27.10.2022
Europapokal

Der Meister des letzten Drittels

Zahlen zum „Player of the Match“ Mario Götze, Hrvoje Smolcics Premiere „aus der kalten Hose“, Oliver Glasners neuer persönlicher Bestwert sowie weitere Fakten und Folgen des Spiels gegen Marseille.

Weniger ist mehr, lautet dieser Tage die Devise in Frankfurt, wie Oliver Glasner unlängst erklärte, womit der Cheftrainer durch verkürzte Rede- und Analysezeiten sowie freie Tage seine Schützlinge mental entlastet. Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Sieg in der UEFA Champions League gegen Olympique de Marseille, dem ersten vor heimischer Kulisse.

Nachdem noch in Südfrankreich der niedrigste Ballbesitzanteil der Adler in der Gruppenphase von 39 Prozent zum 1:0-Erfolg gereicht hatte, genügten beim 2:1 neun Torschüsse, die wenigsten während der bislang fünf internationalen Auftritte. Dass neben dem Kopf auch der Körper weiter mitspielt, verdeutlichen die 122,4 Kilometer, welche die Adlerträger am Mittwochabend abrissen.

Geschichte des Spiels: Nimmermüder Götze

Beispielhaft für die physische Performance ist ausgerechnet ein Mann, der eigentlich eher für die feine Klinge steht. Sein Gespür für Zeit und Raum hat sich Mario Götze weiter bewahrt, legte auch gegen Marseille Zeugnis seiner Finesse ab – einmal mehr. Die UEFA begründete ihre Auszeichnung zum Player of the Match folgendermaßen:

„Das Gehirn des Frankfurter Spiels. Er versucht immer Möglichkeiten zu kreieren, um an den Ball zu kommen und versucht dann das Spiel zu kontrollieren oder gefährlich zu werden. Das zweite Tor von Kolo Muani hat er wunderbar inszeniert. In der ersten Halbzeit ist er mehr gelaufen als jeder andere Spieler auf dem Feld.“

Mario Götze präsentiert stolz seine Auszeichnung zum „Player of the Match“.

Letzteren Fakt garnierte der 30-Jährige mit 70 Ballaktionen, Topwert gemeinsam mit Kristijan Jakic. Bemerkenswert ist dabei vor allem die Wirkung der Aktionen: 22 Pässe spielte die Nummer 27 ins letzte Drittel. Zum Vergleich: Der zweitbeste Frankfurter in dieser Kategorie Djibril Sow kommt mit deren elf auf exakt die Hälfte.

Apropos elf: Wie die Sport Bild am Mittwoch vorrechnete, kommt Götze in der Bundesliga auf elf Startelfeinsätze am Stück, das war letztmals vor elf Jahren der Fall. Im laufenden Monat zählte der Offensivakteur einzig während der beiden Duelle gegen Tottenham nicht zur Startformation. Gegen Olympique war es nun der 50. von Beginn an in der Königsklasse, der 66. insgesamt.

Zahl des Spiels: Viermal vier

Davon entfallen vier auf die Dienste für Eintracht Frankfurt. Die Vier ist rückblickend noch unter anderen Gesichtspunkten Programm. Und das nicht nur, weil nächste Woche sämtliche vier Klubs der Gruppe D ins Achtelfinale einziehen können.

Kämpfender Künstler: Daichi Kamada (r.) unterstützt Hrvoje Smolcic im Zweikampf.
  1. Hrvoje Smolcic verzeichnete in seinem ersten Champions-League-Spiel für Frankfurt von Beginn an vier abgefangene Bälle. Hinzu kommen acht klärende Aktionen, beide Topwert bei den Hausherren. „Hrvoje war mutig, kopfballstark und insgesamt sehr gut“, lobte Glasner. „In einem solch wichtigen Spiel war er sehr souverän“, befand auch Sportvorstand Markus Krösche, dem die Leistung „quasi aus der kalten Hose“ imponierte.
  2. Oliver Glasner feiert als Cheftrainer von Eintracht Frankfurt erstmals vier Siege hintereinander, das schafften die Adler letztmals von Januar bis Februar 2021.
  3. Von vier Vergleichen mit l’OM entschied Frankfurt nun alle vier für sich.
  4. Vier nominell Offensive hatten bei den beiden Toren ihre Füße im Spiel. Neben dem Assist von Götze zum 2:1 ließ Jesper Lindström vor dem 1:0 den Ball intuitiv durch die Beine, Daichi Kamada erzielte die Führung. Der Japaner trumpfte in seinem 150. Spiel für die Eintracht aber auch defensiv auf, führte die meisten Zweikämpfe (zwölf) und gewann auch die meisten (acht). Bliebe noch Randal Kolo Muani, der Siegtorschütze.

Das schreiben die Medien

  • SPORT1: „Eintracht Frankfurt wendet gegen Marseille das vorzeitige Aus in der Vorrunde ab. Stattdessen winkt nun das Champions-League-Achtelfinale. Mario Götze glänzt“
  • Frankfurter Rundschau: „Kamada ist Dreh- und Angelpunkt, Götze mit Finesse und klugen Ideen“
  • Sport Bild: „Götze so wichtig wie seit 11 Jahren nicht mehr!“

Das sagt das Netz

  • „Können wir bitte noch mal drüber sprechen wie RKM und Götze gestern im Alleingang fünf Verteidiger eingetuppert haben? 🤤“ (@sounds2move)
  • „An dieser Stelle sollten wir auch mal an die armen Redakteure von  @Transfermarkt  denken, die ständig den Marktwert von Kolo Muani nach oben korrigieren müssen.“ (@Alex_Schlueter)
  • „Wir wollen jetzt nicht von einer engen Gruppe sprechen, aber wenn Marseille gegen Tottenham gewinnt, ist die @Eintracht mit einem Unentschieden auf Platz 4 und mit einem Sieg auf Platz 1.“ (@fums_magazin)

Ausblick: Jäger und Gejagte

Auch wenn der Abend so manches Ausrufezeichen setzte, ging Glasner nach eigener Aussage auch „mit vielen Fragezeichen ins Bett“. Der Chefcoach führte weiter nicht nur mit Blick auf die Faszienverletzung von Christopher Lenz aus: „Ich habe einen Verletzten in der Defensive mehr. Aber ich weiß eins: Wir werden das als Mannschaft auffangen und hinbekommen. Wir wären sowieso nach Lissabon gefahren, um zu gewinnen. Von daher hat sich nichts geändert. Wir werden alle Kräfte bündeln und die Spieler pflegen.“

Ehe am Dienstag das Endspiel ums Überwintern in der Königsklasse steigt, gastiert am Samstag Borussia Dortmund im Deutsche Bank Park. Während Frankfurt international von Platz vier auf drei gesprungen ist und Rang zwei ins Visier nimmt, gestaltet sich die Konstellation in der Bundesliga andersherum: Der BVB liegt an fünfter Stelle direkt hinter der Eintracht.