„Sehr schön, eine große Bühne“, sagte Arnaud Kalimuendo, als er – vom Flughafen kommend – vor wenigen Tagen erstmals am Deutsche Bank Park vorbeifuhr und durch die Autoscheibe einen Blick auf die Spielstätte im Stadtwald warf. „Die Eintracht ist einer der größten Klubs in Deutschland. Ich freue mich, Teil dieser Geschichte zu sein“, so der 23-jährige Franzose, gekommen aus den englischen Midlands vom Nottingham Forest FC.
Teil dieser Geschichte: Am vergangenen Mittwoch, als er bei Eintracht Frankfurt seinen Vertrag unterschrieb. „Wir waren schon eine längere Zeit an ihm dran“, sagte Sportvorstand Markus Krösche am EintrachtTV-Mikrofon.
Teil dieser Geschichte: Am vergangenen Donnerstag, als er erstmals mit seinen neuen Teamkollegen auf dem Trainingsplatz im Deutsche Bank Park stand. „Ich bin sehr aufgeregt, ich will endlich loslegen“, sagte das Kraftpaket, aufgewachsen vor den Toren von Paris. „Das eine oder andere Tor hat er schon gemacht“, berichtete später Sportdirektor Timmo Hardung in der EintrachtTV-Show „Im Herzen von Europa“ und fügte an: „Er ist mit 1,75 Metern kein Riese, sondern sehr kompakt. Aber mit einem tiefen Körperschwerpunkt, den er gut und gerne einsetzt. Er ist in der Lage und auch gewillt, athletisch viel zu investieren – laufen, sprinten, sich in den intensiven Bereichen bewegen. Das wird uns guttun.“
Teil dieser Geschichte: Am vergangenen Freitag, als er sich nach gut einer Stunde seiner Warm-up-Kleidung entledigte und in das Eintracht-Trikot mit der Rückennummer 25 schlüpfte – die 25, der Geburtstag seines Vaters. Das erste Bundesligaspiel im neuen Jahr, Freitagabend, Flutlicht im Deutsche Bank Park, die ganz große Bühne im Kracher gegen Borussia Dortmund. Der Rechtsfuß wird für Torschütze Can Uzun eingewechselt, etwa acht Minuten später spielt er einen perfekt temperierten Steckpass auf Younes Ebnoutalib, der das zwischenzeitliche 2:2 markiert. Neuzugang auf Neuzugang, erster Assist, erstes Tor – ein Bilderbuchmoment im Frankfurter Winterregen. Auch beim Treffer von Mo Dahoud in der zweiten Minute der Nachspielzeit hatte Kalimuendo, kurz Kali, seine Füße im Spiel.
Ein Abend, der dem Mittelstürmer wohl für immer und ewig in Erinnerung bleiben wird. Ein Abend, der erst der Anfang an neuer Wirkungsstätte war. Das ist Arnaud Kalimuendo.
Das Profil
Bullig und kompakt, niedriger Körperschwerpunkt gepaart mit schnellem Antritt und damit schwer zu greifen für die gegnerischen Abwehrrecken, Torriecher und cleveres Bewegungsmuster im Strafraum, Malocher-Attitüde gegen den Ball: Arnaud Kaliumuendo, ein Stürmer mit „Oberschenkeln wie Nachbars Elefant“, wie es die Kollegen im SGE-Podcast „Aufstehen mit der Eintracht“ umschrieben.
Ein Stürmer mit „einem Profil ähnlich dem von Jonny Burkardt“, wie Cheftrainer Dino Toppmöller beschrieb: „Er hat ein sehr gutes Gespür für Räume und in der Box, eine gute Abschlusstechnik mit links und rechts und ein gutes Kopfballspiel, auch wenn er nicht der klassische Wandspieler ist. Er kommt gut zwischen die Linien und hat ein gutes Gespür, um fußballerisch mitzuwirken und zu kreieren. Er hat das Tempo, um manchen wegzulaufen.“ Attribute, die er bei seinem Debüt gegen den Tabellenzweiten aus dem Pott unter Beweis stellte. Sportvorstand Krösche bei der Vertragsunterzeichnung: „Mit seinem Tiefgang und seiner Geschwindigkeit gibt er uns viel, auch im Eins-gegen-eins ist er sehr gut. In Frankreich hat er seine Torgefahr bewiesen, aber auch gegen den Ball arbeitet er hart.“
Die Stationen
In Frankreich hießen die Stationen Paris Saint-Germain, RC Lens und Stade Rennais FC. Geboren am 20. Januar 2002 in Suresnes, trat Kalimuendo erstmals für den FC Saint-Cloud gegen den Ball, etwa 20 Autominuten entfernt vom Eifelturm. Zu dem Klub, der das Pariser Wahrzeichen in seinem Wappen trägt, wechselte Kalimuendo im Alter von neun Jahren. Im PSG-Trikot durchlief er die Jugendmannschaften, sein Profidebüt folgte gut acht Jahre später, im September 2020, auswärts gegen den RC Lens.
Trotz seines jungen Alters hat er in der Premier League schon Erfahrung sammeln können.
Sportdirektor Timmo Hardung
Nur zwei Wochen später wird die 33.000-Einwohner-Stadt im Norden des Landes Kalimuendos neue sportliche Heimat. In wettbewerbsübergreifend 65 Spielen verbucht er 21 Tore und sechs Vorlagen, seine erste Bude als Profi erzielt er im November 2020 zum 1:0-Sieg gegen Dijon. Im Sommer 2022 endet die Leihe, für den inzwischen 20-Jährigen geht es weiter gen Westen: die Bretagne, Rennes. Kalimuendo reift, blüht auf und sammelt Erfahrung um Erfahrung: 40 Tore und 14 Assists in 112 Spielen, Debüt im Europapokal, der erste Treffer auf internationaler Bühne. Nach drei Jahren wagt er den Schritt ins Ausland, mit dem Nottingham Forest FC ruft zur Saison 2025/26 die Premier League. „Trotz seines jungen Alters hat er in der Premier League schon Erfahrung sammeln können“, bilanziert Timmo Hardung. Nun die Eintracht, Bundesliga.
Die Nationalmannschaft
Erfahrungen sammelt er auch in den Auswahlmannschaften der Grande Nation. Von der U16 bis zur U23 stand er auf dem Platz, erzielte beim 3:1-Erfolg gegen die Niederlande im Spiel um Platz drei bei der U17-Weltmeisterschaft 2019 alle drei Tore und holte im Sommer 2024 olympisches Silber.
Die gemeinsamen Wege
Zurück in Frankfurt, Januar 2026: Langsam schleicht sich Arthur Theate im ProfiCamp im Deutsche Bank Park an Kalimuendo heran und schnippt ihm leicht mit dem Finger ans Ohr.
Ein strahlendes Lächeln, eine feste Umarmung. „Der große Boss ist da, der Präsident“, sagt der Belgier und lacht. In 64 Spielen für Rennes standen die beiden gemeinsam auf dem Rasen, nun sind sie wieder vereint. „Wir sind glücklich, dass Arnaud hier ist“, so Theate. Stimmt! Klickt man sich durch die fußballerische Vita des Mittelstürmers, so tauchen weiterer Verknüpfungen zur SGE auf. Unter anderem spielte er mit Hugo Ekitiké, Elye Wahi und Niels Nkounkou in der U21, mit Junior Dina Ebimbe für Paris Saint-Germain. Jean-Mattéo Bahoya stand er in der Ligue 1, Ansgar Knauff mit der U21 indes als Gegenspieler gegenüber.
Nun trägt auch er den Adler auf der Brust und ist Teil dieser Geschichte. Gude, Arnaud!

