17.01.2026
Bundesliga

Gegenwind

Stimmen, Stimmungen und Statistiken zum Rückrundenstart der Eintracht in Bremen.

Und erneut öffnen sich die Schleusen, der Start in die Rückrunde 2025/26 war wieder Werbung für den deutschen Fußball, was drei wechselnde Führungen und den Endstand in der Nachspielzeit angeht; aber in weit weniger Teilen Werbung in eigener Sache. Wie so oft, wenn’s wild wird, freuen sich besonders neutrale Zuschauer, was selten im Sinne der unmittelbar Beteiligten ist. Aktuell bei Eintracht Frankfurt eher gar nicht statt selten. Selbst als Nutznießer des Video Assistant Referee sprachen alle – Vorstand, Trainer, Spieler – unisono von „zwei verlorenen Punkten“ und ließen ihrer Unzufriedenheit über das 3:3 gegen das selbst seit sieben Spielen sieglose Werder Bremen freien Lauf.

Das 500. Unentschieden in der Bundesligageschichte der SGE war kein Jubiläum zum Feiern. Klar, es gab diese Lichtblicke, vor allem offensiver Natur. Farès Chaibi hat seinen Vorlagenwert von sieben aus der gesamten Vorsaison erreicht, die Joker Ayoube Amaimouni-Echghouyab und Ansgar Knauff bereiteten den Weg zum Remis, und dann noch Arnaud Kalimuendo. Dieser ersten von zwei Führungen nach 51 Sekunden stehen wiederum 128 Sekunden gegenüber, in denen die Hessen das 2:2 und 2:3 zuließen. Es schien irgendwie sinnbildlich, sich das selbst Erarbeitete in kurzen Adleraugenblicken wieder selbst einzureißen, wenn die Impuls- und Passgeber vor dem 1:0 durch zu frühes Anlaufen Anteile an zwei Gegentreffern haben.

Wenn die drei hintersten Verteidiger, Nnamdi Collins, Robin Koch, Arthur Theate, jeweils 21 Sprints anziehen und damit die meisten im Team, kann auch, wer das Flutlichtspiel im Weserstadion nicht verfolgt hat, interpretieren, dass da unverhältnismäßig viele nicht vorab unterbundene Steilpässe abzulaufen waren.

Mit Ausnahme natürlich von Collins‘ gelungenem Pressing inklusive beherztem Vorstoß und Schienbeintor zum 2:1 aus Sicht der Hessen. Es war zu diesem Zeitpunkt der zweite Eintracht-Schuss auf den Werder-Kasten, nach 90 Minuten waren es vier. Daraus drei Buden zu zaubern, spricht auf der einen Seite für höchste Effizienz. Auf der anderen Seite auch für wenig Zug nach vorne. Ob jetzt das oder die rekordmäßigen 39 Gegentore nach 18 Spieltagen – das gab es einzig 1984/85 – das Offensivspiel hängt nicht ausschließlich an der Offensive und das Defensivverhalten nicht hauptverantwortlich bei der Defensive. Oder wie der kicker schreibt: „Die SGE verteidigt nicht im Verbund.“

Das Fußballmagazin weiter: „Frankfurt bekommt seine defensiven Probleme einfach nicht in den Griff.“ Derweil konstatiert die hessenschau nach einem Sieg in den vergangenen neun Pflichtspielen: „Obwohl Eintracht Frankfurt tief in der Nachspielzeit bei Werder Bremen noch einen Punkt gerettet hat, herrscht bei den Hessen Krisenmodus.“

Einmal durch die sozialen Netzwerke gescrollt, ist zwischen Galgenhumor und Endzeitstimmung alles zu finden:

  • @Stendsac: „Stell dir vor, du schießt in drei Spielen in 2026 acht Tore und gehst mit zwei Punkten raus.“
  • @bumbesje: „Alles wie immer bei der Diva vom Main.“
  • @Vorwahl069: „‚Bis zur zweiten Spielminute lief das Spiel perfekt für die Eintracht. ‘ Das ist meine Diva. Willkommen zurück, ich habe Dich nicht vermisst“

Ob Optimisten, Realisten oder Pessimisten, die Wahrheit liegt bekanntlich in der Mitte und vor allem auf dem Platz. Eben die Frage der Balance. Nur die fehlt nachweislich zuletzt häufiger. Konnte nach dem Saisonstart, einem 4:1 gegen Werder Bremen, noch von Rückenwind die Rede sein, ist der Gegenwind nun stärker geworden.