19.11.2020
Historie

„Im Ballsack waren flaue Bälle“

Ex-Adlerträger Ingo Hertzsch beendete seine Spielerkarriere in Leipzig und arbeitet seither beim nächsten Eintracht-Gegner. Das Interview.

Ingo, du bist 2004 in der Winterpause zur Eintracht gekommen. Wie sind deine Erinnerungen an die SGE?
Bis auf den Abstieg durchweg positiv. Es war ein kurzes, aber sehr intensives halbes Jahr. Die Eintracht ist ein toller Verein mit großartigen Fans. Wir hatten damals eine Mannschaft, die den Abstieg nicht verdient hatte.

Gleich im zweiten Spiel hast du gegen Leverkusen getroffen, immerhin eines von „nur“ zwei Toren in deiner Bundesliga-Karriere und das gegen den Klub, von dem du gerade nach Frankfurt verliehen warst. 
Das war natürlich der Hammer, das kann ich nicht anders sagen. Solche Geschichten schreibt wirklich nur der Fußball (lacht).

Über Kaiserslautern und den Zweitligisten Augsburg bist du 2009 nach Leipzig gekommen. Wie kam es zu deinem Wechsel in die Oberliga?
Ich hatte die Gelegenheit, etwas völlig anderes zu machen. Ich konnte bei einem Verein direkt nach dessen Gründung mithelfen, um mittelfristig einen neuen Bundesligaleuchtturm im Osten zu etablieren. Deshalb war ich mir auch nicht zu schade, in die 5. Liga zu wechseln. 

Erzähle uns von deiner Zeit als Spieler dort, den Rahmenbedingungen damals im Vergleich zu heute und der überlegenen Oberliga-Meisterschaft.
Im Vergleich zu heute hatten die Rahmenbedingungen damals wirklich wenig mit Profifußball zu tun. Auch wenn das Gelände, wo wir trainiert und gespielt haben, für einen Oberliga-Verein in Ordnung war. Im Ballsack waren flaue Bälle von allen möglichen Herstellern, die Trainingskleidung war von den Größen her wohl eher für U17- oder U19-Spieler gedacht. Wenn man also morgens etwas später kam, dann waren die großen Größen bereits weg und die Kleidung saß schon mal etwas enger (schmunzelt). Unsere Mannschaft war zudem ein Mix aus sechs oder sieben Profis und eben Amateurspielern. Wir habe eine ganze Weile gebraucht, um uns zu finden und am Ende mit 22 Punkten Vorsprung Meister zu werden. Heute kann ich über die Umstände schmunzeln, zumal im Vorhinein klar war, dass nicht alles sofort funktionieren würde.

Wie ging es für dich beruflich nach dem Karriereende weiter?
Ich bekam vom Verein direkt die Möglichkeit, nach meiner Profikarriere einen neuen Weg einzuschlagen. Jetzt bin ich schon bald zehn Jahre in meiner „zweiten Karriere“ tätig.

Was machst du heute bei Leipzig?
Heute bin ich für unser soziales Engagement und unsere Fußballschule verantwortlich. Der Job macht mir eine Menge Spaß!

Wie hast du die Eintracht in den vergangenen Jahren wahrgenommen? Hast du noch Kontakte hierher?
Die Eintracht hat sich in den letzten Jahren sportlich stabilisiert und tolle Europapokalspiele abgeliefert. Dabei hatte sie vor allem ein gutes Händchen bei der Trainerauswahl. Kontakt habe ich noch zu Christoph Preuß und Franco Lionti.

Wie beurteilst du die sportliche Ausgangslage für Samstag?
Die Eintracht muss gewinnen, um nicht den Anschluss nach oben zu verlieren. Wir hingegen wollen die drei Punkte mitnehmen, um unsere gute Ausgangsposition zu halten. Diese Konstellation verspricht ein sehr intensives und heißes Spiel.

Abgefälschter Kopfball ins Glück: Ingo Hertzsch trifft 2004 zur 1:0-Führung in Leverkusen.
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