Wenn Angehörige wie sein Sohn Alfred Pfaff jun. oder langjährige Weggefährten wie die Eintracht-Mitarbeiter Matthias Thoma und Rainer Falkenhain über Alfred Pfaff sprechen, dann zeichnet das ein Bild eines Fußballers, der den SGE-Geist so sehr wie kein anderer verkörperte, Spiel- und Lebensfreude wie kein anderer kombinierte und Mannschaften als Führungspersönlichkeit mit seiner offenen, ehrlichen und humorvollen Art wie kein anderer zusammenhielt. Der erste Nachkriegsstar von Eintracht Frankfurt wurde am 16. Juli 1926 in Frankfurt geboren, verstorben ist er 2008 in Zittenfelden im Odenwald. Am heutigen Donnerstag wäre Pfaff 100 Jahre alt geworden.
EintrachtTV würdigt den einzigen Meisterkapitän der Eintracht mit einer Dokumentation.
Eintracht Frankfurt und alle Fans wissen, was sie an „Don Alfredo“ haben. Die sportliche Heimat der Eintracht am Riederwald befindet sich in der Alfred-Pfaff-Straße 1; nach seinem Tod 2008 gab es in der Nordwestkurve am Spieltag die erste große Spielerchoreografie; und seit Kurzem ist er im Deutsche Bank Park mit einer Bronzetafel in der Reihe „Für alle Zeit“ verewigt; er ist Ehrenspielführer und Ehrenmitglied. Außerdem erhielt er 2006 den Hessischen Verdienstorden.
Seine Verdienste als Fußballer auf und neben dem Platz sind unbestritten. Zunächst auf dem Platz: 139 Tore in 367 Spielen, darunter in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1959 und im Messepokal – der Vorgänger des UEFA-Cups – als Teil der Frankfurter Stadtauswahl. Außergewöhnliche Auftritte in den Halbfinals des Landesmeisterpokals 1960 gegen die Glasgow Rangers oder auch an Heiligabend 1950 in Madrid, als die Eintracht sensationell mit 4:3 bei Atlético siegte und der Gastgeber Pfaff daraufhin mit viel Geld nach Spanien locken wollte. Dazu Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft 1954 in der Schweiz, auch wenn seine Blütezeit mit der von Kapitän Fritz Walter zusammenfiel und er auf nicht mehr als sieben Länderspiele kam; „wir haben zu wenige Chancen bekommen“, sagte Pfaff einst.
Weltmeister 1954, Meisterschaft 1959, Glasgow 1960
Mit seinem „technischen Spiel drückte er mehr als ein Jahrzehnt dem Verein seinen Stempel auf“, sagte Ehrenpräsident Peter Fischer nach Pfaffs Tod 2008, und Thoma fasst zusammen: „Mit seinen genialen Einfällen hat er die Eintracht oft auf die Siegerstraße gebracht.“
Kein genialer Einfall war unterdessen im Saisonfinale 1958, sich anstelle des vorgesehenen Hermann Höfer den Ball für den zugesprochenen Elfmeter in Regensburg zu schnappen – es war aber der Grundstein für eine Heldengeschichte. Kapitän Pfaff verschoss, die Eintracht verlor 0:1 und verpasste die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, Pfaff war der Buhmann. Bis er ein Jahr darauf die Mannschaft zum Titel führte. Manchmal braucht es eine große Niederlage für den nächsten großen Sieg.
Außergewöhnlicher Teamgeist dank Pfaff
Neben dem Platz sorgte er für außergewöhnlichen Teamgeist, auch weit nach der Karriere. „Er hat die Eintracht immer zusammengehalten, ebenso wie die Weltmeistermannschaft 1954“, sagt Matthias Thoma, Leiter des Eintracht-Museums. Rainer Falkenhain, seit über 40 Jahren Mitarbeiter der Eintracht, bestätigt dies in seiner Laudatio bei der Offenlegung der Bronzetafel: „Bis zum Ende der Gaststätte gab es jedes Jahr einen Ausflug der 59er-Meister nach Zittenfelden. Dort haben wir viele schöne Stunden mit Alfred verbracht.“
Es war sein Landgasthof im Odenwald, in dem der zweifache Familienvater auch im hohen Alter noch hinter dem Tresen stand und die einstigen Mannschaftskameraden gerne verköstigte. Den Sinn für die Gastronomie hatte er von seinen Eltern in die Wiege gelegt bekommen. Diese betrieben einst den Frankfurter Hof im Stadtteil Praunheim. Eintrachts Ehrenaufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Steubing war als kleiner Junge dort wiederum mit seinen Eltern gelegentlich zu Gast. „Er hat mich irgendwann mit zum Training an den Riederwald genommen“, erzählt Steubing, „das war der Startschuss für meine Fußballbegeisterung“.
Später führte Pfaff selbst eine Gaststätte an der Hauptwache, die regelmäßig Startpunkt für die Auswärtsreisen der Frankfurter Fans waren. „Er hat seine Prominenz dadurch versilbert, die Leute kamen wegen ihm in die Gaststätte. Den Laden hat zum großen Teil seine Frau Edith geschmissen“, schmunzelt Thoma.
Er war lebensfroh, ein Alleinunterhalter, die gute Seele jedes Teams.
Alfred Paff jun.
Fußball und die Gastronomie, das waren die Leidenschaften Pfaffs. Dies ergab einen genial launischen Linksfuß, der auch mal Länderspielnominierungen absagte, „weil ihm die Familie zu Hause mehr wert war“, der auch mal aus den Mannschaftsquartieren ausbüchste, weil er „lange genug eingesperrt war“, der auch mal ein Bier und eine Zigarette einstreute, so Alfred Pfaff jun., der über seinen Vater sagt: „Er war lebensfroh, ein Alleinunterhalter, die gute Seele jedes Teams, der immer gut drauf war, gerne und viele Witze erzählt hat und auf dem Akkordeon oder dem Klavier die Leute unterhalten konnte“.
Sein Markenzeichen war neben seinem Spitznamen „Don Alfredo“ in Anlehnung an seine großen internationalen Spiele der Koks, den ihn der Manager der Glasgow Rangers 1960 geschenkt hatte. Die Melone, ein steifer, abgerundeter Hut, trug der begnadete Fußballer auch an seinem 80. Geburtstag im Stadion. Es war die letzte große Fete von und mit Pfaff an jenem Ort, wo kürzlich eine Bronzetafel mit seinem Namen darauf verlegt wurde. Es ist ein Andenken, das weit über diese 100 Jahre seit seiner Geburt in Frankfurt-Bornheim am 16. Juli 1926 hinaus reicht.

