02.04.2020
Interview

„Hoffe, dass wir uns schnell wiedersehen“

Daichi Kamada vermisst seine Kollegen gleichermaßen wie die Fans, weiß dafür die Zeit mit der Familie zu schätzen und bleibt trotz beendeter Quarantäne möglichst zuhause.

Daichi Kamada über...

...seine Tätigkeiten während und nach der Quarantäne: Die Familie macht viel aus. Meine Frau und mein Sohn sind bei mir. Wir leben zu dritt hier in Frankfurt. Wenn man alleine ist, ist das auch psychisch belastend. In dieser Saison waren wir viel auf Reisen und es war nicht immer Zeit für die Familie da, umso mehr genieße ich die Zeit mit meiner Frau und meinem Kind. Ich schlafe jeden Tag zwölf Stunden, mache Sprachunterricht und spiele im Haus Fußball. Meine Frau kocht japanisches Essen. Und ab und zu übernehme ich auch das Kochen. An unserem Trainingsablauf hat sich erstmal nicht viel geändert. Wir haben unseren Trainingsplan vom Verein, der die Arbeit auf dem Ergometer sowie Kraft- und Stabilisationsübungen beinhaltet. Außerdem spiele ich viel mit meinem Sohn, sehe mir Videos auf YouTube an oder lese Mangas. Auch nach Ende der Quarantäne versuche ich nicht, aus dem Haus zu gehen, wenn es nicht dringend notwendig ist. Es hat sich für mich persönlich nichts groß verändert....den Austausch mit den Kollegen: Wir haben eine Mannschaftsgruppe, in der wir alle täglich im Austausch sind. Ich verständige mich auf Englisch, und, sofern ich es verstehe, versuche ich auch auf Deutsch zu reden. Ich lerne natürlich weiterhin fleißig Deutsch und habe die vergangenen Tage auch dazu genutzt. Ich frage Makoto zum Beispiel, wenn ich etwas von den Nachrichten nicht verstehe. Wir stehen natürlich in Kontakt, so wie zu unseren anderen Mitspielern auch. Er ist nicht nur ein wundervoller Spieler, sondern auch ein wundervoller Mensch, für mich und meine Familie ganz besonders natürlich. Auch ohne meine Einschätzung wissen alle Deutschen, wie toll er ist. Darüber hinaus kommen unsere serbischen Kollegen immer auf mich zu. Ob Gacinovic, Kostic oder Joveljic vor seiner Leihe, sie sind meine Hauptansprechpartner....die Situation in Japan: Ich spreche oft mit meiner Familie in Japan, daher bin ich auch auf dem Laufenden, was die Lage dort angeht. Die Japaner wirken nicht so besorgt. Das erinnert mich an die Anfänge der Coronakrise in Europa. Deshalb sage ich meiner Familie immer, dass sie nur aus dem Haus gehen sollen, wenn es unbedingt notwendig ist....die Verschiebung der Olympischen Spiele: Ich denke, der Beschluss zur Verschiebung der Olympischen Spiele war die richtige Entscheidung, auch wenn es für die japanische Bevölkerung sowie alle teilnehmenden Athleten eine traurige Sache ist....Sehnsüchte: Ich freue ich mich schon sehr auf den Moment, irgendwann wieder vor unserem Publikum spielen zu dürfen. Die Eintracht-Fans sind sehr leidenschaftlich und etwas Besonderes. Ich mag sie gern. Ich hoffe einfach, dass wir Spieler uns alle ganz schnell wiedersehen und unserer gemeinsamen Leidenschaft auf dem grünen Rasen nachgehen können. ...seine persönliche Entwicklung: Ich erlebe es auch zum ersten Mal in meiner Profikarriere, dass so viele Spiele stattgefunden haben. Dadurch konnte ich mich körperlich entwickeln. Aber ich glaube, dass das noch um einiges besser werden kann. Für mich ist es noch zu früh, sagen zu können, dass ich im europäischen Fußball angekommen bin. Aber ich denke, ich bin auf einem guten Weg....seine Pläne: Im Moment denke ich nicht groß über die Zeit nach dem Sommer beziehungsweise der Saison nach. Ich habe auch noch Vertrag [bis 2021; Anm. d. Red.] und konzentriere mich immer nur auf das nächste Spiel. Derzeit ist es auch nicht so, dass ich die Ruhe habe, großartig über meine weitere Zukunft nachzudenken. Aktuell mache ich mir eher etwas Sorgen wegen meiner Fitness. Man kann so viel trainieren wie man möchte, aber mit normalem Lauftraining und ohne richtige Spielpraxis fehlt einem schon die Match-Ausdauer....die Zeit nach Corona: Ich glaube schon, dass hierdurch das Innerste der Menschen mehr nach außen kommt. Zum Beispiel habe ich gehört, dass Asiaten jetzt manchmal etwas diskriminiert werden. Solch eine Entwicklung ist natürlich schade. Ich appelliere an das Positive im Menschen, dass alle zusammenhalten.