15.05.2021
Bundesliga

„Der Stachel sitzt tief“

Die Enttäuschung nach der Niederlage auf Schalke ist groß, der Blick geht aber auch auf einen versöhnlichen Saisonabschluss und den gesicherten fünften Platz.

Sportvorstand Fredi Bobic: Die Enttäuschung überwiegt gerade, klar. Die Niederlage war nicht eingeplant. Es war ein wildes Spiel, das wir selbst aus der Hand gegeben haben. Wir hatten das Spiel im Griff, führen mit 2:1 und schenken es dann her durch drei Gegentore, indem wir sie zu Kontern einladen und zu naiv verteidigen. Dann zurückzukommen war schwierig. Letztlich haben wir verdient verloren. Wir mussten gewinnen, um Druck auf die Konkurrenz zu machen. Das ist uns nicht gelungen. Am Ende werden wir wahrscheinlich Fünfter. Dafür müssen wir uns nicht schämen, aber jetzt sind wir erstmal enttäuscht. Wenn du vom BVB gejagt wirst, der auch mal sechs, sieben Spiele in Folge gewinnen kann, ist es schwer. Wir haben die Ergebnisse nicht mehr geliefert in den vergangenen Wochen, auch wenn die Jungs alles reingehauen haben. Wenn du dann merkst, dass die Luft in dieser Tabellenregion dünner wird, musst du aber trotzdem die Spiele gewinnen. Das haben wir nicht getan und schwächeln nun zum Schluss, nachdem wir uns eine tolle Ausgangssituation erspielt hatten. Nach normalem Ermessen haben wir keine Chance mehr. Wir werden trotzdem versuchen, uns ordentlich aus der Liga zu verabschieden. Trotzdem war es eine Rekordsaison, in der wir souverän in die Europa League einziehen und bisher erst sechs Mal verloren haben. Viele Spieler haben sich unglaublich entwickelt. Aber nochmal: Die Enttäuschung überwiegt heute, da wir es in den vergangenen Wochen nicht mehr geschafft haben, an die Leistungsgrenze zu gehen.

Cheftrainer Adi Hütter: Der Stachel sitzt tief. Wenn man 2:1 führt und 3:4 verliert, ist die Enttäuschung natürlich groß. Wir haben das gemeinsam vergeigt, keine Frage. Wir haben die Partie nach einem 0:1 gedreht. Zu kritisieren ist, dass wir innerhalb von elf Minuten drei Gegentore bekommen. Respekt vor Schalke, aber es darf uns nicht passieren, als Verlierer vom Platz zu gehen. Die Mannschaft hat trotzdem nochmal alles versucht. Wir haben drei Tore erzielt, mangelnde Gier lasse ich deshalb nicht gelten. Wir haben uns defensiv nicht professionell genug angestellt. Auf der anderen Seite haben wir ein Traumziel, das ist weiter weggerückt. Das muss ich an dieser Stelle deutlich sagen: Dieses Ziel kam nicht von außen, sondern das haben wir uns intern nach dem 12. Januar, dem Aus im DFB-Pokal gegen Leverkusen, gesteckt. Damals standen wir auf Platz neun, das war mutig. Es war ein hohes Ziel, ein hohes Risiko. Hätten wir uns dieses nicht gesteckt, wären wir vielleicht nur Siebter geworden. Man kann scheitern. Natürlich waren die Leistungen in den vergangenen Wochen nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber am Ende des Jahres ist Eintracht Frankfurt fix Tabellenfünfter, das ist ein sehr gutes Ergebnis.

Es ist sehr enttäuschend, wie das ganze Spiel gelaufen ist.

Sebastian Rode

Makoto Hasebe: Diese Niederlage ist schwierig zu erklären. Vier Gegentore sind zu viel, da können wir nicht gewinnen. Wir haben die Tore zu einfach bekommen. Wir haben nur noch wenig Chancen auf Platz vier und sind jetzt erstmal sehr enttäuscht.

Sebastian Rode: Es ist sehr enttäuschend, wie das ganze Spiel gelaufen ist. Die Schalker haben verdient gewonnen. Wenn eine Mannschaft, die schon abgestiegen ist, den Sieg mehr will als eine Mannschaft, die noch die Champions League erreichen kann, dann ist das sehr ernüchternd. Ich nehme mich hier mit rein. Dafür gibt es auch keine Entschuldigung. Wir hatten die einmalige Chance, in die Champions League zu kommen. Die ist nun so gut wie vorbei. Die Dortmunder haben es in den vergangenen Wochen sehr gut gemacht. Der Pokalsieg sorgt für Rückenwind, sodass ich nicht glaube, dass sie noch einmal Punkte liegen lassen.

Timothy Chandler: Schalke geht durch einen Elfmeter in Führung, davor hätte ich schon das 1:0 für uns machen müssen. Dann erzielst du das wichtige 1:1, gehst in der zweiten Hälfte mit 2:1 in Führung und bekommst dann nach gefühlten 20 Sekunden das 2:2. Das geht so einfach nicht, vor allem mit dem Ziel, das wir hier alle erreichen wollen. Es ist schwer in Worte zu fassen, wie man sich nach dieser 3:4-Niederlage fühlt. Uns ist die Souveränität abhanden gekommen. Wenn du hier mit 2:1 führst, musst du das einfach herunterspielen und selbst auf Konter warten, aber nicht direkt drei Treffer zum 2:4 kassieren. Wir haben in den vergangenen Wochen nicht mehr unsere Hausaufgaben gemacht, was uns zuvor noch ausgezeichnet hatte.

Djibril Sow: Ich habe keine Antwort, wie das passieren konnte. Mit guten Resultaten steigen die Erwartungen. Dann sind wir natürlich alle enttäuscht, wenn wir in eine solche Phase geraten, weil eine super Saison einen faden Beigeschmack bekommt. Wir werden alles versuchen, dass wir die Spielzeit mit einem Heimsieg beenden. Erst in der Sommerpause werden wir realisieren, was wir erreicht haben, weil heute die Enttäuschung überwiegt.

Dimitrios Grammozis (Trainer FC Schalke 04): Gratulation an die Mannschaft für den Sieg gegen einen ganz starken Gegner. Wir wussten, dass es für die Eintracht um sehr viel geht. Entsprechend haben wir uns taktisch aufgestellt und wollten aus einer tieferen, kompakten Position zu Ballgewinnen kommen und kontern. Das ist uns gelungen, die Art und Weise der Tore war so, wie wir es uns vorgestellt haben. Vier Tore gegen einen Champions-League-Anwärter sind ein tolles Gefühl, das wir schon länger nicht mehr hatten. Die drei Gegentore haben zwar wehgetan, aber die Jungs haben alles reingehauen, um den Sieg über die Bühne zu bringen. Mehmet Aydin hat sich gegen einen in dieser Saison überragenden Weltklassespieler wie Filip Kostic reingekämpft und es ihm nicht einfach gemacht. Er hat immer wieder gezeigt, dass er da ist und keinen Platz lässt. Wir hatten eigentlich vor, Freddy Rönnow anfangen zu lassen, weil Ralle [Ralf Fährmann; Anm. d. Red.] auf uns zugekommen ist und wir mit der medizinischen Abteilung gemerkt haben, dass er sich müde fühlt und das Knie Probleme macht. Freddy hat sich leider im Abschlusstraining durch einen Zusammenprall verletzt und konnte deshalb nicht im Kader sein.

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