10.11.2025
Bundesliga

Das, was zählt: drei Punkte

Kein Schönheitspreis, aber das „unbezahlbare Gefühl des Sieges“: Die Eintracht ackert und punktet. Mit Weißer Weste, einer goldenen Einzelaktion sowie einem Startelfrückkehrer als „Paradebeispiel“.

„In aller erster Linie ist es genau das: Ein wichtiger Sieg. Das steht über allem.“ Sportdirektor Timmo Hardung brachte es auf den Punkt – drei wichtige Punkte, nicht mehr, nicht weniger. Weit abseits der Kandidaten-Shortlist auf einen Schönheitspreis, aus einer erneut stabilen Defensive heraus 1:0 gewonnen, fertig, aus. Hochgefühle unterm Adlerdach löste der Heimsieg im ausverkauften Deutsche Bank Park trotz allem aus, vor allem bei der Eintracht-Fanschar alleine schon aufgrund der aufgeladenen Bedeutung des Rhein-Main-Duells gegen den geographischen Nachbarn aus Mainz. „Das Gefühl des Sieges ist unbezahlbar, das ist wichtig für die Lebensqualität. Wir gehen jetzt mit sehr gutem Gefühl in die Pause. Jeder wollte das Spiel gewinnen, das hast du am Samstag schon im Training gemerkt. Es war sehr wichtig, dass wir das Spiel gezogen haben“, unterstrich Cheftrainer Dino Toppmöller.

EintrachtTV: Drüber gebabbelt – die Spieltagsanalyse aus dem Deutsche Bank Park

Ein Spiel, das am Sonntagabend zum Abschluss des zehnten Bundesligaspieltags keinen Glanz im nasskalt-nebeligen Frankfurt versprühte. Ein Teilzeit-Fußball-Schreckgespenst zwei Tage vor Beginn der fünften Jahreszeit. „Jeder, der Fußball liebt, konnte da nicht unbedingt grinsen, oder?“, stellte Sportvorstand Markus Krösche, angesprochen auf die offensiv ereignisarme erste Halbzeit, als Gegenfrage. Das Wörtchen „zäh“ fiel im Nachgang in der Mixed Zone mehrmals, unabhängig des Befragten. Das Spiel der Sportgemeinde Eintracht gegen den 1. Fußball- und Sportverein von 1905 war das 6516. Bundesligaspiel seit Beginn der detaillierten Datenerfassung 2004/05, und erstmals wurde in einer Partie im Oberhaus bis zur Halbzeitpause lediglich ein Torschuss abgegeben – in diesem Fall durch Frankfurts Mo Dahoud. Ein Griff in die Statistikkiste als exemplarische Darlegung dessen, was sich vor allem im ersten Durchgang abspielte: Steine klopfen, harte Arbeit. Kurzum: „Es war sicherlich kein Leckerbissen“, wie es Michael Zetterer nannte.

Doan erkennt die Lücke

Aber: Die Eintracht belohnte sich. Weil sie nach der Pause die Kontrolle übernahm, deutlich aktiver agierte, 13 Schüsse – acht davon aufs Tor – abgab und mit Ritsu Doan einen Spieler in ihren Reihen hat, der genau das besorgte, was einem Spiel wie diesem den entscheidenden Moment geben kann: eine herausragende Einzelaktion. „Zuerst wollte ich eigentlich eine Flanke schlagen, dann habe ich hinter der Abwehrkette aber diese Lücke gesehen und mir gedacht, dass ich diese vielleicht nutzen kann. Also habe ich es versucht“, beschrieb der Japaner den Moment in der 80. Spielminute, als er sein Dribbling zum Tor des Tages ansetzte.

„Er will immer spielen und der Mannschaft helfen, die Pause gegen Neapel hatte er aber gebraucht. Letztlich war es eine goldrichtige Entscheidung, so konnte er gegen Mainz 90 Minuten gehen“, so Toppmöller. Goldrichtige Entscheidung, goldenes Tor. Zum neunten Mal traf Doan in der Bundesliga auf Mainz, zum sechsten Mal war er direkt an einem Treffer beteiligt – gegen kein anderes Team aus dem Oberhaus sammelte er so viele Scorerpunkte.

Weitere Weiße Weste

Vorne eins, hinten null – nach St. Pauli und Napoli bewahrten die Adlerträger zum dritten Mal in den vergangenen vier Begegnungen eine Weiße Weste. „Es gibt viele Gründe für die defensive Stabilität in den vergangenen Spielen. Der Fokus auf dem Trainingsplatz, die Formationen sind umgestellt, die Mentalität, unbedingt verteidigen zu wollen. Und natürlich auch das nötige Quäntchen Glück, jetzt geht nicht mehr jeder Ball rein und Zetti freut sich, zu null zu spielen“, hob Rasmus Kristensen hervor.

Raus mit der Freude über wein weiteres Zu-Null-Spiel: Rasmus Kristensen.

Zetti, der vom Dänen angesprochene Eintracht-Keeper Michael Zetterer, war selbstverständlich zufrieden mit der Darbietung vor seinem Gehäuse und sprach von einer „defensiven Topleistung. Hinten haben wir es souverän gemacht, Mainz hatte nicht einen richtigen Torschuss. Uns war klar, dass wir etwas tun mussten. Die vergangenen Spiele waren stabiler, wir haben mehr Ruhe. Jeder weiß, worauf es ankommt, alle arbeiten defensiv – jeder gibt alles. Das ist ein Schlüssel für langfristigen Erfolg, es geht nur über eine gute Defensive.“ Noch am Dienstag wehte er durch das Stadio Diego Armando Maradona, nun auch durch den Stadtwald im Herzen von Europa: der Frankfurter Hauch von Catenaccio.

Mo Dahoud: Immer weiter

Bis zu seiner Auswechslung in der 79. Minute warf dabei diesmal auch Mo Dahoud alles in die Waagschale, erstmals seit dem 15. Dezember 2024 stand der 29-Jährige in Frankfurts Startelf. Unter anderem zwölf geführte Zweikämpfe und sechs Ballgewinne, einmal der dritt-, einmal der zweitbeste Teamwert in diesen Kategorien an diesem Abend, und vier Torschüsse standen für Dahoud zu Buche. Lob ertönte nach Schlusspfiff von gleich mehrere Seiten.

Mo hat es richtig gut gemacht.

Sportvorstand Markus Krösche

„Mo hat es richtig gut gemacht. Man hat gesehen, welche Qualitäten er hat, gerade im Ballbesitz. Es freut mich persönlich sehr für ihn, weil er keine einfachen Wochen hatte“, so Sportvorstand Krösche. „Es war schwierig für ihn, er war aber immer da im Training – auch für seine Mitspieler. Deswegen hat er heute seine Chance bekommen und ein super Spiel gemacht“, betonte Kristensen. Ein „Paradebeispiel dafür, sich durchzubeißen“, nannte ihn Cheftrainer Toppmöller. „Er hat sich nie hängen lassen und immer Gas gegeben. Er ist ein Beispiel dafür, dass man auch mal durch schwierige Phasen gehen muss, ohne dabei umzufallen.“

Ausblick: Länderspielpause

Insgesamt standhaft geblieben ist die Eintracht zuletzt in der Liga, seit vier Spielen ist sie im Oberhaus ungeschlagen und geht nun mit dem „unbezahlbaren Gefühl des Sieges“, wie es Dino Toppmöller beschrieb, in die dritte FIFA-Abstellungsperiode der Saison. Weiter geht es am Samstag, 22. November, 18.30 Uhr, auswärts gegen den 1. FC Köln.