05.07.2017
Trainingslager

Dörner: „Fußball in den USA im Kommen“

Hermann Dörner verbrachte seine fußballerische Jugendzeit am Riederwald. Heute studiert der 21-Jährige in den USA und absolviert gerade ein Praktikum bei der Fußball AG. Im Interview spricht er kurz vor dem Trainingslager der Profis in den USA über den Fußball dort, die drei Eintracht-Gegner und seine Erfahrungen in Philadelphia.

Von 2010 bis 2015 hat der 21-Jährige am Riederwald bis zum Ende seiner Jugendzeit gespielt, war zwischenzeitlich Kapitän der U19 und hat vier Einsätze bei U-Länderspielen verbuchen können. In der Saison 2014/15 war der gebürtige Bad Nauheimer unter Trainer Thomas Schaaf in allen drei Trainingslagern dabei, zu einem Pflichtspieleinsatz kam es jedoch nicht. Mittlerweile studiert Dörner in den USA. Vermittelt hat dies die Martin Zaluk Talent Agency, die Agentur des ehemaligen Eintracht-Spielers Martin Zaluk. Aktuell ist er in Deutschland und absolviert ein dreimonatiges Praktikum bei der Eintracht Frankfurt Fußball AG. Hier beschäftigt er sich unter anderem mit der Internationalisierung und den Aktivitäten der Eintracht in den USA. Zudem hat er die Zeit in seiner Heimat genutzt, um kürzlich den Trainerschein (Trainer B-Lizenz) zu erwerben.
 
Hermann, du hast im August 2015 auf dem College in den USA angefangen. Wie läuft’s für dich seither?
Hermann: Richtig gut. Über Martin Zaluks Agentur haben wir meinen Platz auf dem College in die Wege geleitet. Fußballerisch klappt es wunderbar. Ich habe viele neue Spieler aus verschiedenen Nationen kennengelernt - Indien, Spanien, Finnland, Südafrika, Trinidad & Tobago. Das macht richtig Spaß, mit solchen Jungs täglich zu tun zu haben. Und man lernt ein bisschen, wie in anderen Ländern Fußball gespielt wird. Die Hauptsaison läuft von August bis Dezember, meistens mit drei Spielen in der Woche.
 
Das klingt nach einem harten Programm.
Hermann: Auf jeden Fall, zumal im August und September die Temperaturen auch mal gerne jenseits der 30 Grad liegen. Aber ich habe mich daran gewöhnt.
 
Leider bist du durch einen Knöchelbruch in der vergangenen Saison ausgebremst worden.
Hermann:
Ja, das war schon im fünften Spiel. Dadurch habe ich quasi die komplette Saison verpasst. Ich konnte drei Monate nicht laufen. Deswegen bin ich heiß, ab August wieder durchzustarten. Wenn ich fit war, habe ich immer zur ersten Elf gehört. Das ist natürlich immer mein Ziel.
 
Wie sieht dein Studium aus?
Hermann:
Ich studiere Betriebswirtschaftslehre, genauer International Business. Im Nebenfach habe ich Sport-Management. Es macht Spaß, es läuft sehr gut. Insgesamt ist das Studium auf vier Jahre angesetzt. Durch meinen Knöchelbruch darf ich ein Jahr länger spielen. Ich plane aber aktuell mit vier Jahren, dann bin ich mit dem Studium durch. Mal schauen, was dann passiert.
 
Wo wohnst du?
Hermann:
Direkt in Philadelphia. Aber Off-Campus, also nicht direkt auf dem Campus. Ich wohne dort mit drei Mannschaftskollegen bzw. Freunden in einer Wohnung, die fünf Minuten Fußweg vom Campus entfernt liegt. Bald ziehe ich um, in eine Wohnung zusammen mit fünf Mannschaftskollegen.
 
Wie ist bei dir der Entschluss gereift, in die USA zu gehen?
Hermann:
Ich habe es erst relativ spät beschlossen. Ich wollte hier Fußballprofi werden, das sah zwischenzeitlich auch richtig gut aus. Nach dem ersten U19-Jahr bin ich direkt von der Nationalmannschaft ins Trainingslager der Profis gereist und habe dort einen guten Eindruck hinterlassen können. In der Saison lief es dann leider nicht so gut. Die Jungs, die bei den Profis dabei waren, sind erst später zur Mannschaft gestoßen; nach acht Spielen wurde der Trainer gewechselt [Anm. d. Red.: von Daniyel Cimen zu Alexander Schur], wir waren im Abstiegskampf. Ich habe nur selten bis gar nicht gespielt. Dann hast du natürlich kaum eine Chance, einen guten Profivertrag zu bekommen. Die U23 gab es hier in Frankfurt nicht mehr. Ich habe dann keinen Verein gefunden, bei dem ich gesagt habe: hier passt alles. Über zwei Freunde von mir habe ich mitbekommen, wie die USA-Geschichte läuft. Der eine war schon drüben, der andere hatte es den ganzen Winter schon vorbereitet. Ende April habe ich mich mit Martin Zaluk getroffen. Wir haben alles relativ schnell eintüten müssen. Das haben wir geschafft, Mitte Juni hatte ich mich entschieden. Die Mischung hat mir gefallen: Studium und die Chance, Profi in der MLS zu werden. Aus den Collegeligen werden jährlich 60, 70 Spieler gedraftet. Das hat mir besser gefallen, als hier Regionalliga zu spielen.
 
Wie ist das Niveau im Collegefußball im Vergleich zum deutschen Fußball anzusiedeln?
Hermann:
Es ist unterschiedlich, wobei es noch nicht richtig Männerfußball ist. Es gibt sehr gute College-Teams, aber auch weniger gute. In unserer Division I gibt es 206 Teams, da sind große Leistungsunterschiede ganz natürlich. Ich würde sagen, dass es ein Mischung aus U19-Bundesliga und
Ober- oder Regionalliga im Seniorenbereich ist.
 
Aufgrund der Größe der USA sind die Reisen zu den Auswärtsspielen manchmal recht strapaziös, oder?
Hermann:
Die längste Reise haben wir glaube ich nach Dallas, ein Dreieinhalb-Stunden-Flug. Unsere Gegner kommen aus Florida, Texas, Ohio, Connecticut, da geht’s mit dem Flieger hin. Manchmal spielen wir dann zwei Spiele an einem Wochenende. Bleiben wir in unserer Umgegend, fahren wir mit dem Bus.
 
Wie verfolgst du die MLS?
Hermann:
Ich war kürzlich bei einem Spiel der Philadelphia Union, ein Freund hatte Karten besorgt. Es war sehr interessant. Ansonsten verfolge ich die MLS ab und zu im Fernsehen. Ich schaue mehr auf die Bundesliga und die Premier League. Der Fußball ist in den USA im Kommen, aber er muss noch aufholen im Vergleich zu den europäischen Topligen.
 
Welchen Schwung gibt es in den USA durch Transfers wie derjenige von Bastian Schweinsteiger? In Deutschland wird gefühlt seither um ein Vielfaches mehr über die MLS berichtet als früher.
Hermann:
Man spürt den Hype, ganz klar. Schweinsteiger-Trikots waren sofort heiß begehrt. Wenn Weltstars kommen, ist das natürlich ein großes Thema. Interessant ist die Wahrnehmung in den verschiedenen Altersgruppen. Die ältere Generation kennt nur die großen vier Sportarten Baseball, Football, Basketball und Eishockey, der Fußball ist noch nicht so akzeptiert. Die Jüngeren wachsen mit Fußball und der MLS auf, grade durch die Möglichkeiten von Social Media.
 
Kannst du etwas zu den drei Gegnern sagen, gegen die die Eintracht Testspiele im Trainingslager bestreitet?
Hermann:
Der Seattle Sounders FC ist DER Fußballverein in den USA, er hat mit Abstand den höchsten Zuschauerschnitt. Zudem war Seattle vergangenes Jahr Meister. Das ist ein richtig guter Test, und auch die große Fanbasis wird der Eintracht helfen. San José ist eher im MLS-Mittelfeld anzusiedeln. Aber an der Westküste ist Fußball sehr beliebt und hat einen guten Stellenwert. In Columbus ist die Ohio State University, diese Uni kennt in den USA jeder. Besonders bei Sportlern ist sie sehr beliebt. Von daher wird das Spiel auf großes Zuschauerinteresse stoßen, was für die Eintracht auch interessant sein kann. Sportlich erwartet uns mit Columbus Crew auch eine MLS-Mannschaft auf gutem Niveau.