03.04.2022
Bundesliga

Lust und Leid

Die Eintracht tritt gegen Fürth auf wie so häufig: Eifrig, leidenschaftlich, nicht immer glücklich. Doch hadern möchte keiner. Nicht zuletzt wegen der Aussichten auf und neben dem Platz.

Einordnung: Im Stadtwald nichts Neues

Die Geschichte des Heimspiels gegen Greuther Fürth ist im Grunde schnell erzählt. Zwar fielen wie vor der Länderspielpause in Leipzig auf beiden Seiten keine Tore, grundsätzlich befand Sebastian Rode rückblickend, dass der Spiel- den Saisonverlauf widergespiegelt habe und stellte fest: „Die Chancen waren da, wir haben verpasst, sie zu nutzen.“ Zum Vergleich: Noch in Leipzig hatte kein einziger Abschluss aufs Gehäuse zu Buche gestanden.

Wie immer unermüdlich: Filip Kostic.

Auch Oliver Glasner bezog sich in der Analyse gleichzeitig auf den Auftritt am Samstagnachmittag und in diesem Zuge auf die Entwicklung während der gesamten Spielzeit. „Ich sehe uns immer stabiler. Aber offensiv finden wir gegen tiefstehende Gegner nicht die besten Lösungen.“ Das zu verbessern, sehe der Cheftrainer als „Aufgabe von mir und meinem Team“. Was dem Fußballlehrer vor allem gefiel, war die bestehende Balance, wie er unter anderem am Torschussverhältnis von 21:4 festmachte. Auch die Passquote von 86 Prozent ist nicht zu verachten. Dennoch, „auf den letzten 16 bis 20 Metern waren wir zu ungenau“, präzisierte der Österreicher. Und auch die 9:0 Ecken brachten nichts ein. Exemplarisch für den Zwiespalt zwischen Willen und Wucher, dass Filip Kostic mit 14 Flanken aus dem Spiel heraus einen neuen ligaweiten Saisonrekord aufstellte, aber schlicht keinen Abnehmer fand. Alles in allem also wenig Neues zum Start in den April.

Zahl des Spiels: 760

Wobei das so gesehen gar nicht stimmt. Während die Adler in der zweiten Halbzeit unnachgiebig auf Sieg spielten, erstrahlten auf dem Videowürfel im Deutsche Bank Park die fast illusorischen Ziffern 50.500. So viele Zuschauer hatten sich ins Stadion begeben. Begeben dürfen. Erstmals seit dem DFB-Pokalviertelfinale 2020 gegen Werder Bremen am 4. März 2020 nahezu Vollauslastung. 760 Tage war das her...

Endlich wieder volle Ränge im Deutsche Bank Park.

Kaum verwunderlich, dass alle Beteiligten losgelöst vom Sportlichen ins Schwärmen gerieten. „Es freut mich für die Fans, den Verein, die Mannschaft und die ganze Gesellschaft“, frohlockte Glasner. Kevin Trapp war ebenso „froh, dass alle Fans wieder zurück sind“, und Djibril Sow gestand, er „habe das volle Stadion sehnsüchtig vermisst, das ist wirklich einzigartig“. Deshalb war es für Ansgar Knauff „umso ärgerlicher, dass wir sie nicht dafür belohnen konnten“.

Geschichte des Spiels: Drama um Meyerhöfer

Der Fußball als Hauptsache trat auch kurz vor und nach dem Schlusspfiff in den Hintergrund, nachdem sich Marco Meyerhöfer das rechte Bein verdreht hatte. Die medizinischen Abteilungen beider Seiten reagierten prompt, mehrminütige Behandlungspause, Abtransport auf der Trage, Applaus von den Rängen, Rettungswagen, Krankenhaus. Und ein sichtbar angefasster Jens Petter Hauge, der unabsichtlich in die Szene verwickelt war, sowie betretene Stimmung im Nachgang.

Captain Rode beteuerte sogleich: „Jens Petter ist untröstlich, er ist unglücklich in ihn reingefallen. Das überschattet das Spiel nochmal.“ Zumal der gebürtige Bad Homburger Meyerhöfer, einst in der Nachwuchsschule am Riederwald, seine Familie auf den Rängen zu Besuch hatte. Gäste-Coach Stefan Leitl war gleichermaßen bedrückt und hob zugleich die Reaktion des Eintracht-Staffs hervor: „Ich möchte mich bei der Eintracht und Professor Florian Pfab für die Unterstützung, schnelle Hilfe und Erstversorgung bedanken. Marco ist bestens versorgt!“ Letztendlich traf Rode den Nagel auf den Kopf: „Es gibt nicht viele Gewinner.“

Ausblick: Barca en detail

Nichtsdestotrotz lassen sich die Adlerträger die Aussichten auf die kommende Woche mit zwei weiteren Heimspielen nicht trüben. Glasner war sich bereits am frühen Abend sicher, dass bei ihm schon in der Nacht die Vorfreude auf Barcelona der Enttäuschung von Fürth weichen würde. Überhaupt gehe der 47-Jährige „davon aus, dass sich jeder am Sonntag um 21 Uhr das Spiel von Barca gegen Sevilla ansieht“.

Nachdem die Spieler am Montag nochmal frei haben, gelte es, „Kräfte zu sammeln, um physisch und mental top vorbereitet zu sein. Am Dienstag werden wir den Jungs den Gegner vorstellen.“ Was angesichts des Kalibers vielleicht komisch klingt, begründet Glasner einleuchtend: „Fürth sehen wir jedes Wochenende, Barcelona nicht so oft. Wir kennen die Namen, aber wichtig ist, auch die Abläufe zu kennen. Darauf werden wir die Jungs mit Videos und natürlich auch in der Trainingsarbeit vorbereiten.“ Konkret am Dienstag- und Mittwochvormittag. Eines ist sich der Coach indessen schon jetzt sicher: „Ich denke, wir werden nicht 70 Prozent Ballbesitz haben...“