28.12.2025
Team

Fleißig und filigran

Spielweise, Charakterzüge, Einschätzungen der Entscheidungsträger, Zeitpunkt der Verpflichtung, internationale Furore, Vorbilder, Förderer. Winterzugang Keita Kosugi im Portrait.

Im August ließ Keita Kosugi ausnahmsweise nicht auf dem Rasen, sondern buchstäblich neben dem Platz aufhorchen, als der 19-Jährige nach einem Spiel in Schweden den Ordnern half, das Terrain von Müll zu befreien – um dem Gegner Respekt zu erweisen, so damals die Begründung des Japaners. Anhänger des Frankfurter Clean-up Day werden solche Anekdoten freuen, Freunde des gepflegten Fußballs sind bei Auftritten des Verteidigers in der Vergangenheit ebenso auf ihre Kosten gekommen. Denn die originären Stärken der Winterverpflichtung liegen nicht allein in der Arbeit gegen den Ball.

Spielweise

Auf der einen Seite stehen die blanken Statistiken: fünf Tore und sieben Vorlagen in 62 Pflichtspielen für Djurgårdens IF. Auf der anderen Seite lassen die Beschreibungen der Eintracht-Verantwortlichen erste Schlüsse auf die Qualitätsmerkmale des 1,72-Meter-Mannes zu.

„Mit Keita haben wir jemanden dazugeholt, der auf der linken Seite sowohl in einer Dreier- beziehungsweise Fünferkette als auch in einer Viererkette spielen kann. Er bringt vieles von dem mit, was wir benötigen, um unseren Fußball zu spielen“, sagte Sportvorstand Markus Krösche neulich im Vodcast „Eintracht vom Main“.

Timmo Hardung hob am Tag der Verpflichtung „gerade seine Ballbehandlung und Laufbereitschaft hervor“, also „Themen, die wir für unser Spiel gebrauchen können“.

Eine Frage des Timings

Der Sportdirektor verwies im Gespräch mit EintrachtTV nebenbei noch auf einen anderen Umstand. Weil die Saison in Schweden gemäß dem Kalenderjahr beendet ist, steht Kosugi sozusagen voll im Saft, weshalb Hardung hofft, dass Kosugi „in der Vorbereitung auf unsere zweite Saisonhälfte seine Qualitäten einbringt“.

Von Hiratsuka nach Stockholm

Erlernt und entwickelt hat Kosugi derlei Attribute zunächst bei Shonan Bellmare, ehe er kurz nach seinem 18. Geburtstag im März 2024 aus der Hafenstadt Hiratsuka auf die zu Stockholm gehörige Insel Djurgården wechselte. Dort galt zunächst Samuel Dahl als Platzhirsch auf Kosugis Position.

Ungeduldig wurde der Youngster nicht, lobte seinen Konkurrenten vielmehr in den höchsten Tönen und bekundete: „Ich lerne viel von ihm“. Spätestens als Dahl im Sommer 2024 zur AS Roma wechselte, schlug Kosugis Stunde, ein junger Mann aus Nippon mischte die Fotbollsallsvenskan auf.

Geteiltes Leid gegen Chelsea

Besondere Aufmerksamkeit erzeugten die Schweden, als sie in der vergangenen Spielzeit in der UEFA Conference League bis ins Halbfinale vorstießen und dort dem Chelsea FC unterlagen. Eine kleine Europapokalparallele zwischen Kosugi und seinem neuen Verein.

In jedem Fall spricht der Newcomer von den Duellen mit den Blues als den bisher herausforderndsten seiner Laufbahn und dem damaligen Flügelstürmer Noni Madueke als schwerstem Gegenspieler.

Vorbilder Nagatomo und Uchida

Wenn es um Anschauungsunterricht für die eigene Position geht, hat Frankfurts neue Nummer 26 in der Vergangenheit zwei Landsmänner genannt: „Weil ich Linksverteidiger bin, Yuto Nagatomo, der auf dieser Position in Europa große Erfolge feierte, und Atsuto Uchida, der als Rechtsverteidiger in der Champions League spielte“, begründete Kosugi im Mai 2024 im Interview mit Sportbladet und ergänzte: „Sie sind die Spieler, zu denen ich aufschaue. Ihretwegen wollte ich in Europa spielen.“

Beispiele in Frankfurt

Dass die Eintracht-Japan-Historie ebenso ihren Reiz hat, bestätigt Kosugi: „Ritsu Doan spielt bereits für die Eintracht. Dazu Makoto Hasebe, Junichi Inamoto oder Daichi Kamada.“

Einfluss für Japan

Für Japan hat Kosugi selbst auch Einfluss genommen, wenn auch noch nicht auf höchster Ebene – eine Frage des Alters. Im November 2023 zog er mit Japans U17 ins Achtelfinale der Juniorenweltmeisterschaft ein, im Juni desselben Jahres gewannen die Samurai Blue durch ein 3:0 im Finale gegen Südkorea den AFC Asian Cup der B-Junioren. Kosugi war Kapitän. 2024 folgte die Berufung in die U20, im vergangenen Herbst die Beförderung zur U23. Als größten Förderer in jener Zeit nennt Kosugi den U17-Nationaltrainer Yoshiro Moriyama.

Vorfreude im Herzen von Europa

Der neue Coach freut sich gleichermaßen auf Kosugi. Das letzte Pflichtspiel 2025 in Hamburg war gefühlt gerade erst beendet, da durfte Dino Toppmöller die erste Frage nach der zweiten Verpflichtung aus Schweden im Januar nach Love Arrhov beantworten:

„Ein Spieler, der auf der linken Außenverteidigerposition oder auch auf der linken Schiene spielen kann. Er ist ein sehr junger Kerl, der sicher auch ein bisschen Zeit brauchen wird, um sich zu adaptieren an das andere Niveau. Keita ist sehr fleißig, hat eine sehr gute und sehr saubere Technik, viel Offensivdrang, ist gut im Eins-gegen-eins-Verteidigen. Wir freuen uns auf einen Spieler mit toller Disziplin, toller Arbeitsmoral, der dazulernen will und der unbedingt den Weg nach Frankfurt einschlagen wollte.“

In diesem Sinne: Konnichiwa, Keita Kosugi!