10.09.2020
DFB-Pokal

Fette Beute

Die Münchner Löwen haben zu altem Biss zurückgefunden, auch weil sie ihre Gegner in beiden Strafräumen zur Verzweiflung treiben können.

Aufbruchstimmung in Giesing

Der TSV 1860 München präsentiert sich aktuell in einer starken Frühform und will nach einem Jahr Pokalabstinenz genauso weiterkommen wie die Adler aus Frankfurt. Während der fünfwöchigen Vorbereitung absolvierten sie bereits ein Pflichtspiel im bayerischen Landespokal und testeten ausgiebig gegen die SpVgg Bayreuth (2:0), Jahn Regensburg (4:1) und die FC Juniors Oberösterreich (1:1). Ihre gute Verfassung unterstrichen die Löwen insbesondere im Finale des Toto-Pokals. Nachdem es nach 90 Minuten 1:1 gestanden hatte, schlugen sie die Würzburger Kickers 4:1 im Elfmeterschießen und kürten sich 2020 erstmals in der Vereinsgeschichte zum bayerischen Pokalsieger. In der vergangenen Drittligasaison spielten die Löwen zumindest rechnerisch lange um den Aufstieg in die Zweite Liga mit, letztlich beendeten sie die Saison auf dem achten Platz. Auch in der neuen Saison möchten sich die Münchner nach oben orientieren und die Aufbruchstimmung im Verein und in der Mannschaft nutzen.

Der Weg in den DFB-Pokal
Runde 1FT Schweinfurt (A)1:6
Runde 2TV Aiglsbach (A)1:11
AchtelfinaleTSV 1860 Dachau (A)5:6 n.E.
ViertelfinaleSpVgg Unterhaching (H)4:3 n.E.
HalbfinaleFreilos
FinaleFC Würzburger Kickers (H)5:2 n.E.

Der Bessermacher

Michael Köllner ist seit dem 11. November 2019 Trainer des TSV 1860 München. Zuvor trainierte er von März 2017 bis Februar 2019 den 1. FC Nürnberg. Mit dem Club schaffte er in der Saison 2017/18 den Aufstieg in die Bundesliga. Zuvor war er bei den Nürnbergern Trainer der U21 und Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Köllner scheint demnach ein Herz für Traditionsvereine zu haben. Zuvor arbeitete er unter anderem beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Bereich Talentförderung. Köllners Fußballphilosophie ist von dessen Erfahrungen im Jugendbereich geprägt. Der gebürtige Oberpfälzer setzt auf junge Spieler als Kernelement seiner Mannschaft – dazu kommen erfahrene Spieler, die den jungen als Stütze dienen und der Mannschaft Stabilität verleihen soll. Der 50-Jährige bezeichnet sich selbst als Autodidakt, da er selbst nie höherklassig Fußball gespielt hat. Seine Zielsetzung: Die Spieler individuell besser machen, um somit die gesamte Mannschaftsleistung verbessern.

Einstellung über Aufstellung

Unter Köllner spielten die Löwen in der Liga zumeist in einem 4-3-1-2 oder einem 4-4-2. Sie setzten auf einen dichten Abwehrriegel, laufstarke Außen und mit Sascha Mölders einen abgezockten Mittelstürmer. An dessen Seite positionieren sich der erfahrene Stefan Lex oder der junge Fabian Greilinger. Verpflichtungen wie die des erfahrenen Stephan Salger von Arminia Bielefeld passen in das Konzept, junge Spieler durch erfahrene zu stützen. Der Innenverteidiger soll in der Viererkette vorangehen. Köllner will, dass seine Spieler über Zweikampfstärke und Einsatzwillen kommen. Das taktische Grundgerüst dient deshalb mehr als Orientierung und bleibt während des Spiel variabel. Aufgrund zahlreicher Abgänge und einiger Neuzugänge bleibt abzuwarten, in welcher Formation die Löwen am Samstag auflaufen werden. In den Vorbereitungsspielen und im Finale des Bayernpokals agierten die Sechzger beispielweise in einem 4-1-2-3 mit einem Abräumer, zwei Mittefeldspielern in den Halbpositionen und drei Spitzen.

Hiller, der Elfmeterkiller

Wer den Weg der Löwen in den DFB-Pokal erklären will, kommt an Marco Hiller nicht vorbei. Der 23-Jährige spielt seit der U12 für den TSV 1860 München und ist somit ein echtes Eigengewächs. Seit Sommer 2017 gehört er zum Profikader und stand seitdem in 104 Pflichtspielen zwischen den Pfosten. 32 Spiele davon blieb er ohne Gegentor. 2017/18 gelang ihm mit den Blau-Weißen der direkte Wiederaufstieg von der Regionalliga in die die dritte Liga – sicher einer der persönlich größten Erfolge.

Startete der 1,88 Meter große Torwart noch als Nummer zwei in die vergangene Saison 2019/20, machte ihn Köllner nach seinem Amtsantritt zur erneuten Nummer eins. Mit Hiller zwischen den Pfosten blieben die Löwen 16 Spiele in Folge ohne Niederlage. Im Bayernpokal stellte er außerdem seine Qualitäten als Elfmeterkiller unter Beweis. So wurde der TSV-Schlussmann im Finale des bayerischen Toto-Pokals mit zwei parierten Elfmetern der Matchwinner. Bereits im Viertelfinale gegen Unterhaching hatte er im Elferschießen drei Versuche abgewehrt. Ein Szenario, auf das sich die Adlerträger am Samstag ohnehin nicht einlassen möchten.

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