19.03.2022
Historie

„Es war Schicksal“

István Sztáni wird 85! Wenige Tage vor seinem Geburtstag hat der Mann mit dem Hut EintrachtTV getroffen – und viel zu erzählen gehabt.

Treffpunkt des Gesprächs ist das Eintracht Frankfurt Museum, wo István Sztáni unverändert ein gern gesehener Gast ist. So wie beim Wiedersehen der 1959er Meisterspieler im vergangenen Juni. Oder diesmal, wenn der Doppeltorschütze aus dem Endspiel gegen Kickers Offenbach zum 85. Mal Geburtstag feiert. Viele Jahre, viele Ereignisse, von denen er rückblickend sagt: „Wissen Sie, mein Leben ist unglaublich!“

Geboren wurde István Sztáni am 19. März 1937 in Ozd in Ungarn. Als Jugendlicher spielte er ab 1955 für den Zweitligisten Vasas Ozd. Als im Oktober 1956 der Volksaufstand in Budapest ausbrach, weilte er gerade mit der ungarischen Juniorenauswahl in England. Er kehrte nicht in die Heimat zurück, sondern reiste über die Schweiz nach Deutschland. „Die Erlebnisse in der Welt haben mich gepackt. So habe ich gesagt: Dann gehe ich nach Frankfurt. So kam ich zur Eintracht...“ Und ist ihr bis heute treu geblieben.

Der Hut ist ein unverwechselbares Merkmal von István Sztáni geblieben, damals wie heute.

Nach einer einjährigen Sperre durch die Fifa durfte er ab 1957 wieder Fußball spielen. Keine zwei Jahre später der besagte Titelgewinn. Ein unverhofftes Ereignis erfuhr der einstige Halbstürmer bereits einen Tag vor jenem 28. Juni am Endspielort in Berlin: Sein Vater, den er glaubte, wegen des Kalten Kriegs nie wieder zu sehen, stand am Trainingsplatz. „Ich gehe auf ihn zu, erkenne ihn wirklich als meinen Vater und habe ihn umarmt. Da kommen mir gleich die Tränen“, erinnert sich Sztáni, der daraufhin im Olympiastadion vor den Augen des Vaters zur Hochform aufläuft.

Genau wie übrigens die Fans. „Die Menschen sind ausgeflippt. Sie durften noch auf den Platz, anders als heute, und haben mich gepackt. Mein Bein war oben, meine Schulter unten, aber irgendwie haben sie mich dann doch auf ihre Schultern gedrückt. Das sind Dinge, die kann man sich heute nicht mehr vorstellen.“

Vater getroffen, Tor geschossen, Ehefrau gefunden – und die Deutsche Meisterschaft gewonnen.

István Sztáni

Ebenso wenig wie die letzte Geschichte, die Sztáni EintrachtTV verrät. Ebenfalls am Meistertag. „Herr Sztáni, wollen Sie bitte kommen, da ist eine Dame“, gibt der 88-malige Adlerträger die lebensverändernde Szene wieder. „Ich stand auf, ging raus – da stand Brigitte.“ Die beiden hatten sich Monate zuvor in Berlin kennen gelernt, hinterher aber aus den Augen verloren. „Danach sind wir aber in Kontakt geblieben und ich habe sie geheiratet.“

Noch heute lebt Sztáni mit seiner Frau Brigitte in Neu-Anspach. „Vater getroffen, Tor geschossen, Ehefrau gefunden – und die Deutsche Meisterschaft gewonnen“, fasst es der Jubilar so treffend zusammen, dass es fast zu unwahrscheinlich klingt, um real zu sein. Oder um es mit den Worten István Sztánis zu erklären: „Es war Schicksal“.

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