26.02.2023
Bundesliga

Gewinner und Verluste

Statistische Belege von Frankfurts zwei Gesichtern, Sow mit Rekord und Sperre sowie Smolcics Startelfbestätigung. Die Themen nach dem 1:2 in Leipzig.

In Oliver Glasner brodelt es. Das hat der Cheftrainer von Eintracht Frankfurt am frühen Samstagabend auf der Pressekonferenz in Leipzig selbst kundgetan. Weniger aus Ärger als vielmehr aus Ehrgeiz. „Wir haben in dieser Woche den Spiegel vorgehalten bekommen“, schilderte der Fußballlehrer seine Erkenntnisse nach den ersten zwei Niederlagen am Stück seit Mitte Oktober; dem 0:2 gegen die SSC Napoli folgte am 22. Spieltag das 1:2 in Sachsen.

Ärmel hochkrempeln und alles dafür tun, dass wir es schaffen, über 90 Minuten unsere besten Spiele abzurufen und diese dann auch zu gewinnen.

Cheftrainer Oliver Glasner

„Gegen zwei Mannschaften, die es gewohnt sind, über Jahre unter den besten 16 der Champions League zu sein, müssen wir über 90 Minuten für unsere Verhältnisse eine absolute Topleistung abliefern“, so Glasner. Und weil dies derzeit zwar „über Phasen“, aber „nicht konstant“ gelinge, „heißt es: Ärmel hochkrempeln und alles dafür tun, dass wir es schaffen, über 90 Minuten unsere besten Spiele abzurufen und diese dann auch zu gewinnen.“

Markus Krösche pflichtete dem Österreicher in dessen Ansichten bei. „Gegen einen direkten Konkurrenten zu verlieren, ist natürlich ärgerlich. Aber aufgrund der zweiten Halbzeit sieht man die Qualität, die in der Mannschaft steckt. Darauf bauen wir auf.“

Geschichte des Spiels: Erstmals ohne Götze und Ndicka

Tatsächlich stimmten gegen den amtierenden DFB-Pokalsieger nach dem 0:2-Rückstand und Seitenwechsel nicht nur die Moral, sondern auch die Leistungswerte. Vier zu zwei Schüsse auf das Tor, 77,1 zu 76,9 Prozent Passquote, davon 70 zu 66,9 Prozent in der gegnerischen Hälfte oder sechs zu drei Balleroberungen im vorderen Drittel sprechen dafür, dass die Hessen nach der lethargischen Anfangsphase zu altbekanntem Mumm zurückgefunden hatten. Dass die gewonnenen Luftduelle nach der Pause von 71,4 auf 37,5 Prozent schwanden, wäre genau damit erklärt, dass sich mit zunehmender Spieldauer mehr Aktionen im gegnerischen Strafraum abspielten – und die Leipziger Abwehrhünen im Defensivzweikampf oft genug die Oberhand behielten.

Letzteres galt umgekehrt auch für Hrvoje Smolcic, der für Evan Ndicka als linker Innenverteidiger begann, welcher wie der leicht angeschlagene Mario Götze erstmals in dieser Bundesligasaison nicht in der Startelf stand. Der Kroate hat es in den Augen von Krösche „sehr, sehr gut gemacht, war im Spielaufbau passsicher und in den Zweikämpfen stabil“. Coach Glasner sah es ähnlich: „Smolle war einfach dran. Er hat es immer gut gemacht, wenn er gespielt hat. Ballsicherheit im Spielaufbau und Standards waren ein Thema. Dass er ein Mal per Kopf da war, ist kein Zufall.“

Tatsächlich entschied der 22-Jährige die meisten Luftzweikämpfe seines Teams fürs sich: vier von fünf. Auch vier abgefangene Bälle und drei klärende Aktionen sind top bei den Gästen.

Zahl des Spiels: 3 + 5 für die 8

Schwungräder in der Mittelfeldzentrale: Frankfurts Djibril Sow und Leipzigs Konrad Laimer.

Für Bestwerte sorgte auch Djibril Sow; und nicht nur wegen seines Treffers zum Endstand. 18 Pässe im letzten Drittel suchen im Lager der Hessen ihresgleichen. Genau wie aber auch drei Fouls, von denen der Armeinsatz gegen Ex-Kollege André Silva in der 76. Minute Gelb zur Folge hatte. Zum fünften Mal in dieser Spielzeit, weshalb der Schweizer als erster Adlerträger in der Liga eine Gelbsperre absitzen muss.

Dafür stellte die Nummer acht mit seinem dritten Saisontor einen neuen persönlichen Rekord auf. Genauso viele Buden waren dem 26-Jährigen in seinen 89 Bundesligabegegnungen zuvor gelungen.

Das schreiben die Medien

  • Süddeutsche Zeitung: „Deutlich schneller erzählt ist der Verlauf aus Frankfurter Sicht, die diese erste Halbzeit weitgehend saft- und kraftlos eher abwarteten als zu gestalten. In der Pause setzte Schnee ein und nach dem Snow kam Sow.“
  • WELT: „Nach dem Wechsel wachten die Gäste auf.“
  • Wiesbadener Kurier: „Der Unterschied zur ersten Halbzeit war wie Tag und Nacht.“

Das sagt das Netz

  • „Liebs ja, dass man, unabhängig vom Spielstand, über die gesamte Spielzeit (fast) ausschließlich die #SGE-Fankurve hört! 🖤🤍🦅❤️“ (@SGE_Melli)
  • „Das war einfach legit kein Foul von Sow und er sieht dafür gelb. Weil er höher springt. Und Spiel ist wieder 2 Minuten unterbrochen.“ (@SuperSebb)
  • „Das Thema Konstanz ist sehr wichtig, auch der Faktor Umgang mit Rückschlägen. Positiv, dass Trainer Oliver Glasner keine Ausreden nach #RBLSGE sucht. Jetzt ist eine ganze Trainingswoche Zeit vor dem Duell in Wolfsburg.“ (@CMoffiziell)

Ausblick: Zwei Tage frei, Doppelschicht am Mittwoch

Sows Partner auf der Doppelsechs Sebastian Rode fand es „für den Moment ärgerlich, Leipzig auf vier Punkte wegziehen zu lassen“. Gleichzeitig betonte der Kapitän: „Für uns gilt es, weiter nach vorne zu blicken und unsere Punkte gegen Wolfsburg und Stuttgart zu holen.“ Auch Krösche beschrieb den Spielausgang als „ärgerlich“, zeigte aber ebenso auf, dass „noch so viele Spiele“ zu gehen seien.

Glasner hat seine Bestimmung ohnehin gefunden. „Wir müssen versuchen, die Jungs dahin zu bekommen, dass sie konstant am obersten Level agieren können. Das ist unsere Verantwortung. Dahingehend wird die Analyse und die Trainingswoche ausfallen.“

Nach zwei freien Tagen wird der Tabellensechste am Mittwoch mit einer Doppelschicht die Vorbereitung auf die Auswärtsaufgabe beim VfL Wolfsburg aufnehmen. Am Sonntag, 17.30 Uhr, kommt es zum nächsten Verfolgerduell, diesmal ist die Eintracht die Gejagte.