03.05.2022
Bundesliga

Im Schatten des Halbfinals

Die anstehende Partie gegen West Ham beeinflusst das Montagsspiel der Eintracht gegen Leverkusen maßgeblich. Einige Erkenntnisse sind dennoch zu finden – positiv wie negativ.

Einordnung des Spiels: Defensiv kompakt trotz fehlender Abläufe

Dass die Bundesligapartie bei Bayer 04 Leverkusen in Anbetracht des Halbfinalrückspiels in der UEFA Europa League gegen West Ham am Donnerstag vor allem unter dem Zeichen der Belastungssteuerung vieler Eintracht-Akteure stehen würde, machte Cheftrainer Oliver Glasner schon auf der Pressekonferenz deutlich: „Ich muss nicht um den heißen Brei reden, dass West Ham für uns oberste Priorität hat.“

Entsprechend sah auch die Startformation aus, die so in dieser Saison noch nicht zusammen auf dem Platz gestanden hatte. Sah man dies vor allem in den offensiven Abläufen, die fast schon logischerweise nicht eingespielt waren, überzeugten die Adlerträger über weite Teile der Partie auf der anderen Seite des Feldes. Gegen die drittbeste Offensive der Bundesliga ließ die Hintermannschaft um Makoto Hasebe, der Sebastian Rode als Kapitän vertrat, wenig zu. Beim 1:0 der Gastgeber spielte Leverkusen einen Konter astrein aus, beim 2:0 war es ein Fehler im Spielaufbau der Eintracht, der Bayer endgültig auf die Siegerstraße brachte.

Geschichte des Spiels: Ein überraschter Trainerjubiliar

100 Bundesligaspiele, säuberlich aufgeteilt in 40 Siege, 30 Unentschieden und 30 Niederlagen. Auf der einen Seite hätte Glasner auf die 30. Niederlage sicherlich gerne verzichtet, auf der anderen Seite gibt der Frankfurter Cheftrainer auf solche Zahlenspiele ohnehin nicht viel. Beim Interview im Vorfeld des Spiels auf sein Jubiläum angesprochen, zeigte sich Glasner überrascht von der Zahl, für ihn und das gesamte Team stehen aktuell dringendere Ziele an. „Angestoßen und zurückgeschaut wird heute Abend sicherlich nicht“, meinte er bei DAZN. 

Oliver Glasner stand gegen Leverkusen zum 100. Mal bei einem Bundesligaspiel an der Seitenlinie.

Zahl des Spiels: 8

Um bei den Zahlenspielen zu bleiben: Der Fokus auf das Rückspiel gegen West Ham hatte zur Folge, dass Glasner insgesamt acht neue Spieler in die Startelf im Vergleich zum vergangenen Donnerstag berief. Einzig Kevin Trapp, Tuta und Filip Kostic standen auch in London von Beginn an auf dem Platz, wobei die beiden genannten Feldspieler ebenso wie Jens Petter Hauge planmäßig zur Halbzeit in der Kabine blieben. So kehrten unter anderem nach ihren Europapokalsperren Evan Ndicka und Kristijan Jakic zurück in die Startformation, Hasebe vertrat den kranken Martin Hinteregger. Auch die Sturmreihe war runderneuert: Ragnar Ache feierte sein Startelfdebüt als Adlerträger, Goncalo Paciencia und Hauge komplettierten das Offensivtrio. Bis auf Kevin Trapp stand somit kein Akteur gegen West Ham und Leverkusen zusammen mehr als drei Halbzeiten auf dem Platz.

Das schreiben die Medien

Die Bild titelt mit „Immer die gleiche Leier bei Bayer“ und spielt auf die achte Niederlage in Folge in Leverkusen an, setzt das Spiel aber gleichzeitig in Relation: „Frankfurt auf Sparflamme für Europa“. Auch die FAZ betont die Belastungssteuerung, während die Frankfurter Rundschau das Spiel in einem Satz so zusammenfasst: „Eintracht Frankfurt verliert erwartungsgemäß gegen Bayer Leverkusen und erreicht doch alle Ziele.“

Ausblick: Sevilla ist das große Ziel

Nach einer Einordnung der Niederlage (Glasner: „Wir haben heute sicherlich einige Fehler gemacht, Durchschlagskraft und Präzision haben gefehlt“) richtete sich der Blick der Akteure in Richtung Donnerstag. Europa League. Halbfinale. Rückspiel. Die große Chance, nach 42 Jahren wieder in ein europäisches Endspiel einzuziehen und nach 2019 im Halbfinalduell mit einem Premier-League-Klub dieses Mal die Nase vorne zu haben.

Die Zuversicht ist derweil trotz der jüngsten Niederlage in der Bundesliga ungebrochen. „Für Donnerstag haben wir wieder frische Spieler und müssen ein anderes Gesicht als heute zeigen. Das haben wir auch vergangene Woche geschafft, wir werden das Spiel gewinnen“, ist Hasebe überzeugt von einem Weiterkommen. Djibril Sow baut darauf, „dass uns der zwölfte Mann pushen wird, damit wir diese Extraprozente auf den Platz bekommen“.

In der sehr kurzen Woche bleiben den Adlerträgern zwei Trainingseinheiten, um sich gemeinsam auf das große Ziel einzuschwören: Finale in Sevilla – die Eintracht ist dabei!