„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Dieser Vers aus Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ erinnert freilich an die Worte von Albert Riera aus seiner Vorstellungspressekonferenz vom Dienstag, als er von „Schmetterlingen im Bauch wie bei einer neuen Freundin“ sprach, um die Herangehensweise an seine neue Aufgabe in Frankfurt und die Vorfreude zu verdeutlichen. Am Tag nach dem 1:1 gegen den 1. FC Union Berlin, dem fünften Arbeitstag von Riera, lässt sich festgehalten, dass der Spanier diesen Zauber auf seine Mannschaft übertragen hatte – auch wenn sich die Serie ohne Sieg in Köpenick weiter verlängerte.
Um im Bild zu bleiben: „Vielleicht habe ich einen Zauberstab, aber glaubt mir, ich werde es schaffen“, hatte der 43-jährige Cheftrainer in dieser Woche gesagt. Den Zauber, den Riera mitgebracht hatte, hatte er im Stakkatostil in kurzer Zeit an seine Spieler ausgegeben. Arbeitstage bis tief in die Nacht im Deutsche Bank Park, lange Trainingseinheiten, tägliche Sitzungen mit den Spielern.
Von „viel Input und vielen Informationen“ sprach Hugo Larsson, die er in dieser Woche erhalten habe. Riera wusste auf der Pressekonferenz im Medienraum des Stadions An der Alten Försterei dies einzuordnen. Natürlich habe er alles gegeben in dieser Woche, aber es brauche „Zeit, die Spieler werden alles noch verinnerlichen“.
Zaubern kann Riera nicht. Sportvorstand Markus Krösche hatte dennoch „einen guten Start“ gesehen, der sich mit Zahlen belegen lässt:
- 70 Prozent Ballbesitz – in der ersten Halbzeit lag er teilweise bei über 80 Prozent.
- 89 Prozent Passquote.
- 120 Pässe von Rasmus Kristensen – nie hatte ein Adlerträger in dieser Saison in einem Spiel mehr Pässe gespielt.
Dass nicht mehr als ein Tor dabei heraussprang, hatte auch Gründe, die sich ebenso durch Zahlen untermauern lassen:
- 3 Torschüsse – niedrigster Wert der Eintracht in einem Bundesligaspiel in dieser Saison.
- 1 Schuss aufs Tor.
- 0,48 Expected Goals.
Da von Union auch nicht viel mehr kam, hatte ein Fernsehsender die ersten 83 Minuten mit „gar nix los“ bezeichnet und erst danach „Action“ gesehen. Tor und Gegentor fielen innerhalb von vier Minuten, eine hitzige Crunch Time durch die Berliner Überzahl folgte, ehe das Remis feststand. Für beide Vereine war es Remis Nummer sieben, kein Bundesligist hat mehr.
Die Bild fasste in der Bewertung zusammen, dass Rieras „Ansätze definitiv zu sehen“ gewesen seien. Den Spielern sei anzumerken gewesen, dass „er ihnen einen klaren Plan mitgegeben“ habe. Dennoch hielt das Blatt fest, dass bei „dieser Dominanz noch mehr Torgefahr her“ müsse.
Zehn Ballaktionen im gegnerischen Strafraum bei 73 Prozent Ballbesitz zeugen davon, dass Kreativität und Zielstrebigkeit im Drittel der Unioner fehlten. „Ich konzentriere mich darauf, viele gute Dinge zu tun, und bin mir sicher, dass sich das Ergebnis dann einstellen wird“, hielt Riera, der seine Mannschaft „hungrig wie Löwen“ sehen wollte, fest.
Energie und Leidenschaft stimmten, die Effizienz mit einem Treffer bei lediglich einem Torschuss auf den Kasten von Ex-Adlerträger Frederik Rönnow auch; die hinzugewonnene Kompaktheit schien jedoch auf Kosten der offensiven Kreativität zu gehen. Dazu kam erneut ein spätes Gegentor, es war Nummer 15 in den letzten 15 Minuten in einem Bundesligaspiel 2025/26.
Zeit, Abläufe und Automatismen weiter einzustudieren, hat Albert Riera mit seinem Team in der nächsten Woche. Die nächste Partie steht am Samstag an, Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Bis dahin wird Riera versuchen, weiteren Zauber zu verteilen und seiner Mannschaft Informationen mitzugeben, damit sie mit „mehr Selbstvertrauen sich noch mehr trauen“. Und dann auch wieder ein Fußballspiel gewinnt, seit neun Pflichtspielen wartet die Eintracht auf einen Sieg.

