feld. Das Spiel wurde rassiger, wenngleich es weitgehend fair blieb. Dennoch blieben Chancen auf beiden Seiten eine knappe Ware.
Um so wichtiger war am heutigen Nachmittag eine konzentrierte Chancenverwertung - in den letzten Wochen und Monaten nicht immer einer Stärke der Frankfurter. Und so stockte den Fans der Atem, als der agile Ochs den Ball zu Köhler passte, der den in die Gasse startenden Thurk mustergültig bediente. Der Angreifer war völlig frei vor Kahn, ballerte den Ball aber einen halben Meter am linken oberen Tordreieck vorbei. Diese Torecke war freilich wenig später "dran", als Ochs einen eigenen Einwurf vom eingewechselten Amanatidis mit der Brust zurückgelegt bekam. Die anschließende Flanke verwandelte Preuß mit einem perfekten Fallrückzieher zum goldenen Treffer. Die Bayern drückten nun noch stärker als zuvor, hatten aber weiterhin merklich Mühe, sich Chancen herauszuspielen. Am Ende retteten die Hessen den Sieg mit Geschick, Glück und jeder Menge Leidenschaft über die Zeit.
Die Eintracht hat durch diesen nicht unverdienten Sieg einen Sprung von Platz 16 auf Platz 12 der Tabelle gemacht und kann die folgenden 6 direkten Duelle gegen Konkurrenten aus der unteren Tabellenregion nun aus einer guten Position heraus angehen.
Eintracht Frankfurt |
| Bayern München |
9 | Torschüsse | 19 |
3 | Ecken | 3 |
19 | Flanken | 11 |
40 % | Ballkontakte | 60 % |
45 % | + Zweikämpfe | 55 % |
19 | Fouls | 17 |
0 | Abseits | 2 |
Takahara (3) | Die meisten Torschüsse | Makaay (4) |
Köhler, Takahara (je 2) | Die meisten Torschussvorlagen | Sagnol (4) |
Spycher (54) | Die meisten Ballkontakte | Lahm (105) |
Spycher (80 %) | Die Zweikampfstärksten | van Buyten (82 %) |