23.04.2023
Bundesliga

Die zwei Hälften des Platzes

Wiederkehrende Themen schreiben auch die Geschichte des Spiels in Dortmund. Dario Gebuhr erlebt indes seine ganz persönliche Story. Das Duell mit der Borussia in der Nachbetrachtung.

Die Bilanz gegen Borussia Dortmund, die Bilanz insbesondere auswärts gegen den neuen Tabellenführer bleibt schwarz(-gelb) – aus Sicht der Frankfurter Eintracht, aus persönlicher Sicht von Cheftrainer Oliver Glasner. Ein „Wunschgegner“, wie es der Österreicher auf der Pressekonferenz vor dem 100. Aufeinandertreffen beider Klubs in der Bundesliga noch mit einem Schmunzeln hinsichtlich des persönlichen Abschneidens gegen Dortmund ausgedrückt hatte, sei die Borussia sicherlich nicht – und wird es vorerst auch nicht.

Vor heimischem Publikum entschied Dortmund elf der vergangenen zwölf Aufeinandertreffen mit den Adlerträgern für sich, erstmals glückten den Borussen vier Bundesligasiege in Folge gegen die Eintracht. Oliver Glasner muss weiter auf seine ersten Zähler gegen die Schwarz-Gelben warten.

Auch, weil es am Samstagabend ein Duell entgegengesetzter Läufe war. Der Rückrundenspitzenreiter und nun auch aktuelle Spitzenreiter insgesamt mit nun neun Bundesligaheimsiegen in Folge und damit neuem Vereinsrekord auf der einen Seite. Die Hessen, die in dieser Phase, einer echten „Scheiß-Phase“, wie es Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche nachträglich deutlich machte, zwar regelmäßig sehr ordentlich, teils auch überlegen agieren, sich aber nicht belohnen – und so seit acht Ligaspielen sowie neun Auswärtspartien in der Beletage auf ein Erfolgserlebnis warten.

Dario Gebuhr kommt gegen Dortmund zu seiner Premiere in der Beletage.

Zahl des Spiels: 7048

Warten auf sein Bundesligadebüt musste Dario Gebuhr indes nicht lange. „Er ist gerade seit zehn Tagen bei uns im Training dabei“, sagte Oliver Glasner später – auch, weil insbesondere in der Defensive verletzungsbedingt personell der Schuh drückt. Auf das Engagement des 19-Jährigen, der bereits im Heimspiel gegen Mönchengladbach im Kader stand, folgte die Belohnung. In der 71. Minute kam der junge Verteidiger für Makoto Hasebe. Der Youngster, der in der laufenden Saison bislang 26 Einsätze für die Eintracht U21 in der LOTTO Hessenliga sowie sieben Partien in der UEFA Youth League absolvierte, für den Routinier, der 2002 in Japan sein Profidebüt feierte. 2002. Geboren wurde Gebuhr im Mai 2003. 7048 Tagen liegen zwischen den Geburtstagen der beiden Mannschaftskollegen.

Geschichte des Spiels: Platzhälften

Der Ball will nicht ins Tor, die Eintracht kann die sich ihnen gegen Dortmund bietenden Chancen nicht nutzen.

„Man gewinnt Spiele in der gegnerischen und verliert Spiele in der eigenen Hälfte“, hatte Glasner vor dem Duell mit Dortmund angemerkt. Recht hat er. Nach den 90 Minuten vom Samstagabend sagte Frankfurts Cheftrainer: „Man muss die Spielgeschichte der ersten Halbzeit verdauen können. Zwischenzeitlich stand auf der Anzeigetafel 7:4 Torschüsse für uns, und wir sitzen mit einem 0:3 in der Pause – das ist aber das, was zählt. Das war sehr ernüchternd und hart.“ Den Spieß auswärts noch umdrehen gegen einen Gegner, der in jedem seiner letzten 15 Bundesligaspiele traf und zudem bislang die zweitmeisten Weißen Westen der Liga sammelte (10 – nur Wolfsburg hat mehr: 11), wäre beinahe ein Husarenstück. „Drei, vier Tore in einer Halbzeit schütteln wir hier nicht einfach so aus dem Ärmel“, so Glasner.

Die Effizienz, wieder einmal, machte den Unterschied: Die Borussia schoss in der ersten Halbzeit viermal auf das Tor. Das Resultat? Bekannt. Frankfurt führte diese Statistik zur Pause mit 7:6 an, der Expected Goals-Wert beider Teams war bei ausgeglichenem Ballbesitz beinahe gleichauf (0.61:0.48). Was ebenfalls zur Geschichte des Spiels gehört: Sich wiederholende defensive Anfälligkeiten, die man, so der Coach, in den Griff bekommen müsse. Aber: „Ich denke nicht, dass dieses Ergebnis etwas mit der Einstellung irgendeines Spielers zu tun hatte“, gab Glasner zu Protokoll.

Das schreiben die Medien

  • BILD: „Der BVB spielt in der ersten Halbzeit wie im Rausch! Eiskalt machen sie in der ersten Hälfte aus sechs Torschüssen drei Treffer.“

  • hessenschau: „Denn obwohl die Eintracht in der ersten Halbzeit selbst gute Chancen durch Götze, Ebimbe und Aurelio Buta hatte, waren die Verhältnisse bereits zur Pause klar. Der BVB nutzte seine Chancen eiskalt, von 7:6 Torschüssen in den ersten 45 Minuten konnten sich die Frankfurter nichts kaufen.“

  • Kicker: „Einfach wurde dieser Plan gegen zuletzt in der Tabelle gen Mittelfeld abgerutschte Frankfurter aber nicht. Denn die Schützlinge von Trainer Oliver Glasner (…) hielten von Minute 1 gut mit. Umso mehr Zeit aber verstrich, umso stärker präsentierten sich die Schwarz-Gelben.“

Das sagt das Netz

  • „Mein Herz blutet bei diesen desolaten Ergebnissen aktuell, bitte fangt euch wieder :(“ (@NickEtrange)

  • „Nach den Zahlen hätte es 4:3 stehen können... aktuell läuft es nicht so rund... man #SGE #Eintracht“ (@ReneKa78)

  • „Jungs scheiss egal. Was auch immer der Grund ist für diese kleine sportliche Krise, ihr seid trotzdem unsere Euro Helden und die Saison ist garnicht so ein Disaster wie die meisten behaupten. Mund abwischen und weiter.“ (@thomasbrunee)

  • „JETZT beginnt der Saisonendspurt, das 0:4 war im Bereich des zu Erwartenden (wenn auch bitter). Darüber hinaus: Fokus auf den Pokal! Leude, wir können noch einen Titel holen und danach wieder in der Euroleague glänzen. Das steht der Eintracht eh viel besser als die versnobte CL... Auf geht's! 💪🏼🦅⚫⚪🔴“ (@stefan_launhardt)

Ausblick: Augsburg kommt in den Stadtwald

„Wir werden auch dieses Spiel sachlich und nüchtern analysieren und versuchen, Lösungen zu finden. Es liegt an uns“, sagt der Cheftrainer, der mit seiner Mannschaft am Samstag, 29. April, 15.30 Uhr, den FC Augsburg im Deutsche Bank Park erwartet. Die nächste Chance, im weiterhin engen Getummel um die internationalen Startplätze mitzumischen. Bis zum 30. Spieltag folgt nach einem freien Montag täglich eine Trainingseinheit. „Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass jeder bis zum letzten Spieltag alles gibt“, ist sich der Cheftrainer der Adlerträger sicher.