08.06.2021
Historie

Für die Ewigkeit

Heute vor 30 Jahren läuft Eintracht-Legende Karl-Heinz Körbel zum 602. und letzten Mal für seine SGE in der Bundesliga auf. Ein Rekord, der so schnell nicht gebrochen wird.

Gelbe Karte mit Folgen: Karl-Heinz Körbel am 8. Juni 1991 auf St. Pauli bei seinem letzten Bundesligaspiel.

Vorletzter Spieltag der Saison 1990/91. Die Eintracht ist auf dem Weg in den UEFA-Cup, beim abstiegsgefährdeten FC St. Pauli soll der dritte Sieg in Folge eingetütet werden. Karl-Heinz Körbel hat sein Karriereende bereits verkündet, zum 602. Mal läuft er am Millerntor als Adlerträger in der Bundesliga auf. Im Waldstadion, am letzten Spieltag gegen den VfB Stuttgart eine Woche später, soll er verabschiedet werden. Und natürlich selbst auf dem Rasen stehen, beim Kampf um den Einzug in das internationale Geschäft gegen einen direkten Konkurrenten. Doch zu einem Einsatz von Körbel gegen Daums VfB wird es nicht kommen.

"Das war mindestens Gelb"

Jahre später, bei einer Fernsehsendung mit Gästen wie Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus, schaut sich Karl-Heinz Körbel die entscheidende Szene vom 8. Juni 1991 noch einmal an. Auch der damalige Schiedsrichter Michael Prengel aus Düsseldorf ist dabei. „Ja, das war mindestens eine Gelbe Karte“, gibt Körbel heute zu – und das haben damals auch der Kaiser und Co. so gesehen. Es kommt zur Versöhnung mit Prengel. Denn es war eine Gelbe Karte mit Folgen, die der Referee dem damals 36-Jährigen auf St. Pauli zeigt. Es ist die vierte Verwarnung der Saison für Körbel, und damit ist er für das nächste Spiel gesperrt. Und ein übernächstes sollte es zumindest für Körbel nicht mehr geben.

Knapp 19 Jahre zuvor: Karl-Heinz Körbel debütiert 1972 und darf sich direkt mit dem besten deutschen Stürmer Gerd Müller messen.

„Ja, diese Karte hätte nicht sein müssen“, schmunzelt Karl-Heinz Körbel heute über die Szene, die ihm den 603. Einsatz in der höchsten deutschen Spielklasse vermasselte. Dennoch: 602 Bundesligaspiele – diese Zahl ist bis heute unerreicht und wird vielleicht sogar nie mehr geknackt. Der 35-jährige Manuel Neuer mit 438 Partien ist unter den aktuell aktiven Spielern der ärgste Verfolger, relativ zum Alter hat Thomas Müller (383/31 Jahre) die besten Aussichten. Der Münchner Nationalspieler müsste aber noch mindestens sechseinhalb Saisons spielen, um die Marke von Körbel zu erreichen.

Dieser Vergleich zeigt, dass 602 Einsätze eine außergewöhnliche Leistung darstellen. Noch einmal verdeutlicht: Körbel hat in 18 vollen Spielzeiten im Schnitt über 32 Partien, dazu in seiner Premierensaison ab Oktober 18 Partien bestritten und hat nie mehr als fünf Spiele in Folge verpasst. Seine mit Abstand schwerste Verletzung – ein Schien- und Wadenbeinbruch – zog er sich 1984 gegen Saisonende zu, seine Pause fiel somit weitgehend in die spielfreie Zeit. „Doc Degenhardt bin ich sehr dankbar, wie schnell er mich wieder hinbekommen hat“, sagt Körbel, der vier Monate später wieder auflief und seine Karriere in der Bundesliga fortsetzen konnte. Das war sportlich gesehen nicht selbstverständlich, denn ohne Körbel hatte die Eintracht die Relegation gegen Duisburg überstehen müssen.

„Ich bin froh, allen Angeboten aus der damaligen Zeit widerstanden zu haben“

Karl-Heinz Körbel

Weiterhin bemerkenswert: Alle Profispiele seiner Karriere hat Karl-Heinz Körbel für Eintracht Frankfurt in Angriff genommen und damit auch die titelreiche Zeit in den 70er- und 80er-Jahren geprägt. „Ich bin froh, allen Angeboten aus der damaligen Zeit widerstanden zu haben“ – und da gab es einige. Für Körbel war und ist (Vereins-) Treue ein wesentlicher Wert. Nach seinem Aus als Trainer vor einem Vierteljahrhundert flachte die Beziehung zur Eintracht zwar einige Jahre ab, doch er kehrte zurück, gründete die Fußballschule, brachte die Traditionsmannschaft auf ein neues Niveau, beriet den Vorstand und ist heute auch als Markenbotschafter und lebendes Vereinsarchiv nicht mehr wegzudenken. „Die Eintracht war und ist meine zweite Familie“, sagt Körbel. Seine erste hat er erfolgreich gegründet, mit Frau Margarethe und Tochter Carla.

Apropos Traditionsmannschaft. Hier muss sich Körbel bei der Anzahl der Einsätze hinter Cezary Tobollik, Norbert Nachtweih, Uwe Müller und Slobodan Komljenovic auf Rang vier einreihen, mit deutlichem Rückstand auf Tobollik (235:160 Spiele). „Die vier werden wir wohl demnächst vereinsintern sperren“, lacht Körbel. Rekordspieler der „Tradi“ wird Körbel also wohl nicht mehr werden. Er wird es verschmerzen können. Denn eine Karriere mit über 50.000 Bundesliga-, jeweils rund 5000 DFB-Pokal- und International-Minuten sowie fünf Titeln – allesamt für und mit Eintracht Frankfurt – wird so schnell kein Adlerträger mehr hinlegen. Da fällt kaum ins Gewicht, dass ihm durch ein kleines Malheur am 8. Juni 1991 bis zu 90 Bundesliga-Minuten fehlen.

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