20.08.2026
DFB-Pokal

„Lasst es uns genießen“

Bekim Kastrati, Trainer des SC St. Tönis 1911/20, spürt bei sich und seiner „Feierabendtruppe“ große Vorfreude auf das Duell mit der Eintracht. Der 47-Jährige im Interview.

Nur noch wenige Tage bis zum DFB-Pokalspiel gegen die Frankfurter Eintracht: Wie läuft die Vorbereitung?
Wir hatten am Dienstag die erste Trainingseinheit nach dem Ligaauftakt, am Donnerstag werden wir dann noch einmal trainieren – dann geht’s los. Wir haben aktuell keine verletzten Spieler und ich hoffe sehr, dass niemand mehr kurzfristig ausfällt, denn ein Spiel wie dieses wird ein Erlebnis und das will natürlich jeder mitmachen. 

Spüren Sie Vorfreude und eine gewisse Aufgeregtheit in der Mannschaft und im Verein?
Ja, schon. Wir haben versucht, uns voll auf den Auftakt im Niederrheinpokal und in der Liga zu konzentrieren und vorzubereiten. Das hat gut funktioniert. Wir haben beide Spiele gewonnen. Man spürt es im Verein, jetzt ist das auch okay. Jetzt ist die Vorfreude, jetzt ist alles da. 

Zum ersten Mal steht der SC St. Tönis 1911/20 in der Ersten DFB-Pokalhauptrunde, das ist eine große Sache: Wurden Sie diese Woche beim Bäcker schon auf das Spiel angesprochen?
Tatsächlich, ja! (lacht)

Die Oberliga ist unser Zuhause und unser Hobby nach der Arbeit. Diesem Hobby gehen wir mit viel Liebe und Leidenschaft nach.

Bekim Kastrati

Sie sprachen den Saisonstart schon an: 3:1 im Niederrheinpokal und 3:2 zum Auftakt in die neue Saison in der Oberliga Niederrhein. In der Liga hat Ihr Team spät noch einen 0:2-Rückstand gedreht. Wie zufrieden sind Sie mit dem Saisonstart?
Wir sind absolut zufrieden. Wir hatten im Sommer einen relativ großen Umbruch im Kader, einige haben auch aufgrund ihres Alters aufgehört. So zum Beispiel Jannis Nikolaou, der vor zwei Jahren noch in Braunschweig gespielt und uns dann vergangene Saison sehr gutgetan hat [Jannis Nikolaou hat mit Braunschweig in der Ersten DFB-Pokalhauptrunde 2024/25 90 Minuten gegen Eintracht Frankfurt gespielt; Anm. d. Red.]. Auch unser Kapitän Dominik Dohmen, der am Freitag allerdings offiziell verabschiedet und ein paar Minuten bekommen wird, hat aufgehört. Umso wichtiger war es, einen guten Saisonstart hinzulegen. Die zwei Siege, auch im Pokal haben wir mit Solingen-Wald gegen einen Oberligisten gespielt, waren gut für unsere junge Truppe. Im Pokal weitergekommen, erfolgreich in die Liga gestartet: Jetzt kommt das große Highlight. Das Spiel gegen die Eintracht ist ein riesengroßer Bonus, den sich die Jungs erarbeitet und verdient haben. Wir wollen dieses Spiel genießen, anschließend hat uns der Alltag schnell wieder. Wir wollen wieder eine gute Saison spielen. Die Oberliga ist unser Zuhause und unser Hobby nach der Arbeit. Diesem Hobby gehen wir mit viel Liebe und Leidenschaft nach.

Bekim Kastrati

Bekim Kastrati bestritt als Spieler für Borussia Mönchengladbach, Eintracht Braunschweig, Fortuna Düsseldorf und Dynamo Dresden unter anderem vier Bundesliga-, sechs Zweitliga-, 22 Drittliga- und zwei DFB-Pokalspiele. Hinzu kommen über 200 Partien in der Regional- und Oberliga.

Seit Oktober 2023 sitzt er wieder auf dem Trainerstuhl des SC St. Tönis 1911/20, den er zuvor schon einmal von 2018 bis 2021 trainiert hat.

Sechs Testspiele hat die Eintracht in der Vorbereitung absolviert, für Sie sechs Gelegenheiten, um den Gegner zu beobachten: Haben Sie sich alle Partien angeschaut?
Nein, nicht alle sechs Spiele, aber ich bin natürlich über alles informiert. Es spielt Eintracht Frankfurt gegen den SC St. Tönis. Wir sind eine Feierabendtruppe, die in der Regel zwei- bis dreimal in der Woche trainiert. Nichtsdestotrotz werden wir eine Idee haben, wie wir gegen Frankfurt spielen wollen. Aus dem Niederrheinpokal wissen wir, wie es ist, vor größerer Kulisse zu spielen, und ich hoffe, dass meine Jungs nicht nervös sein werden, sondern frei aufspielen können. Wir sind aber realistisch. Wir bleiben auf dem Boden. Wir freuen uns auf das Spiel, wir freuen uns auf die Eintracht, wir freuen uns darauf, einen solch großen Traditionsverein bei uns begrüßen zu dürfen. Ich hoffe, dass vielleicht ein Mario Götze, Weltmeister, aufläuft. Oder ein Larsson, Doan, Burkardt, Uzun. Und natürlich, ein kleiner Appell, dass das eine oder andere Eintracht-Trikot bei uns bleibt (lacht).

Wir bleiben mit beiden Beinen auf dem Boden.

Bekim Kastrati

Wie wollen Sie das Spiel angehen?
Natürlich haben wir eine Idee. Aber ich muss auch klar sagen, dass ich als Amateurtrainer noch nie gegen einen Bundesligisten gespielt habe. Defensiv gutes Verhalten und dann versuchen, über die eine oder andere Umschaltsituation Chancen zu kreieren – irgendwie werden wir es versuchen. Das liegt auf der Hand, da brauche ich nichts anderes erzählen. Die Rollen sind klar verteilt, es spielen gestandene Profis gegen ein Amateurteam. Ich weiß, welch enorme Qualität, Geschwindigkeit und Ballbehandlung auf uns zukommt. Eine riesengroße Herausforderung, auf die wir uns freuen. Das Grotenburg-Stadion hat ein tolles Flair, auch für Frankfurt wird das ein schönes erstes Pokalspiel. Klar, der Fußball schreibt seine eigenen Geschichten, da habe ich auch schon viel erlebt, aber wir bleiben mit beiden Beinen auf dem Boden.

Wie Sie schon sagten, einfach genießen?
Ja, diesen Moment als gesamter Verein mitnehmen. Auch für alle, die im Hintergrund arbeiten und uns immer unterstützen. Unser Abteilungsleiter Markus Hagedorn ist vor vier Monaten verstorben, es war sein großer Traum, bei solch einem Spiel mit seinem Verein mal dabei zu sein. Auch das bewegt uns. All unsere Familien und Freunde werden bei diesem Spiel in diesem tollen Stadion dabei sein.

Das Spiel findet am 21. August statt. Wissen Sie noch, was Sie am 21. August 2005 gemacht haben?
Das ist eine gute Frage. Ich weiß, dass ich am 13. August 2005 mein Bundesligadebüt gegeben habe [für Borussia Mönchengladbach gegen den VfL Wolfsburg; Anm. d. Red.]. Es kann also sein, dass ich eine Woche später im DFB-Pokal getroffen habe.

Richtig, am 21. August 2005 mit Borussia Mönchengladbach gegen den FC Kutzhof, Sie trafen zum 3:0-Endstand.
Das war auch am 21. August? Wahnsinn! Ich bekomme gerade Gänsehaut (lacht). Bundesliga gegen Oberliga, wie diesmal. Wir haben uns damals schwergetan, wenn ich mich recht erinnere. Ich hatte mich an die Profis herangearbeitet, wurde eingewechselt und habe tatsächlich mein Tor gemacht. Und jetzt, 21 Jahre später … eine tolle Geschichte.

Erste DFB-Pokalhauptrunde gegen den FC Kutzhof: Bekim Kastrati im Trikot von Borussia Mönchengladbach.

Die Kabinenansprache steht also?
(lacht) Die eine oder andere Sache aus meiner Laufbahn, von der Kreisliga bis in die Bundesliga, gebe ich den Jungs aus meinem Erfahrungsschatz bestimmt mit. Ich habe eine tolle Truppe mit super Charakteren. Wir sind ein klein geführter Verein mit vielen Ehrenamtlern, versuchen, guten Fußball zu spielen, und waren in den vergangenen Jahren oben dabei. Amateursport macht mir sehr viel Spaß, hier habe ich meinen Platz gefunden; nach der Arbeit zum Training zu gehen, meine Familie ist immer bei den Spielen dabei. Fußball ist unsere Leidenschaft und das versuche ich den Jungs zu vermitteln. Bisher ist mir das ganz gut gelungen. 

Dann mal rein ins Pokalspiel!
Ja! Wie gesagt, für uns ist das eine Riesengeschichte. Wir freuen uns auf die Eintracht. Mit meinem Freund Mehmet Dragusha [2003 bis 2005 bei Eintracht Frankfurt; Anm. d. Red.] habe kürzlich noch telefoniert. Als Albaner habe ich die Eintracht früher natürlich auch immer wegen Ervin Skela verfolgt. Wir heißen alle, die die Eintracht lieben, bei uns im Grotenburg-Stadion herzlich willkommen. Lasst es uns genießen!