06.08.2020
Europapokal

Feiern nur in Europa

Während die Ausbeute in der Super League trotz Platz drei so gering wie lange nicht ausfällt, steht der FC Basel international vor einem Schweizer Rekord – den die Eintracht verhindern möchte.

Trainer

Wie die Schicksale zweier Menschen doch verwoben sein können. Nachdem Urs Fischer, heute Trainer des 1. FC Union Berlin, 2017 trotz zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg seinen Hut in Basel nehmen und Raphael Wicky nicht die acht Titel in Folge währende Ära anknüpfen konnte, übernahm Marcel Koller im Sommer 2018 die Geschicke am Rhein. Der Mann, der seinerzeit die Vormachtstellung im Schweizer Profifußball durchbrochen hatte, wechselte im selben Jahr zur Frankfurter Eintracht: Adi Hütter. Mit den Folgen hat der Zürcher Koller, der als Profi nie für einen anderen Verein als den Grasshopper Club Zürich und insgesamt 25 Jahre tätig war, bis heute zu kämpfen. Nachdem im ersten Jahr zwar der Pokalsieg, nicht aber die Rückkehr an die nationale Spitze gelang, verlor der 59-Jährige nacheinander mit Albian Ajeti an West Ham United und Ricky van Wolfswinkel an den Krankenstand seine zwei besten Stürmer. Geblieben ist das Selbstverständnis und der Traum der Verantwortlichen von der nächsten Ära.

Situation

In der Realität hat der FC Basel die ihrerseits durch die Coronapause bis zum vergangenen Monat laufende Super League auf Platz drei abgeschlossen – tiefer rangierte Basel letztmals zum Ende der Spielzeit 2008/09. Was auf der einen Seite am Selbstverständnis des 20-maligen Schweizer Meisters nagt. Immerhin gilt der amtierende Pokalsieger nach Titeln als erfolgreichster Schweizer Verein nach der Jahrtausendwende. Erst ein gewisser Adi Hütter vermochte dessen Vormachtstellung zu durchbrechen, als er den Abonnementchampion 2018 mit dem BSC Young Boys nach acht Meisterschaften in Folge, darunter drei mit David Abraham, vom Thron stieß.

Formkurve

18 Siege und zehn Niederlagen stehen letztlich auf nationalem Terrain zu Buche – so wenige beziehungsweise viele wie nie in der Ligageschichte des FCB. 62 Zähler sind ebenfalls historischer Tiefstwert. Auf der anderen Seite ist Basel seit sieben Super League-Partien ohne Niederlage. Überhaupt, und das ist durchaus eine Erwähnung wert, hat außer den Rot-Blauen noch kein Schweizer Vertreter jemals das Achtelfinale der UEFA Europa League erreicht, wohingegen sich der FCB in vier von fünf Fällen der Round of 32 durchsetzen konnte.

So auch im Februar gegen APOEL Nikosia, als die Zyprer beim 0:3 zuhause ebenso chancenlos blieben wie im Rückspiel im St. Jakob-Park in Basel, als der Gastgeber beim 1:0 seine Weste abermals sauber hielt, international insgesamt zum dritten Mal am Stück. Auch in der Vorrunde gingen die Bebbi aus jedem Heimspiel als Sieger hervor, in der Liga belegen sie in der imaginären Heimtabelle Rang zwei.

Taktiktafel

Taktisch lassen sich bisweilen durchaus Vergleiche zur Handhabe der Eintracht feststellen, bis zur Coronapause ihrerseits wahlweise im 4-2-3-1 oder 4-3-3 auflief. Namentlich sind die unterschiedlichen Anordnungen an Samuele Campo festzumachen, sofern dieser auf der Zehn aufläuft, wo alternativ aber auch Frei zum Einsatz kommen kann wie Xhaka als alleiniger Abräumer. In der Abwehr sind Rechtsverteidiger Silvan Widmer sowie die Innenverteidiger Eray Cömert und Omar Alderete die großen Konstanten. Vergleichbar mit der Rolle des FC Basel als nationales Flaggschiff in der UEFA Europa League ­– Formdelle hin oder her.

Spieler im Fokus

Samuele Campo stammt aus der Jugend seines Heimatklubs FC Basel. Bei einem Hallenturnier in Kleinhüningen wurde er als Sechsjähriger vom FC Basel entdeckt, da er einige Tore gegen diesen schoss. So wechselte er bereits in jungen Jahren in die Jugendabteilung des Stadtklubs, wo er von nun an während 15 Jahren sämtliche Juniorenstufen bis zur U21 durchlief. 2016 verließ er den Heimatverein allerdings und begann seine Profikarriere bei Lausanne Sport. Nach 59 Spielen für Lausanne, in denen ihm elf Tore gelangen, kehrte Campo im Januar 2018 zurück zum FC Basel, wo er aktuell bis 2022 unter Vertrag steht. Als einziger Titel steht bislang der Pokalsieg 2019 zu Buche.

Campo gelang im Hinspiel in Frankfurt im elften Europapokalspiel sein erster Treffer, als er nach einer halben Stunde einen Freistoß zum 0:1 verwandelte. Insgesamt steht er in dieser Saison wettbewerbsübergreifend bei vier Pflichtspieltreffern in 23 Einsätzen. Im Hinspiel legte er zudem nicht nur das 0:2 auf, sondern gab insgesamt fünf Torschüsse ab – so viele wie seine Teamkollegen zusammen. Die Adler sind also gewarnt!

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