Nach dem 4:0 beim 1. FC Magdeburg nun also 2:0 beim SV Stuttgarter Kickers. Zwei Pokalrunden, zwei Siege, kein Gegentor. Letztmals gelang dies Eintracht Frankfurt 2017/18, der Saison des Titelgewinns. Daraus eine Prognose abzuleiten, wäre freilich zu gewagt. Und dennoch ist die erneute Null auf der Gegenseite als Zweck nicht zu unterschätzen. Auch weil sie letztlich die Mittel heiligt.
Geschichte des Spiels: Smolcic liefert
Es war wohl eine der kuriosesten Konstellationen in der Frankfurter Vereinsgeschichte, als Hrvoje Smolcic wegen Altlasten aus seiner Zeit in Rijeka sowohl das erste Pokal- als auch erste Bundesligaspiel gesperrt verpasste. Es folgten bis Dienstag drei Einwechslungen und danach immer Zuspruch für rettende Aktionen in der Schlussphase.
Auf der Waldau durfte der Kroate nun erstmals in einem Pflichtspiel von Beginn an zeigen. Und enttäuschte nicht. Der Innenverteidiger führte die meisten Zweikämpfe (zwölf), die meisten in der Luft (acht) und gewann von letzteren ebenso die meisten (drei). Über seine Kernkompetenzen hinaus war der 22-Jährige sogleich als Torschütze zur Stelle, als er in der 17. Minute den Eckball von Mario Götze zum 2:0-Endstand einköpfte.
„Es freut mich sehr für Hrvoje, dass er getroffen hat. Das Tor gibt ihm Selbstvertrauen. Er ist ein feiner Kerl, der gut trainiert und sich nicht beschwert, wenn er auf der Bank sitzt“, lobte hinterher Sebastian Rode, ebenfalls neu in der Startelf. „Er hat es sehr ordentlich gemacht. Das Tor war die Krönung und überrascht mich nicht, denn er ist einer unserer besten Kopfballspieler. Wir werden ihn brauchen“, schloss sich Oliver Glasner nicht zuletzt mit Blick auf den Ausfall von Makoto Hasebe und die Gelb-Rot-Sperre von Tuta im nächsten Champions-League-Spiel gegen Olympique de Marseille den Worten seines Kapitäns an.
Zahl des Spiels: 0:5
Weil die Mannschaft früh die Weichen aufs Weiterkommen stellte, ließ Cheftrainer Glasner auch Nachsicht walten, dass seine Mannen nach dem Seitenwechsel einen Gang zurückschalteten, ohne dabei die Kontrolle abzugeben. „Keine Chance des Gegners“ habe der Fußballlehrer gesehen. Tatsächlich weisen die Statistiker schließlich 0:5 Großchancen aus. 4:9 Schüsse und davon 1:4 aufs Tor tun ihr Übriges zur Basisarbeit, die sich die Adler vor der Pause auch mit 61 Prozent gewonnenen Zweikämpfen verdient hatten.
Sinnbildlich für den so gesehen erfreulich ereignisarmen zweiten Abschnitt folgender Fakt. Obwohl die Gäste nach dem Seitenwechsel doppelt so viel Ballbesitz verbuchten als Stuttgart, halten sich die Pässe im letzten Drittel fast die Waage: 52 zu 53. Die Muse der Adler schlug sozusagen den Mut der Kickers. Beispielhaft Smolcics Landsmann Kristijan Jakic, der erneut als Abwehrchef sowohl die meisten Zweikämpfe gewann (sieben) als auch die meisten Ballaktionen (103), Pässe (89) sowie erfolgreichen Zuspiele (73) verzeichnete.
Das schreiben die Medien
- Bild: „Diesmal gab es keinen Frankfurter Vollgas-Fußball, Eintracht gewinnt im zweiten Gang.“
- Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Das zähe Zweitrundenduell beim Fünftligaverein gewannen die Frankfurter am Dienstagabend ohne zu glänzen 2:0 und zogen ihre Pflicht erfüllend in das Achtelfinale des DFB-Pokals ein.“
- Frankfurter Rundschau: „Ohne sich gegen den Fünftligisten mit Ruhm zu bekleckern, hat es Eintracht Frankfurt geschafft, im DFB-Pokal zu überwintern. Alles andere wäre auch eine große Peinlichkeit gewesen.“
Das sagt das Netz
- „Legende Stepi ❤ bei Sky: ‚Kolo Muani ist so schnell, Ball ist zu langsam für ihn‘😂 Einfach herrlich“ (@samuel_mller)
- „‘Kevin Trapp, gestern noch in Paris, heute auf der Waldau.‘ Jeder Groundhopper kennt das.“ (@sonjariegel)
- „Aufgabe gemeistert, Achtelfinale. Auf Smolcic kann man setzen. Passt.“ (@Kosticinho10)
- „‘Wir werden den Abend genießen und morgen früh ist wieder Schule angesagt‘ Mustafa Ünal, Trainer Stuttgarter Kickers“ (@SuperSebb)
Ausblick: Angezählte Borussia, Auslosung in Dortmund
Selbst wenn Rode dem Kontrahenten respektvoll „gehobenes Regionalliganiveau“ attestierte, steht nach den übrigen Ergebnissen am Dienstagabend fest, dass es Frankfurt im Achtelfinale mindestens mit einem Zweitligisten zu tun bekommen wird; alle noch verbliebenen unterklassigeren Vereine haben sich am Dienstag aus dem Wettbewerb verabschiedet. Ehe die Blicke am Sonntagabend nach Dortmund, Ort der Auslosung, wandern, steht die nächste Auswärtsaufgabe ins Haus. Am Samstag, 18.30 Uhr, gastiert der Bundesligafünfte bei der Borussia aus Mönchengladbach, die bei der 1:2-Niederlage in Darmstadt selbst das beste Warnbeispiel für die Fallstricke im Pokal abgeliefert hat. Was das Unterfangen erfahrungsgemäß nicht gerade erleichtern wird.