18.09.2020
Bundesliga

Verdünnte Höhenluft

Große Euphorie nach dem Aufstieg, erste Probleme vor dem Ligastart. Auf der Alm wird die Arbeit vom ersten Tag an nicht weniger – auch die an taktischen Alternativen.

Situation: Vom Maß aller Dinge zum Außenseiter

Eines steht fest: Die Vorfreude in Bielefeld auf die erste Liga ist groß. In der 2. Bundesliga war die Arminia in der vergangenen Saison das Maß aller Dinge. Die Mannschaft holte 68 Punkte und ging nur zwei Mal als Verlierer vom Platz. Der Vorsprung auf Mitaufsteiger VfB Stuttgart betrug zehn Punkte. Doch das Kräfteverhältnis in der Bundesliga ist ein anderes, das wissen Spieler wie Verantwortliche. Das Saisonziel ist deshalb klar und lautet Klassenerhalt. Dafür werden die Bielefelder den einen oder anderen Überraschungssieg brauchen.

DSC Arminia Bielefeld 2019/20
Kompakt18 Siege, 14 Unentschieden, 2 Niederlagen, 65:30 Tore, 68 Punkte
Erfolgreichster TorschützeFabian Klos (21 Tore)

In der Vorbereitung auf die erste Bundesligasaison seit 2008/09 ging es für die Ostwestfalen eine Woche lang ins österreichische Scheffau am Wilden Kaiser. Dort fanden auch zwei Testspiele gegen Feyenoord Rotterdam (0:0) und Ligakonkurrent VfB Stuttgart (0:2) statt. Den ersten Dämpfer gab es für den frisch gebackenen Erstligisten beim Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal bei Rot-Weiss Essen. Hier musste die Mannschaft nach einem 0:1 bereits in der ersten Runde die Segel streichen. Hauptproblem der in den vergangenen Jahren erfolgsverwöhnten Arminen war eine zurückhaltende Zweikampfführung und vor allem in der zweiten Hälfte fahrlässige Chancenverwertung. In der Pressekonferenz nach dem Pokalspiel machte Cheftrainer Uwe Neuhaus bereits deutlich, dass gegen die Frankfurter Eintracht eine andere Leistung notwendig sein wird.

Trainer: Neuland für Neuhaus

Uwe Neuhaus gilt als besonnen und ruhig. In der vergangenen Saison gab es zumeist auch keinen Grund zur Unruhe. Denn seit dem 15. Spieltag war sein Team nicht mehr von Platz eins zu verdrängen. Seit Dezember 2018 ist er Trainer der Arminia, mit der er einmal mehr seine Qualitäten als Aufstiegstrainer unter Beweis stellte. Als Chefcoach hat er bereits mehrere Aufstiege in die 2. Bundesliga in seiner Vita stehen: 2006 mit Rot-Weiss Essen, 2009 mit dem 1. FC Union Berlin und 2016 mit Dynamo Dresden. Zuvor war er sowohl als Cheftrainer von Borussia Dortmund II als auch als Co-Trainer der ersten Mannschaft des BVB im Einsatz. Beim BVB war er von der Saison 1998/99 bis 2003/04 unter anderem die rechte Hand von Matthias Sammer und dem in Frankfurt bestens bekannten Michael Skibbe.

Die erste Liga ist für Neuhaus also Neuland. Der 60-Jährige steht vor der großen Herausforderung, eine Mannschaft ohne wirkliche Bundesligaerfahrung zumindest zu einem wehrhaften und unangenehmen Gegner zu formieren, der bereit ist, um jeden Punk zu kämpfen. Um das in die Tat umzusetzen, steht ihm Co-Trainer Peter Nemeth zur Seite. 

Taktik: Plan A ist klar, Plan B in Arbeit

Unter Neuhaus agiert der DSC zumeist in einem offensiven 4-3-3. Das bietet flexible Anpassungsmöglichkeiten an das System des Gegners und die Chance, mit drei Sturmspitzen schnelle Konter zu fahren. Das wird die Arminia vorranging nutzen, um den Gegner unter Druck zu setzen – denn das Spiel werden zumeist die spielstärkeren Mannschaften gestalten. Im Angriff führt kein Weg an Fabian Klos vorbei. Der Torschützenkönig der 2. Bundesliga ist die Lebensversicherung der Arminia und zugleich ohne Erstligaerfahrung. Unterstützen soll ihn Stürmer Sergio Córdova, den die Verantwortlichen um den Geschäftsführer Sport Samir Arabi vom FC Augsburg ausgeliehen haben. Eine konstante Abwehrleistung zeichnete die Arminia in der vergangenen Saison ebenso aus, als sie nur 30 Gegentore kassierten – Ligabestwert. Doch die Mannschaft wird sich nicht auf ein System verlassen wollen und arbeitet entsprechend an Alternativen. Die Frage wird sein, ob das auf Spielkontrolle, die schon bei Torwart Stefan Ortega beginnen soll, ausgelegte System auch eine Liga höher funktioniert oder der Neuling hier und da einen Plan B aus der Tasche zaubern muss.Wie am Montag im Pokal, als die Gäste nach der Pause auf ein 4-4-2 umstellten, oder in den Vorbereitungsspielen, als die Schwarz-Weiß-Blauen hin und wieder auf eine Fünferkette zurückgriffen.

Spieler im Fokus: Amos Pieper

Amos Pieper ist nicht nur Innenverteidiger bei Arminia Bielefeld und gehört dort seit über anderthalb Jahren fest zur Startelf, sondern seit September auch deutscher U21-Nationalspieler. Nebenbei studiert er per Fernstudium zudem Wirtschaftspsychologie. Pieper zeichnet sich durch seine Kopfballstärke sowie ein sicheres Passspiel aus. Außerdem gilt er bereits in jungen Jahren als spielintelligenter Verteidiger, der das Spiel gut zu lesen vermag ein dementsprechend gutes Positionsspiel besitzt.

Der 22-Jährige durchlief lange die Jugend bei Borussia Dortmund, wurde mit dem Nachwuchs drei Mal Deutscher Meister. Insgesamt achteinhalb Jahre lief er seit 2010 im Trikot der Schwarz-Gelben auf, ehe er Anfang 2019 auf der Alm der Chance auf Profifußball ergriff. Pieper stand zuvor bereits im Bundesligakader der Borussen, doch als blutjunger Innenverteidiger gelang ihm nicht der Sprung in die erste Mannschaft, war stattdessen Leistungsträger im Regionalliga-Team. Deshalb kam der Wechsel zu den Arminen wie gerufen. Hier konnte er Spielpraxis sammeln, reifte schnell zum Stammspieler und absolvierte seither 39 Zweitliga-, drei DFB-Pokal- und zwei U21-Nationalspiele. Nicht zuletzt vom DFB ist der Emporkömmling somit Ragnar Ache bestens bekannt. Ein direktes Aufeinandertreffen am Samstag nicht ausgeschlossen.

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