19.05.2022
Europapokal

Emotionaler Ausnahmezustand

Frankfurt feiert mit einer Riesenparty seine Helden von Sevilla – vom Flughafen bis zum Römer, wo sich die Mannschaft auf dem Balkon präsentiert und bei OB Feldmann ins Goldene Buch einträgt.

Sie haben gebissen, geschwitzt, gelitten – gewonnen. Die Fußballer der Eintracht am Mittwoch bis kurz vor Mitternacht. Ausdauer und Hartnäckigkeit waren nicht nur in Sevilla, sondern am Donnerstag auch in Frankfurt gefragt. In freudiger Erwartung hielten sich die Fans für die Ankunft ihrer Helden am frühen Abend bereit.

Es sind einzigartige Bilder, die zwischen Frankfurter Flughafen und Innenstadt entstanden und um die ganze Welt gegangen sind. Eintracht Frankfurt kehrt als Europa-League-Sieger zurück und hat in der Mainmetropole eine Riesenparty gefeiert – die wahrscheinlich noch lange nicht zu Ende ist. „Wir feiern bis Sonntag“, hatte Cheftrainer Oliver Glasner am Mittwochabend die Marschroute ausgegeben.

Die Fortführung der langen Partynacht von Sevilla war am Donnerstag eine einzigartige, ausgelassene und friedliche Feier. Hunderttausende waren an den Straßenrand gekommen und feierten die Mannschaft, die gegen 18 Uhr in abwechselnd aufgereihte schwarze und weiße Cabrios eingestiegen waren. Der Weg durch die Stadt dauerte viel länger als geplant, ab Sachsenhausen ging es nicht mal mehr im Schritttempo vorwärts. Die Adlerträger genossen das Bad in der Menge, schrieben aus den Autos heraus Autogramme, standen für Selfies zur Verfügung, klatschten ab und feierten teilweise lautstark mit den Anhängern.

Dieser Titel ist für uns alle. Für euch, für uns, für Jürgen Grabowski, für meinen Landsmann Bruno Pezzey. Dieser Titel ist unglaublich, wenn man die Geschichte der Eintracht in den vergangenen zehn Jahren hört.

Martin Hinteregger

„Einfach nur magisch“, beschrieb Stefan Ilsanker die Stimmung, während der Aufsichtsratsvorsitzende Philip Holzer alles „noch intensiver als 2018“ wahrnahm. Vor vier Jahren hatte die Eintracht am Tag nach dem DFB-Pokalsieg eine ähnliche Route durch die Stadt zum Römerberg genommen. Peter Fischer, der Präsident, meinte angesichts des flächendeckenden Enthusiasmus, dass gefühlt die ganze Stadt seit dem Morgengrauen auf den Beinen ist: „Irgendwann laufen die Tränen, da kannst du nichts machen.“

Um 21.36 Uhr wurden die lange ausharrenden Fans belohnt, die Mannschaft betrat vor den Augen von weit über 10.000 Menschen den Römerbalkon. Die Feierlichkeiten erreichten die nächste Stufe. Angeführt von Kapitän Sebastian Rode, direkt dahinter folgte Kevin Trapp mit dem riesigen Pott in den Händen. Titeltrainer Glasner gestand: „Als ich das erste Mal auf dem Römer war im vergangenen Jahr, habe ich zu meinen Co-Trainern gesagt, dass ich irgendwann mal hier auf dem Balkon stehen möchte. Jetzt ist es schon nach einem Jahr soweit. Titel kann man mit Geld gewinnen. Oder indem man eine große Einheit bildet. Nur so haben wir das geschafft. Danke für eure Unterstützung.“ Martin Hinteregger meinte: „Dieser Titel ist für uns alle. Für euch, für uns, für Jürgen Grabowski, für meinen Landsmann Bruno Pezzey. Dieser Titel ist unglaublich, wenn man die Geschichte der Eintracht in den vergangenen zehn Jahren hört.“

Im Kaisersaal war der offizielle Teil zuvor aufgrund der fortgeschrittenen Zeit etwas kürzer ausgefallen. Oberbürgermeister Peter Feldmann beglückwünschte die gesamte Eintracht-Familie, lobte die Fans und freute sich auf die kommenden Champions-League-Abende. Vorstandssprecher Axel Hellmann fasste sich kurz, in drei Gedankensträngen: „Vor vier Jahren hatte ich an dieser Stelle das Gefühl, dass wir möglicherweise lange nicht wiederkommen. Jetzt haben wir einen europäischen Titel für Frankfurt geholt.“ Zweitens: „Wir haben die Romantik in den Fußball zurückgebracht, indem diese Mannschaft Grenzen verschoben und ungeschlagen den Titel geholt hat.“ Und drittens: „Der Fußball hat eine gewisse Metaphysik. Wir holen nach 42 Jahren wieder einen europäischen Titel – in dem Jahr, in dem Bernd Nickel und Jürgen Grabowski uns für immer verlassen haben. Eintracht Frankfurt widmet diesen Triumph Jürgen Grabowski, dem größten Fußballer von Eintracht Frankfurt.“ Mannschaft und Verantwortliche trugen sich danach in das Goldene Buch der Stadt ein.

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