08.07.2020
Historie

„Ein unglaubliches Glücksgefühl“

Heute vor 30 Jahren wird Deutschland Weltmeister. Uwe Bein und Andreas Möller sprechen über ihre Erinnerungen an eine ganz besondere WM.

Mit einem 1:0-Sieg gegen Argentinien wurde die Deutsche Nationalmannschaft am heutigen Mittwoch vor genau 30 Jahren Fußballweltmeister. Unter den glücklichen WM-Helden damals waren Uwe Bein und Andreas Möller. Bein war 1989 zur Eintracht gekommen, feierte wenige Monate später im Alter von 29 Jahren sein Debüt in der Nationalelf und stand demnach 1990 erstmals bei einem großen Turnier im Kader. Heute ist er als Markenbotschafter für die Eintracht tätig. Möller war in der Jugend ein Adlerträger und 1985 Teil der U19-Meistermannschaft. Nach seinem Abgang 1987 zu Borussia Dortmund kehrte er noch zweimal als Spieler zurück – unter anderem nach dem WM-Sieg. Der 53-Jährige leitet heute das Nachwuchsleistungszentrum des Vereins am Riederwald. Während Uwe Bein in vier der sieben Partien auf dem Feld stand und die beiden letzten Spiele nur aufgrund einer Verletzung verpasste, kam Andreas Möller lediglich auf 22 Spielminuten nach zwei Einwechslungen. Deutlich besser lief es für den Ex-Adlerträger Thomas Berthold. Der Jugendspieler der Eintracht stand in jeder Partie in der Startformation.

Im Dezember 2018 hat EintrachtTV Uwe Bein und Andreas Möller in der Stadt des großen Triumphes getroffen. Bei der Europa-League-Reise der Eintracht nach Rom waren die beiden Mittelfeldspieler vor Ort und schwelgten in Erinnerungen, die auch noch im Juli 2020 aktuell sind. Terminschwierigkeiten führten dazu, dass wir Bein und Möller zum 30-jährigen Jubiläum nicht noch einmal gemeinsam zum Interview bitten konnten.

Abpfiff am 8. Juli 1990. Deutschland ist Weltmeister! Uwe Bein (l.) und Andreas Möller (springt am höchsten) setzen mit den Teamkollegen zum Jubellauf an.

Uwe, wie sind deine Erinnerungen an die WM 1990?
Bein:
Ich bin damals ohne große Erwartungen mitgefahren und habe überhaupt nicht damit gerechnet, im ersten Spiel in der Startelf zu stehen. Ich hatte aber zwei gute Vorbereitungsspiele gemacht und auf einmal war ich in den drei Vorrundenpartien von Beginn an auf dem Platz.

Dann kam das Achtelfinale, und du warst erstmal nicht dabei.
Bein:
Vor dem Spiel hat mich Teamchef Franz Beckenbauer zur Seite genommen und mir erklärt, dass ich aus taktischen Gründen gegen die Niederlande nicht spielen werde. Im Viertelfinale gegen Tschechien stand ich dann wieder in der Startelf und habe auch ein gutes Spiel gemacht, bis ich in der 83. Spielminute verletzt ausgewechselt werden musste. Am Abend vor dem Halbfinale hat mich Franz gefragt, ob ich zu 100 Prozent fit bin. Diese Frage musste ich ehrlicherweise verneinen. Dementsprechend bin ich im Halbfinale und im Finale nicht mehr zum Einsatz gekommen. Trotzdem war es eine sensationelle Geschichte und wir sind als Team Weltmeister geworden.

Andi, du hast in der Qualifikation alle Spiele gemacht. Es war davon auszugehen, dass du gesetzt bist?
Möller:
Genau, aufgrund meiner Leistungen in den Partien zuvor hatte ich mir ausgemalt, dass ich zum Einsatz kommen würde. Wir hatten aber fünf Spieler für eine offensive Mittelfeldposition und Uwe hat sich mit seiner Leistung super durchgesetzt. Es war sehr schade, dass er sich dann verletzt hat, sonst hätte er sicherlich alle Spiele gemacht. Ich war damals der jüngste Spieler im Kader, von daher war es einfach nur fantastisch, diesen Titel mitzuerleben und zu feiern. Ich bin im Alter von 22 Jahren Weltmeister geworden und durfte den Pokal in den Händen halten. Das war ein unglaubliches Glücksgefühl.

Was hat die Mannschaft zu der Zeit ausgezeichnet?
Möller:
Wenn man mit einem Sieg in die WM startet, dann ist das schon sehr aussagekräftig. Wir waren ein tolles Team und das hat sich schon in der Vorbereitung abgezeichnet. Das war eine Erfolgsgeschichte seit Tag eins. Franz Beckenbauer hat es super gemacht und wir hatten die besten Spieler der Bundesliga. Jeder Spieler war individuell Weltklasse, aber Franz hat aus den einzelnen Akteuren ein Team geformt.

Im Finale verwandelte Andreas Brehme kurz vor Schluss einen Strafstoß zum 1:0. Wie habt ihr diesen entscheidenden Moment erlebt?
Bein:
Wir haben das Finale zusammen auf der Bank verfolgen müssen und auf den Abpfiff gewartet. Dann hat der Schiedsrichter in der 85. Minute auf Elfmeter entschieden und wir haben beide gesagt: „Wenn Andi den macht, dann sind wir Weltmeister.“ Nachdem der Ball im Tor war, lief die Zeit für uns. Ich glaube, die Argentinier waren zum Schluss platt, gerade weil sie ab der 64. Minute einen Mann weniger auf dem Feld hatten. Als der Abpfiff kam, war das einfach nur ein überwältigendes Gefühl. Für einen Fußballer ist es das Größte, so etwas zu erleben.

Es blieb euch verwehrt, gemeinsam auf dem Platz zu stehen. Leider!?
Bein:
Natürlich hätten wir uns gewünscht, als Frankfurter einmal zusammen auf dem Platz stehen zu können, aber das war leider nicht der Fall.
Möller: …außer in einem Freundschaftsspiel. Bei der Eintracht hat unser Zusammenspiel immer super funktioniert, wir haben gut harmoniert. In der Nationalmannschaft konnten wir das leider nicht zeigen. Uwe war mein idealer Partner, der mich so in Szene setzen konnte, wie kein anderer Spieler in meiner Karriere. Ich konnte meine Schnelligkeit ausspielen und wir haben uns blind verstanden – nicht nur auf dem Platz.

Ihr wart also auch privat gute Freunde?
Bein:
Ja! Die Zeitungen haben damals immer geschrieben, wir könnten und nicht ausstehen und nicht miteinander spielen. Allerdings war das Gegenteil der Fall: Wir haben uns vom ersten Moment an super verstanden und das Zusammenspiel hat ideal funktioniert. Wir haben außerhalb des Platzes viel gemacht und uns auch auf dem Feld blind verstanden. Es hat einfach Spaß gemacht. Wenn ich den Ball hatte, kam er da an, wo Andy hingelaufen war.
Möller: Wir waren sogar Zimmerkollegen bei der WM! [Anm. d. Red.: dem Wiesbadener Kurier erzählte Möller kürzlich darüber Folgendes: „Es gab nur ein Telefon auf dem Zimmer, Festnetz. Er hat es mehr blockiert als ich. Wenn er auf Toilette gegangen ist, musste ich schnell telefonieren.“]

War die Stimmung in der Nationalmannschaft ähnlich gut?
Bein:
Definitiv! Seit dem ersten Tag im Trainingslager herrschte in der Mannschaft eine gewisse Harmonie, es gab überhaupt keine Streitigkeiten. Es lief von Anfang an sehr rund und nach dem 4:1 gegen Jugoslawien im ersten Vorrundenspiel haben wir intern gesagt: „Wer Weltmeister werden will, muss uns schlagen“. Am Ende hat uns keiner geschlagen!

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