01.06.2026
Team

„Intensität und die Bereitschaft mitbringen“

Adi Hütter nennt Anforderungen an seine Spieler, spricht über den Austausch mit Markus Krösche, seinen Führungs- und Trainingsstil sowie die Magie der Frankfurter Skyline.

Montagmittag, der Medienraum im ProfiCamp im Deutsche Bank Park platzt aus allen Nähten. Adi Hütter ist zurück. Der am Sonntag verpflichtete neue Cheftrainer von Eintracht Frankfurt sieht auf den Sitzen viele Bekannte und ein paar neue Gesichter. Das trifft auch auf die Vorstände zu. Im Hintergrund wohnt Vorstandssprecher Axel Hellmann der Presseprozedur bei. Beide kennen sich seit Hütters erster Amtszeit zwischen 2018 und 2021.

Zu Hütters Rechten nimmt Markus Krösche Platz, der Hütter von einem zweiten Engagement am Main überzeugt hat. Ehe der Österreicher über eine halbe Stunde Rede und Antwort steht, hat der Sportvorstand das erste Wort:

„Es freut mich, Adi Hütter als neuen Trainer von Eintracht Frankfurt präsentieren zu können. Er entspricht unserem Anforderungsprofil: Besitzt Erfahrung, kennt die Liga, ist in der Lage, offensiven Fußball spielen zu lassen, kann Umschalt- mit Ballbesitzfußball vereinen und das alles mit einer gewissen Intensität. Zudem hat er nachgewiesen, erfolgreich mit jungen Spielern arbeiten zu können. Mit Adi haben wir genau den Richtigen gefunden, der auch schon schwierige Situationen erlebt und diese gelöst hat.“

Dann ist Adi Hütter an der Reihe, hält kurz inne und eröffnet mit einem breiten Lächeln:

„Gude zusammen! Es freut mich sehr, wieder hier zu sein. Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich vorher darüber nachgedacht, was mich hier erwartet. Es sind tatsächlich viele bekannte Gesichter im Vergleich zu meiner ersten Amtszeit. Ich bin Sonntagabend angekommen, habe vom Hotel aus die Skyline gesehen und gedacht: Adi, das ist der richtige Platz für dich!“

Außerdem spricht Hütter über …

… den Austausch im Vorfeld: Ich möchte mich recht herzlich bei Axel Hellmann und Markus Krösche bedanken, dass das Engagement zustande kam und ich das Gefühl habe, dass ich hierhergehöre und noch nicht fertig bin. Den ersten Kontakt gab es mit Markus nach der Saison. Wir haben uns auf Mallorca getroffen und unglaublich gute Gespräche geführt. Es ging rein um inhaltliche Dinge: Fußball. Markus und ich hatten vorher nicht zusammengearbeitet, er ist Sportvorstand geworden, als ich nicht mehr hier war. Auch diesen Raum kannte ich noch nicht [bis Anfang 2023 waren Pressekonferenzen im Stadion; Anm. d. Red.]. Wenn ich sehe, was hier entstanden ist, wie der Verein gewachsen ist, ist das beeindruckend. Als die Situation eingetreten ist, dass eventuell eine Zusammenarbeit möglich wird, war für mich trotz anderer Möglichkeiten im Ausland und aus Topligen relativ schnell klar, wohin ich gehen möchte. Das Interesse von Eintracht Frankfurt hat mich emotional extrem gepackt.

… das Trainerteam: Wir sind wegen des Trainerteams im Austausch, ob wir eventuell noch etwas benötigen, was uns guttun würde. Wir werden sehen. In der Kombination mit Christian Peintinger und Klaus Schmidt habe ich in Monaco zusammengearbeitet. Christian Peintinger freut sich auch, wieder zurück zu sein. 

… seinen Spielstil: Es geht nicht nur brachial, sondern auch um gepflegten Ballbesitz mit guten Ideen. Mir ist bewusst, dass viele mich noch mit der Büffelherde in Verbindung bringen. Ich habe mich als Trainer weiterentwickelt. In Monaco spielten wir zu 70, 80 Prozent gegen tiefstehende Gegner. Da brauchst du Lösungen, Ideen und kreative Spieler. Das andere ist, gut zu verteidigen, eine klare Idee zu haben. Wir müssen kompakt sein, wenn wir nach vorne spielen, und eine gute Restverteidigung haben. Die Mannschaft muss Intensität und die Bereitschaft mitbringen, mit allem, was wir haben, zu verteidigen. Das ist die Basis.

Die komplette Pressekonferenz zum Nachhören

… die Arbeit mit jungen Spielern: Sehr, sehr wichtig! Überall, wo ich gearbeitet habe, habe ich versucht, junge, talentierte Spieler weiterzuentwickeln. Das prominenteste aktuelle Beispiel ist Maghnes Akliouche aus der Akademie der AS Monaco, heute französischer Nationalspieler. Wir haben hier viele junge Spieler, das passt zu mir. Wichtig ist die Mischung zwischen erfahrenen und jungen, hungrigen Spielern – hungrig müssen natürlich auch die Erfahrenen sein (lacht). Wir werden den einen oder anderen Platz freischaufeln für die Jungs aus dem eigenen Nachwuchs. Das liegt mir genauso am Herzen wie Markus.

… seine erste und zweite Amtszeit: Damals und heute lassen sich nicht vergleichen. Ich kam von den Young Boys als eher unbekannter Trainer und auch die Eintracht stand anders da. Siehe dieses ProfiCamp, ich kenne von früher die Stadionkatakomben. Wie der Verein in den vergangenen zehn, elf Jahren gewachsen ist, was er auch trotz Corona geleistet hat, ist atemberaubend. Wichtig sind mir Konstanten im Verein wie Axel und Markus, der jetzt auch schon fünf Jahre hier ist. Das alles war ausschlaggebend, um den Weg zurückzufinden.

Markus Krösche, Adi Hütter und Axel Hellmann (v. l.) halten große Stücke aufeinander.

… den aktuellen Kader: Mir ist immer wichtig, das Bestmögliche aus dem Kader herauszuholen. Dazu gehört auch, dass Spieler auf ihren besten Positionen spielen, wo sie ihre größten Stärken haben. Wichtig ist, dass wir eine klare Idee haben, wenn wir den Ball haben, aber auch, wenn wir ihn nicht haben. Wir haben viele junge Spieler, die technisch sehr versiert und in der Lage sind, guten Fußball zu spielen. Gleichzeitig geht es mir darum, zu lernen, mit Enthusiasmus das eigene Tor zu verteidigen. Mir geht es um Erfolg, aber nicht weniger um eine klare Identität. Mit einem Wort: Intensität. Die müssen wir auf den Platz bringen. Das ist der Fußball, den alle erwarten und der zu mir passt. Wir haben einen sehr guten Kader.

… seine Anforderungen: Wir müssen beginnen, hart zu arbeiten. Ich habe klare Vorstellungen, wie wir trainieren, um unseren Fußball auf den Platz zu bringen. Du brauchst die Spieler mit der entsprechenden Einstellung, unseren Stil mitzutragen. Ich möchte den Spielern ein klares Bild davon geben und sie dabei unterstützen, wie wir spielen möchten. Am Ende geht es natürlich um Ergebnisse. Ich möchte eine Mannschaft sehen, die aktiv Fußball spielt und begeistert.

… seine Arbeitsweise: Intensität hat viel mit Trainingsarbeit zu tun und damit, das jeden Tag einzufordern. Irgendwann verstehen das die Jungs. Wenn wir nach vorne spielen und den Ball verlieren, erwarte ich eine klare Reaktion. Und die kann nicht sein, zu traben. Selbst wenn wir den Ball nicht zurückerobern, müssen alle gemeinsam hinter den Ball kommen. Jeden Ball blocken, in Schüsse reinhauen, das eigene Tor verteidigen, gehört einfach dazu. In welcher Höhe, hängt auch vom Gegner ab.

… seinen Führungsstil: Ich bevorzuge das Nähe-Distanz-Verhältnis. Meine erste Aufgabe ist, mit den Spielern Einzelgespräche zu führen. Jeder hat eine Erwartungshaltung und Bedürfnisse. Es geht darum, eine Beziehung aufzubauen. Ich möchte auch die Jungs hören. Ich bin Coach, Motivator, Kommunikator, Ansprechpartner, manchmal Vaterfigur. Gleichzeitig möchte ich Spieler, die wissen, was sie auf dem Platz zu tun haben und die Verantwortung übernehmen. Ich möchte alle in dieselbe Richtung ziehen, damit meine Fußballdenke in die Köpfe der Spieler geht. Ich kann hart sein, es geht um Disziplin. Wir alle müssen mehr arbeiten, mehr tun. Es gibt klare Richtlinien. Trotzdem bin ich ein sehr angenehmer Partner für die Spieler, auch wenn es mal nicht so läuft. Ich bin dafür da, um gemeinsam erfolgreich zu sein.

… die Erwartungshaltung: Wir müssen mit der Zeit gehen, die Erwartungshaltung ist gestiegen. Der Verein hat Ambitionen, ich habe Ambitionen. Gleichzeitig müssen wir auch smart und intelligent denken. In erster Linie geht es um die Art und Weise und darum, dass die Jungs den Fußball, der mir vorschwebt, lieben und umsetzen wollen. Ich habe unglaublich Bock, mit der Eintracht wieder dahinzukommen, wo wir alle hinwollen, auch wenn wir vielleicht mal kleinere Brötchen backen müssen. Es ist zu früh, um über Ziele zu sprechen, vielleicht im August.

… seinen Abgang vor fünf Jahren: Die Art und Weise war meinerseits ein extremer Fehler, das hat mich damals extrem genervt und hat mich noch länger begleitet. Meine Aussage wie mit den Vereinsfarben war einfach Schwachsinn. Doch irgendwann muss man nach vorne schauen. Der Verein liegt mir am Herzen. Ich freue mich auf die kommenden Jahre, auch mit den Fans im Rücken diesen Impuls zu geben, dass wir gemeinsam erfolgreich sind.