21.10.2025
Europapokal

Der Liverpool FC im Check

Rekordmeister, Top-Fünf-Team, Stilwandel, Deutschlandschreck und eine antizyklische Transferpolitik. Die Reds unter der Lupe.

Der Gegner

Zwar hat der Liverpool Football Club das ewige Prestigeduell mit dem Manchester United FC am vergangenen Sonntag mit 1:2 verloren, ligageschichtlich hat der 1892 gegründete Traditionsverein aus England aber im Mai wieder gleichgezogen. Nachdem die Red Devils unter Sir Alex Ferguson die Reds 2011 als englischen Rekordmeister überflügelt hatten, egalisierte der LFC im vergangenen Sommer mit dem 20. Titel die historische Alleinstellung von ManU wieder.

Großen Applaus heimsten die Jungs vom Merseyside River nicht allein ob des Titels an sich ein. Denn hinter Liverpool lag ein Umbruch, der personell nicht mal einer wahr – was die Geschichte umso bemerkenswerter machte. Arne Slot folgte auf Jürgen Klopp, der Liverpool in neun Jahren zurück zu alter Stärke, einer Meisterschaft und dem Gewinn der UEFA Champions League 2019 geführt hatte. Dazu kamen zwei weitere Finalteilnahmen, als jeweils Real Madrid die Oberhand behielt.

Der Trainer

Die Manager wechselten also, die wichtigsten Spieler blieben. Und, das gilt als die große Leistung von Arne Slot, der Stil änderte sich dennoch innerhalb kürzester Zeit und brachte Erfolge. Die Ligaphase 2024/25 dominierten die Reds nach Belieben und wurden mit sieben Siegen Erster. Im Achtelfinale war allerdings gegen den späteren Champion Paris Saint-Germain Endstation. Vor seinem Wechsel auf die Insel hatte Slot mit Feyenoord Rotterdam 2023 die niederländische Meisterschaft und 2024 den Pokal geholt. 2022 führte der ehemalige offensive Mittelfeldspieler Rotterdam ins Endspiel der UEFA Europa Conference League und unterlag dort der AS Roma mit 0:1.

Taktiktafel

Entscheidende Änderungen nahmen Slot und sein Trainerteam wie beschrieben gerade in Jahr eins weder personell noch wesentlich systematisch vor. Das Wer und Was blieben weitgehend unberührt; das Wie keinesfalls. Weniger Dauerdruck, mehr Ballkontrolle, so die oberflächlichste Beschreibung. Wo unter dem Deutschen Klopp die Außenverteidiger gerne zu Außenstürmern wurden, nehmen sie unter Slot einen etwas klassischeren und je nach Ballbesitzphase auch zentraleren Part ein. Erst recht, wenn Dominik Szoboszlai als gelernter Zehner rechts hinten aushilft.

Aber: nur weil Liverpool vergleichsweise weniger presst, geht das nicht mit einem gesunkenen Anspruch auf Ballgewinne einher. Die Reds locken mehr, lassen gerne bewusst Pässe ins Mittelfeldzentrum gewähren, wo dann vorzugsweise Ryan Gravenberch und Alex MacAllister in Lauerstellung zuschnappen.

Insgesamt rückt der LFC selten von der 4-2-1-3-Grundordnung mit Mohamed Salah und Cody Gakpo als torgefährlichen Flügelstürmern ab. Mit 90 Prozent Passgenauigkeit und 59 Prozent Ballbesitz zählen die Reds nach zwei Spieltagen dahingehend zu den Top Drei der Champions League.

Die Dominanz mit Leben respektive Scorern füllen sollen unter anderem die Sommerzugänge aus Leverkusen, der stürmische Flügelverteidiger Jeremie Frimpong und Spielmacher Florian Wirtz, sowie die aus Newcastle und Frankfurt gekommenen neuen Mittelstürmer Alexander Isak und Hugo Ekitiké.

In der Innenverteidigung sind Kapitän Virgil van Dijk und Ibrahima Konaté gesetzt. Zum einen qua ihrer internationalen Klasse. Zum anderen zwangsläufig immer, weil in Jordi Gomez derzeit ein einziger weiterer fitter Innenverteidiger zur Verfügung steht. Neuzugang Leoni ist verletzt, Quansah in Leverkusen und Wunschspieler Guehi blieb bei Crystal Palace. Das Tor hütet in Abwesenheit des verletzten Alisson Becker der Georgier Giorgi Mamardashvili. Er ist ein weiterer Neuer neben den Genannten und dem ungarischen Linksverteidiger Milos Kerkez und Ersatztorwart Freddie Woodman.

Formkurve

Ausgerechnet diese Eagles aus London machten Liverpool nicht nur den Community Shield streitig, sondern fügten dem Football Club nach sieben Siegen am Stück auch die erste von nun vier Niederlagen in Reihe zu.

Hop oder top scheint überhaupt Liverpools Motto in Europa. Von den vergangenen 28 Spielen in der Liga- oder Gruppenphase endete kein einziges Remis. Die letzte Punkteteilung gab’s am 9. Dezember 2020 gegen Midtjylland.

Historische Bilanz

Die erste und letzte Begegnung zwischen Frankfurt und Liverpool liegt 53 Jahre zurück. 1972 setzten sich die Engländer in der ersten UEFA-Pokalrunde mit 2:0 und 0:0 durch.

Überhaupt sind die Roten im Europapokal seit 14 Partien gegen deutsche Teams ungeschlagen: elf Siege, drei Unentschieden.

Die UEFA-Fünf-Jahres-Wertung als Maßstab genommen zählt Liverpool derzeit zu den Top Fünf Europas.

Serien und Statistiken

Torgarantie: Unter den vergangenen 67 Europapokalspielen mit Beteiligung von Eintracht Frankfurt findet sich ein einziges 0:0.

Wiedersehen

Hugo Ekitiké kehrt keine drei Monate nach seinem Wechsel nach Liverpool für einen Abend in den Stadtwald zurück.

Neben Ekitiké spielten weitere sieben LFC-Akteure vormals in der Bundesliga: Wataru Endo (Stuttgart), Ibrahima Konaté (Leipzig), Jeremie Frimpong (Leverkusen), Florian Wirtz (Leverkusen), Dominik Szoboszlai (Leipzig), Ryan Gravenberch (München), Alexander Isak (Dortmund).

Beim BVB stand Isak 2017/18 an der Seite von Michy Batshuayi, Mo Dahoud und Mario Götze auf dem Feld.

Darüber hinaus haben Robin Koch, Rasmus Kristensen und Batshuayi in ihrer Laufbahn mehrfach Bekanntschaft mit Liverpool gemacht. Am 29. Oktober 2022 gewannen Koch und Kristensen mit dem Leeds United FC mit 2:1 in Anfield.