11.09.2020
DFB-Pokal

„Es wird nichts anbrennen“

Rudi Bommer, Ex-Adlerträger und später Trainer bei 1860 München, spricht über Pokalemotionen, Sascha Mölders und gute Fußballer im hohen Alter.

Rudi, wo erreichen wir dich?
Ich bin in Bayern unterwegs und mache mir noch ein paar schöne Tage. Aber bald bin ich wieder als Fernsehexperte im Einsatz.

Bayern ist ein gutes Stichwort. Der bayerische Landespokalsieger TSV 1860 München ist am Samstag in der ersten Runde des DFB-Pokals Gegner der Eintracht. Du warst einst Trainer bei den Löwen, nach dem Bundesligaabstieg 2004.
Es war eine kurzlebige, harte Zeit. Ich war ein junger Trainer und überall hat es geknallt. Wir mussten direkt wieder aufsteigen, obwohl viele Spieler den Verein verlassen hatten und ich quasi in einer Doppelfunktion aus Trainer und Manager gearbeitet habe. Dazu war Wildmoser nicht mehr da und der Verein hatte einen unerfahrenen Präsidenten. Dann hast du noch die Medien und Leute mit Einfluss außerhalb des verantwortlichen Bereichs, die Stimmung machen. Ein heißes Pflaster. Da machst du natürlich auch Fehler. Im November hatten wir ein paar Punkte Rückstand auf Rang drei, und dann haben sie mich entlassen.

Mittlerweile ist 1860 nach dem Absturz bis in die Regionalliga wieder Drittligist. Du bist dort wie schon erwähnt öfter als Experte im Einsatz und kennst dich in der Liga aus. Wie hast du die Löwen in der vergangenen Saison gesehen?
Sie sind gut zusammengewachsen und kommen über die mannschaftliche Geschlossenheit. Ihr Spiel war zuletzt auf die Stürmer Stefan Lex und Sascha Mölders zugeschnitten. Sie haben sicherlich ihre Qualitäten und der Pokal schreibt seine eigenen Gesetze, auch wenn das ein Satz fürs Phrasenschwein ist. Wenn die Eintracht aber ihr hohes Potential abruft und konzentriert agiert, brennt nichts an.

Du sprichst die eigenen Gesetze im Pokal an. Etwas relativiert wird das natürlich dadurch, dass das sonst so stimmungsvolle Städtische Stadion an der Grünwalder Straße nahezu leer bleiben wird. Ein Faktor?
Auf jeden Fall. Die Stimmung ist nicht da, und die brauchst du als unterklassiger Verein. Nur dann kannst du so etwas erreichen wie Saarbrücken in der vergangenen Saison mit dem Halbfinaleinzug. Wenn die Eintracht vorne früh draufgeht, gleich den Klassenunterschied deutlich macht und in Führung geht, ist es unwahrscheinlich, dass 1860 nochmal zurückkommt.

Ich hatte Riesenspaß bei der Eintracht – und habe ihn immer noch, wenn wir mit der Traditionsmannschaft zusammen sind.

Rudi Bommer

Du bist mit 38 Jahren, acht Monaten und zwölf Tagen nach Richard Kreß der zweitälteste Feldspieler, der jemals in der Bundesliga für Eintracht Frankfurt aufgelaufen ist. Holt Makoto Hasebe dich noch ein?
Ich traue es ihm zu, klar. Ich habe ihn in der vergangenen Saison oft spielen gesehen, er ist in sehr guter Form. Er hat ein gutes Auge, viel Erfahrung und kann ein Spiel lesen. Er steht schon da, wo die Jüngeren noch hinlaufen müssen. Also muss er keine Kilometerrekorde mehr aufstellen. Ich habe meinen älteren Spieler immer geraten, so lange zu spielen, so lange sie noch können. Sie können ihre Erfahrung weitergeben. Übrigens: Ich wollte Hase einst nach Cottbus holen. Aber Klaus Allofs, mein alter Düsseldorfer Mannschaftskollege und seinerzeit Wolfsburg-Manager, wollte ihn behalten.

Sascha Mölders, den schon angesprochenen Löwen-Stürmer, hast du auch mal trainiert.
Da war er noch ein junger Kerl (lacht). Ich habe ihn in Duisburg zu den Profis geholt. Mittlerweile ist er mit seinen 35 Jahren ein erfahrener Spieler und Leistungsträger bei 1860. Ich habe als Trainer meinen älteren Spielern immer geraten, solange wie möglich zu spielen, wenn es körperlich machbar ist. Die Erfahrung, die diese Jungs haben, ist Gold wert. Es gibt viele Beispiele von Spielern, die im hohen Alter noch starke Leistungen gebracht haben. Matthäus und Votava zum Beispiel. Eine wichtige Rolle spielt der Trainer, der die Belastung steuert. Zu meiner Zeit war es so, dass Stepi es sehr gut verstanden hat, die älteren Spieler wie mich oder Uwe Bein auch mal rauszunehmen.

Du hast mit fast 40 Jahren noch in der zweiten Liga bei der Eintracht gespielt. Trotz Abstieg – was war das für eine Zeit für dich bei der Eintracht?
Es waren geile fünf Jahre. Ich hatte in Uerdingen ein Vertragsangebot in der Bundesliga mit 30 Jahren nicht mehr angenommen und war schon zurück nach Aschaffenburg gegangen, wo ich Oberliga mit einem Jahr zweite Liga dazwischen gespielt habe. Dann hat Stepi mich geholt, indem er auch meine Frau überzeugt hat. Ich hatte Riesenspaß bei der Eintracht – und habe ihn immer noch, wenn wir mit der Traditionsmannschaft zusammen sind.

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