15.07.2021
Team

Der Lenz ist da

Neben all den jungen Toptalenten der vergangenen Wochen geht die erste Neuverpflichtung beinahe unter: Christopher Lenz. Dabei sollte gerade ihm ein besonderes Augenmerk gelten.

Die vergangenen beiden Tage haben sich für Christopher Lenz gänzlich ungewohnt gestaltet. Bis zuletzt Dauerbrenner auf der linken Außenbahn des 1. FC Union Berlin unterwegs und auch während der Sommervorbereitung mit Eintracht Frankfurt stets am Start, setzte den ersten verkündeten Sommerneuzugang seit zwei Tagen eine Erkältung außer Gefecht. Doch der Zuschauerstatus wird wahrscheinlich von nicht allzu langer Dauer sein, die obligatorische PCR-Testung auf COVID-19 fiel negativ aus.

Christopher Lenz kann schon wenige Tage nach seiner Ankunft die besondere Beziehung zwischen Verein, Fans und Stadt nachempfinden.

Positiv im wörtlichen Sinne blickt Lenz freilich dem Abenteuer in der Mainmetropole entgegen: „Ich sehe die Eintracht als den nächsten Schritt in meiner Entwicklung und freue mich sehr auf die Zeit in Frankfurt. In der Alten Försterei durfte ich vor einem tollen Publikum spielen. Wenn man die Spiele der Eintracht in der Europa League gesehen hat, dann weiß man, wie emotional es hier zugeht. Die Atmosphäre und die Fans gehören zur Weltspitze“, erklärte er kurz vor seinem Umzug aus der Heimatstadt Berlin nach Frankfurt. Dabei habe ihn eines schon kurz nach seiner Ankunft besonders beeindruckt: „Die Verbindung zwischen Fans und Verein ist hier einzigartig. Ich habe das Gefühl, dass jeder, der hier wohnt, Eintracht-Fan ist. Das ist in Berlin etwas anders.“

Von der Hauptstadt an den Niederrhein – und zurück

Vergleiche zu anderen Standorten hat der 26-Jährige ohnehin vorzuweisen. Der Defensivspieler durchlief zu Beginn seiner Fußballlaufbahn sämtliche Jugendmannschaften von Hertha BSC, ehe er sich nach vier Jahren bei der Alten Dame für eine neue Herausforderung und den damit verbundenen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach entschied. Ein großer Schritt für den damals 17-Jährigen. „Bei der Hertha habe ich keine Wertschätzung gespürt. Natürlich muss so etwas nicht im Übermaß gezeigt werden, aber in einer gewissen Weise ist mir das schon wichtig.“ Zum Zeitpunkt seines Umzugs an den Niederrhein war Lenz noch minderjährig, dementsprechend ging es für ihn zu Beginn in das Internat des VfL. Nach zwei Monaten erfolgte die Beförderung aus der U19 in die zweite Mannschaft. Dort kam Lenz in knapp vier Jahren auf 111 Einsätze, acht Tore und fünf Vorlagen. Seine Leistung blieb nicht unbemerkt. Der FC Union verpflichtete den gebürtigen Berliner im Sommer 2016 und holte ihn zurück in die Hauptstadt.

Beim 1. FC Union Berlin gelingt Christopher Lenz der Durchbruch in der Bundesliga.

Die Eisernen verliehen Lenz ein halbes Jahr später zum damaligen Drittligisten Holstein Kiel, in der Rückrunde stand der Defensivmann in 17 von 18 möglichen Partien in der Startelf und war maßgeblich am Aufstieg der Störche beteiligt. Der 1,80 Meter große Verteidiger blieb noch eine weitere Spielzeit in Kiel, zog sich nach vier Einsätzen über 90 Minuten zu Beginn der Spielzeit allerdings eine hartnäckige Adduktorenverletzung zu und fiel bis in die Rückrunde hinein aus. Im Saisonendspurt stand Lenz noch in einigen Begegnungen auf dem Platz, wirkte aber nicht mit, als die KSV erst in der Relegation 2017/18 gegen den VfL Wolfsburg den Kürzeren zog.

Durchbruch in der Bundesliga

Zurück bei Union hatte der ehemalige Herthaner einen schwierigen Start und kam in der Aufstiegssaison in zwölf Spielen zum Zug. Mit der Premierenspielzeit des FCU in der Bundesliga kam auch der persönliche Aufschwung:  26 Mal stand Lenz in der Startelf, acht Partien verpasste er verletzungsbedingt. Auch in der abgelaufenen Saison bremsten ihn muskuläre Probleme kurzzeitig aus, sodass er sechs Spiele verpasste, ein weiteres Mal war der Berliner ohne Einsatz im Kader. In den anderen 27 Partien wiederum wirkte Lenz jeweils von Beginn an mit und bereitete vier Treffer vor. Auf sein erstes Bundesligator wartet der Adlerträger noch. Was weniger Manko als vielmehr Ansporn für den Flügelspieler sein kann, der sich als „einsatzfreudig und laufstark“ beschreibt und schon in den ersten Interviews durchklingen ließ, dass er mit der Eintracht einiges vorhat: „Ich möchte dem Verein helfen, international Fuß zu fassen und eventuell auch spektakuläre Ziele zu erreichen. Vor ein paar Jahren hat die Eintracht den DFB-Pokal gewonnen. Das ist der kürzeste Weg zu einem Titel. Zumal ein Endspiel in meiner Heimatstadt Berlin und damit umso schöner wäre.“ In sportlicher Hinsicht zu Hause ist Lenz auf der linken Außenbahn, wofür er taktische Variabilität mitbringt. Er kann seine Stärken sowohl als linker Verteidiger in der Viererkette als auch als Schienenspieler vor der Dreierkette auf den Platz bringen.

Gegen den SV Wehen Wiesbaden feiert Christopher Lenz in der zweiten Halbzeit sein Eintracht-Debüt.

Am vergangenen Samstag feierte Lenz beim Testspiel gegen Wehen Wiesbaden seine Premiere im Eintracht-Dress und stellte nach der 1:3-Niederlage auch seine analytische Seite unter Beweis. „Das Ergebnis ist bei einem Testspiel eher zweitrangig, wir haben uns unser Verhalten beim Pressing und in der generellen Abwehrarbeit aber anders vorgestellt“, so der Debütant. Und weiter: „Natürlich müssen wir alle noch eine Schippe drauflegen.“ Daran arbeiten Lenz und seine Mitspieler momentan täglich. Der Neuzugang legt seinen Fokus dabei nicht nur auf die nationalen Wettbewerbe. „Ich hoffe, dass wir die Europa League rocken, so wie in der jüngsten Vergangenheit. Wenn wir die Qualität, die wir in der Mannschaft haben, auf den Platz bringen können, sehe ich keine Hindernisse für uns“, so Lenz. Mit seinen Erfahrungswerten möchte er dazu beitragen, den zahlreichen Youngstern im Team Stabilität zu verleihen. „Grundsätzlich bin ich ein Ansprechpartner für jeden und versuche, für alle da zu sein. Jetzt bin ich erst einmal der Neue und muss mich einleben. Ich habe aber keine Bedenken, dass ich mich auch hier mit allen Spielern gut verstehen werde“, stellte er bei Dienstantritt seine kommunikativen Stärken heraus.

Ein Beispiel aus alten Zeiten hatte er auch gleich parat: „Bei Union war ich immer der Kabinen-DJ, das war mein Ding.“ Was läge bei derlei musikalischer Affinität näher, als den neuen Mann in Anlehnung an den Evergreen von Fritz Rotter willkommen zu heißen: Der Lenz ist da!

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