29.05.2026
Historie

„Ich dachte, ich wäre näher dran“

Caio spricht an seinem 40. Geburtstag über sein 33-Meter-Tor 2010, sein Verhältnis zu Michael Skibbe, seine Erinnerungen an Frankfurt und die Möglichkeit, den eigenen Sohn im Adlerdress zu sehen.

Feliz aniversário, Caio! Wie und wo verbringst Du Deinen 40sten?
Vielen Dank, dass ihr an mich gedacht habt! Ich werde mit meiner Familie und Freunden aus Kindestagen feiern!

Was ist Dir in vier Jahren Eintracht Frankfurt besonders in Erinnerung geblieben?
Ich erinnere mich vor allem an die Zuneigung, die mir die Fans entgegengebracht haben. Es war unglaublich, wie gut sie mich behandelt haben!

Wie wichtig war Dir, vor deinem Abgang den Wiederaufstieg zu packen?
Das war sehr wichtig. Wir mussten unbedingt in die Bundesliga zurückkehren – an den Ort, den wir nie hätten verlassen dürfen. Auch wenn ich in jenem Jahr nicht so viel gespielt habe, war das Gefühl, mit der Mannschaft in die Bundesliga zurückzukehren, einfach riesig.

Im April 2010 gelang dir gegen Leverkusen ein Treffer aus 33 Metern, die Bild titelte „UFO-Tor“. Deine Gedanken zum Kunstschuss damals?
Ich glaube, das war das schönste Tor meiner Karriere. Ich hatte kurz vorher erfahren, dass ich Vater werde, auch deshalb bedeutete mir dieses Tor sehr viel. Eine kleine Anekdote am Rande: Ich dachte, ich wäre näher dran, deshalb habe ich geschossen (lacht).

Ein Tor erzieltest Du auch mal im Pokal gegen Alemannia Aachen. Direkt in der ersten Minute. Am Ende stand ein 6:4. Das verrückteste Spiel Deiner Laufbahn?
Das Spiel war ziemlich verrückt. Ich erinnere mich, dass ich das Tor mit links geschossen habe. Ich dachte sogar, es würde ein ruhigeres Spiel für uns werden, aber es wurde immer schwieriger, doch wir haben den Sieg geholt.

Du hast neben Brasilien und Deutschland unter anderem auch in Israel gespielt. Was hat Dich daran gereizt?
Zum einen Israel und außerdem in der Schweiz, richtig. Gereizt hat mich an beiden Ligen, einfach nochmal neue Erfahrungen zu sammeln.

Die allermeisten Einsätze hattest Du in Frankfurt und Zürich unter Michael Skibbe. Wie würdest Du euer Verhältnis beschreiben?
Michael Skibbe schätze ich sehr! Er hat mir immer vertraut und ich bin sehr dankbar für die Jahre, in denen wir zusammengearbeitet haben. Er ist nicht nur ein hervorragender Trainer, sondern auch ein großartiger Mensch. An dieser Stelle herzlichste Grüße an ihn!

In der Schweiz bist Du endlich verletzungsfrei geblieben. Was war der Schlüssel?
Das Geheimnis ist, dass ich besser auf mich geachtet habe. Da ich bereits mehr Erfahrung hatte, fiel es mir leichter, auf meinen Körper zu hören und zu achten.

Wer weiß, vielleicht spielt mein Sohn eines Tages in diesem Stadion und ich kann dabei sein – das wäre unglaublich.

Caio

Hast Du noch Kontakt nach Frankfurt?
Vor allem durch die Sozialen Medien habe ich noch Kontakt, überwiegend über Instagram.

Wann sehen wir Dich das nächste Mal im Stadion?
Mein letztes Spiel, als ich im Stadion war, war tatsächlich auch mein letztes als Adlerträger. Wer weiß, vielleicht spielt mein Sohn eines Tages in diesem Stadion und ich kann dabei sein – das wäre unglaublich. Mein Sohn Cahel ist in Frankfurt geboren und spielt ebenfalls Fußball, aktuell in der Jugendmannschaft von Botafogo.

Wer ist in Deinen Augen WM-Favorit, was traust Du Deutschland und Brasilien zu?
Favorit ist in meinen Augen Frankreich, aber als Brasilianer hoffe ich natürlich, dass wir den Titel holen. Ich glaube, dass auch Deutschland in der Lage ist, ein tolles Turnier zu spielen.

Hast Du konkrete Pläne für die Zukunft?
In erster Linie fortführen, was ich angestoßen habe und ich derzeit mit Herzblut tue: eine Fußballschule für Kinder zwischen vier und 15 Jahren.