02.07.2021
Team

Leihadler zurück im Nest

Zur neuen Saison sind sechs bekannte Gesichter nach Frankfurt zurückgekehrt. Das Fazit der Leihgeschäfte.

Gute Laune und strahlende Augen beim Trainingsauftakt im Deutsche Bank Park – vor allem Timothy Chandler war die Freude über die Rückkehr von Kumpel Goncalo Paciencia anzusehen. Der Portugiese verbrachte die abgelaufene Saison leihweise beim FC Schalke 04, ebenso wie Torwart und Teamkollege Frederik Rönnow. Mit den Knappen erlebten die beiden verliehenen Adlerträger eine sportlich glücklose Spielzeit, die für S04 im Abstieg mündete. Abseits der Schalker Gesamtsituation wurden sowohl Paciencia als auch Rönnow von Verletzungen ausgebremst. Der Mittelstürmer stand in den ersten acht Partien noch stets auf dem Platz und war mit einem Tor und einer Vorlage an zwei von fünf Toren beteiligt. Aufgrund einer Knieverletzung fehlte der 26-Jährige anschließend monatelang, die blau-weiße Misere konnte er trotz einiger Einsätze im Saisonendspurt nicht aufhalten.

EURO-Fahrer und bald wieder Torwartkollegen: Kevin Trapp und Frederik Rönnow.

Ähnlich lief es auch bei Frederik Rönnow, der am dritten Spieltag zur Halbzeit für den verletzten Ralf Fährmann eingewechselt wurde und sein Debüt für Königsblau feierte. An den folgenden sechs Spieltagen hütete der dänische Nationalspieler den Schalker Kasten, ehe ihn erst eine Zerrung und einige Wochen später Leistenprobleme außer Gefecht setzten. In der Rückrunde stand der Keeper noch vier Mal auf dem Platz, anschließend setzte der neue S04-Coach Dimitrios Grammozis wieder auf Ralf Fährmann. Dennoch wurde Rönnow für den dänischen EM-Kader nominiert. Am Samstag bestreitet das Team das Viertelfinale gegen Tschechien. Wann er wieder in Frankfurt zur Mannschaft stößt, hängt demnach von dem Abschneiden der Dänen ab. Drei Wochen Urlaub sind dem Keeper wie allen EURO-Fahrern von Trainerseite bereits zugesichert.

Saisonabbruch und Pokalsieg

Nach verheißungsvollem Start in Leipzig befindet sich Nils Stendera auch in Frankfurt gezwungenermaßen erstmal im Wartestand.

Auch Nils Stendera fehlte am Donnerstag beim ersten Mannschaftstraining des neuen Teams um Chefcoach Oliver Glasner. Der 20-Jährige befindet sich nach einer COVID-19-Infektion in häuslicher Quarantäne, nach deren Ablauf er das Mannschaftstraining aufnehmen wird – sofern aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht. Das vergangene Jahr, das er leihweise beim 1. FC Lokomotive Leipzig in der Regionalliga Nordost verbrachte, verlief pandemiebedingt schleppend. Der Spielbetrieb wurde nach dem zwölften Spieltag Ende Oktober eingestellt, der Verband musste die Saison abbrechen. In den sieben Partien nach der Leihe kam das Eigengewächs jeweils zum Einsatz, drei Mal stand er in der Startelf. Auch im Landespokal Sachsen stand Stendera in allen drei Spielen auf dem Rasen, mit dem 1:0-Finalsieg nach Verlängerung qualifizierte sich Leipzig für den DFB-Pokal in der kommenden Saison. „Ein würdiger Abschluss und ein wunderschönes Gefühl“, resümierte der Youngster den Erfolg im Pokalwettbewerb.

Talent entfaltet

Ganz anders lief das Jahr für Rodrigo Zalazar beim FC St. Pauli. Der Mittelfeldspieler bestritt alle 35 Pflichtspiele der Hamburger und lief dabei 32 Mal von Beginn an auf. Zudem war der 21-Jährige mit sechs Treffern und sechs Vorlagen maßgeblich am Aufschwung der Hamburger beteiligt. Auf eine ausbaufähige Hinserie mit 16 Zählern aus 17 Spielen folgte eine spektakuläre Rückrunde. Mit 31 Punkten sammelte St. Pauli in diesem Zeitraum die ligaweit viertmeisten und schloss die Zweite Bundesliga am Ende als Tabellenzehnter ab. Für die Eintracht, St. Pauli und Zalazar, der am Millerntor sofort zum Stammspieler gereift ist und mit seinen Qualitäten auf sich aufmerksam machen konnte, war das Leihgeschäft ein voller Erfolg.

Rodrigo Zalazar will es wissen.

„Rodrigo ist ein schneller, wendiger Spieler, der im zentralen Mittelfeld zum Einsatz kommt. Ihn zeichnet ein körperbetonter, robuster Spielstil aus. Zudem verfügt Rodrigo über einen starken Offensivdrang und einen guten Abschluss mit dem rechten Fuß“, schwärmte FCSP-Coach Timo Schultz bereits bei der Verpflichtung des Uruguayers, der auch die spanische Staatsbürgerschaft besitzt. Beim 2:2 in Darmstadt avancierte Zalazar am fünften Spieltag mit seinem verwandelten Strafstoß in der fünften Minute der Nachspielzeit zum Mann des Tages. Sein Trainer zog anschließend den Hut: „Das hätte ich mit 21 Jahren nie gemacht. Er kann die Sprache kaum. Geht trotzdem voran, übernimmt Verantwortung und haut das Ding eiskalt rein wie gegen Nürnberg. Das ist schon gut, das zeigt die Mentalität des Jungen. Er ist so ein kleiner Eisvogel.“ Worte, die der Rückkehrer fortan als Adler bestätigen möchte.

Überragendes Halbjahr

Ebenso wohlwollend haben die Verantwortlichen der Eintracht die Entwicklung von Danny da Costa im vergangenen Halbjahr wahrgenommen. „Eines ist klar: Danny da Costa wird zurückkehren. Er hat sehr gute Leistungen in Mainz gezeigt und er kann uns mit seinen Fähigkeiten helfen, unsere Ziele zu erreichen“, sagte Sportvorstand Markus Krösche im Juni. Anfang des Jahres hatte sich der 1. FSV Mainz 05 die Dienste des Rechtsverteidigers für die Rückrunde gesichert. Das Ziel Klassenerhalt schien im Januar bei nur sieben Punkten aus 17 Spielen und dem 17. Tabellenplatz weit entfernt. Da Costa sollte auf der rechten Seite mit seiner Erfahrung und Dynamik für frischen Wind sorgen. Der 27-Jährige bestritt 16 von 17 Partien und stand dabei 15 Mal in der Startelf. Zum Auftakt bereitete er beim überraschenden 3:2-Sieg der Mainzer gegen Leipzig den Siegtreffer vor.

Der Blick geht nach oben: Danny da Costa.

Lediglich das Duell mit dem SV Werder Bremen im April verpasste da Costa, der Grund für sein Fehlen im Kader hätte aber kaum erfreulicher sein können: Der Abwehrspieler wurde erstmals Vater. Neben dem privaten Glück lief es auch auf dem Platz herausragend. Nur Bayern (39), Dortmund und die Eintracht (je 33) punkteten in der Rückrunde häufiger als die Rheinhessen (32). Daraus, dass da Costa einen großen Anteil an der besten Rückrunde der Vereinsgeschichte der Nullfünfer hatte, macht Cheftrainer Bo Svensson kein Geheimnis. „Ich bin ein Fan von Danny. Nicht nur fußballerisch, auch menschlich, wie er sich hier präsentiert hat. In seiner ersten Einheit hatte man den Eindruck, er wäre schon lange da. Er war ein absoluter Schlüssel, wie wir das alles geschafft haben“, so der 41-Jährige. Ebenfalls großen Anteil an der Mainzer Erfolgsserie hatte die zweite Eintracht-Leihgabe Dominik Kohr. Im Gegensatz zu da Costa, der bereits am Donnerstag zum Trainingsauftakt wieder mit der Mannschaft auf dem Platz stand, kehrt der Mittelfeldspieler allerdings noch nicht zurück nach Frankfurt. Seine Leihe wurde um ein Jahr verlängert.

Offensivexplosion

Dejan Joveljic zeigte sich nicht nur in der Liga treffsicher, sondern sammelte mit Wolfsberg auch internationale Erfahrung. Hier in der Europa League gegen Tottenham.

Last but not least: Dejan Joveljic. Der junge Mittelstürmer wechselte zu Beginn der vergangenen Saison leihweise zum Wolfsburger AC in die österreichische Bundesliga. Beim WAC verpasste er lediglich das erste Pokalspiel aufgrund seiner noch fehlenden Spielberechtigung. Anschließend kam Joveljic in allen 46 Pflichtspielen zum Einsatz, schied in der UEFA Europa League nach der Gruppenphase erst gegen Tottenham Hotspur aus. Schnell reifte der 21-Jährige zum Stammspieler und Toptorschützen seiner Mannschaft. 20 Pflichtspieltore und fünf Vorlagen sind eine ausgezeichnete Quote, ligaweit erzielten lediglich Patson Daka (27) und Nikolai Baden Frederiksen (18) mehr Treffer als die Leihgabe der Eintracht (17). Bruno Hübner, ehemaliger Sportdirektor, hatte bereits im März erklärt: „Diese Leihe hat absolut Sinn ergeben. Unsere Überlegungen haben gegriffen, es war die richtige Entscheidung.“ In Österreich konnte das Offensivtalent nicht nur Spielpraxis sammeln, sondern auch seine Qualitäten unter Beweis stellen. „Das ist eine Hausnummer“, bilanziert auch Sportvorstand Markus Krösche bei einem Blick auf die Werte des serbischen Nationalstürmers, der kürzlich in der A-Nationalmannschaft seines Landes debütierte und am 5. Juli in Frankfurt ins Mannschaftstraining einsteigt.