18.07.2020
Team

„Mir ist es wichtig, fair zu sein“

André Silva befindet sich derzeit in der Verlosung für das Tor des Monats und im Sommerlaub. Zuvor zeigt sich der Frankfurter Toptorschütze erfrischend offen und um keine Antwort verlegen.

André, du hast uns in einem Interview mal verraten, dass du einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit hast. Woher kommt das?
Eventuell wurde ich von meiner Familie so erzogen. Darüber habe ich mir nie wirklich Gedanken gemacht. Aber mir ist wichtig, immer fair zu sein. Dennoch sagt meine Familie, dass ich gerade bei familieninternen Spielen unfair sein kann, weil sie behaupten, dass ich ab und zu schummle. Aber das stimmt nicht (lacht).

Auf deinem Instagram-Account äußerst du dich zu Rassismus, sendest eine klare Botschaft. Warum ist das so wichtig für dich?
Meiner Meinung nach ist das wichtig, da viele Menschen mich als Vorbild sehen. Daher versuche ich, meine Gedanken zu teilen und immer eine bessere Person zu werden. Dies möchte ich an die Menschen weitergeben. Ich bin ein großer Feind von Rassismus und davon, dass Menschen nicht fair behandelt werden. Deshalb versuche ich, den besten Weg zu finden, dies öffentlich zu kommunizieren.

Gamers Without Borders ist Anfang Mai als ein globales eSports-Turnier gestartet, bei dem bislang insgesamt zehn Millionen Dollar im Kampf gegen COVID-19 gespendet wurden. Du hast dich dieser Initiative angeschlossen. Wie kam es dazu?
Sie haben mich gefragt, ob ich mitmachen möchte. Da es um FIFA-Spielen geht, habe ich sofort „Ja“ gesagt. Dieses Event für den wohltätigen Zweck unterstützt den globalen Kampf gegen COVID-19. Es ist für mich eine Chance, anderen Menschen sowie Institutionen zu helfen. Außerdem liebe ich den Wettbewerb und das FIFA-Spielen auf der PlayStation.

Gegen João Félix hast du kürzlich eine Niederlage kassiert. Beim nächsten Mal gibt’s die Revanche, oder?
Ich glaube, er spielt in letzter Zeit sehr viel FIFA. Bei Charity-Events geht es nicht ums Gewinnen. Aber: Wenn ich einen Preis bekommen kann, möchte ich mein Bestes geben.

Seit wann und wie häufig spielst du Video Games?   
Seit ich ein Kind bin. Schon früher hat es mir sehr viel Spaß gemacht, PlayStation zu spielen. Ich mag es, neue Dinge auszuprobieren. Mir gefällt die Herausforderung, immer wieder neue Situationen meistern zu müssen.

Ich wollte meinen Eltern gegenüber immer stark wirken und keine Schwäche zeigen.

André Silva

Ist dein Wille zu siegen in der virtuellen Welt genauso groß wie auf dem Fußballfeld?     
Vielleicht ein bisschen weniger. Aber wenn ich mit meinem Bruder oder meinem Cousin spiele, gibt es zumeist einen Einsatz. Da möchte ich unbedingt gewinnen.

Bringt es dich zurück in deine Kindheit, wenn du online mit deinem Bruder oder deinem Cousin spielst?
Es ist immer wichtig, das Kind in sich nicht zu verlieren.

Kommen wir zum realen Fußball. Warst du schon immer Stürmer?
Ich habe früher im Mittelfeld als Zehner gespielt, bin dann auf die Außenbahn gewechselt und von dort ging es für mich weiter in die Sturmspitze.

Wie ist es in deiner Jugend dazu gekommen, dass du zum Stürmer geworden bist?
Daran kann ich mich nicht mehr richtig erinnern. Vielleicht haben sie etwas in mir gesehen. Allerdings war ich anfangs davon nicht begeistert, weil ich lieber auf der Außenbahn spielen wollte.

Du bist 2011 das erste Mal zu einem großen Klub, dem FC Porto, gewechselt. Wie war es für dich, diesen Schritt zu gehen und dein gewohntes Umfeld zu verlassen?
Bis ich 18 Jahre alt war, habe ich bei meinen Eltern gelebt und auch im Anschluss war ich in meiner Zeit in Porto nie weit weg. Als es dann für mich nach Mailand ging und auch in der Zeit danach wollte ich gegenüber meinen Eltern immer stark wirken und keine Schwäche zeigen. Daher habe ich ihnen häufig nur von den positiven Dingen erzählt. Insgesamt waren die vergangenen Jahre nicht leicht.

Never shy of getting out the tricks: André Silva.

Warum?
Weil ich vier Mal den Verein gewechselt habe. Ich habe in vier verschiedenen Ländern gelebt und musste neue Sprachen lernen. Außerdem hatte ich in der Zeit sechs verschiedene Trainer. Aber in den schwierigen und unruhigen Zeiten habe ich mich enorm weiterentwickelt und bin daran gewachsen. Jetzt ist die Zeit für mich gekommen, den Fußball zu genießen.

Durch COVID-19 waren wir alle in den vergangenen Monaten in unserer Mobilität stark eingeschränkt. Wann hast du Feijoada, dein Lieblingsessen von deiner Mama, das letzte Mal gegessen?
Ich hatte Glück. Als COVID-19 losging und der Shutdown kam, war meine Mama gerade in Deutschland. Daher war sie sehr lange bei mir. Darüber war ich auch sehr glücklich.

Du bist seit knapp einem Jahr in Frankfurt. Wie gefallen dir der Lifestyle und die Stadt?
Es gefällt mir hier sehr gut. Es ist allerdings etwas zu kalt für mich. Die Stadt ist nicht zu klein oder zu groß. Hier gibt es alles, was man braucht: gute Restaurants und nette Leute.

Hast du ein Lieblingsrestaurant?
Ja, einen Italiener. Nach der Zeit in Mailand war es schön, etwas Gewohntes zu haben.

Sportlich hast du dich schnell akklimatisiert, warst am Ende mit zwölf Saisontoren unser gefährlichster Knipser. Woran liegt es, dass es für dich insbesondere nach dem Restart so gut lief?
Ich glaube, durch meine Wechsel in den vergangenen Jahren kann ich mich schnell an die neuen Gegebenheiten anpassen. Vor der Pause hatte ich ein paar kleinere Verletzungen, die mich etwas ausgebremst haben. Deshalb konnte ich die Pause gut nutzen, um zu alter Stärke zurückzukehren. Nun fühle ich mich wieder sehr stark und kann meine Qualitäten abrufen.

Fredi Bobic hat in einem Interview gesagt: „André fühlt sich nun frischer und spielt konstanter.“ Stimmst du zu?
Ja. Am Anfang war hier alles neu für mich. Ich kam in eine neue Stadt, mit neuen Menschen, neuen Gegebenheiten und musste vieles lernen. Nun habe ich wieder zu mir gefunden und kann mich auf den Fußball konzentrieren. Mein Motto war immer: Never give up. Nun sehe ich die Schwierigkeiten positiv, weil ich dadurch wieder wachsen kann.

Findest du, dass manche Vereine einfühlsamer zu neuen, jüngeren Spielern sein sollten?
Das kann ich nicht genau beurteilen. Am Anfang ist es immer schwer. Die Menschen um die Vereine herum möchten meistens sofort Resultate sehen. Dennoch stärken diese Herausforderungen auch deinen Charakter. Inzwischen kann ich mit der Erwartungshaltung gut umgehen. Ich glaube, dass ich die körperlichen und psychischen Voraussetzungen dafür habe, mich weiterzuentwickeln und einer der stärksten Spieler auf meiner Position werden zu können. Ich habe großes Vertrauen in mich. Das ist entscheidend, um sich weiterzuentwickeln.

Du hast in Italien, Spanien und Portugal gespielt. Inwiefern unterscheiden sich diese Ligen zur Bundesliga?
In Deutschland ist jedes Spiel sehr schwer und du weißt nicht, ob du morgen gewinnst oder verlierst – Bayern und Dortmund einmal ausgenommen. Alle Mannschaften haben immer den großen Willen, zu gewinnen. Dadurch geht es in der Liga immer spannend zu.

Meistens reicht ein Blickkontakt.

André Silva über Filip Kostic

Spielst du gerne alleine im Sturm oder denkst du, dass zwei Spitzen besser sind?
Diese Frage wird mir häufig gestellt. Mir ist das egal. Es ist wichtiger, ob es in dem Moment das Richtige für die Mannschaft ist. Ich kann mich an beide Situationen gut anpassen.

Erzähle doch bitte etwas von deiner Verbindung zu Filip Kostic. Er servierte dir in der vergangenen Saison offensichtlich viele Chancen und Tore.
Oftmals spielt er den Ball nicht gut rein, aber ich kann seine Pässe gut interpretieren und stehe dadurch oft richtig. Das war natürlich ein Spaß (lacht). Wir verstehen uns sehr gut. Meistens reicht ein Blickkontakt für unsere Verständigung. Er ist voller Energie und unterstützt mich immer bis vor das gegnerische Tor.

Mit welchem Mitspieler verbringst du die meiste Zeit? Ist es von Vorteil, dass Goncalo [Paciencia; Anm. d. Red.] und David [Abraham; Anm. d. Red.] mit im Team sind?
Normalerweise unternehme ich viel mit Gonca. Leider hatte er am Ende viele Verletzungen und ist daher erst wieder spät zum Team gestoßen. Ansonsten unternehme ich viel mit David und Lucas Torró. Außerdem verbringe ich viel Zeit mit den serbischen Jungs. Wir zocken immer um unterschiedliche Dinge. Aber natürlich bin ich insgesamt sehr gerne mit der gesamten Mannschaft zusammen.

Wie schaut es mit deinen Deutschkenntnissen aus? 
(antwortet auf deutsch) Super. Ich verstehe ein bisschen Deutsch, aber ich spreche es nicht so gut.

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