09.01.2022
Bundesliga

Neue Verhaltensregel

Aus den Schlüssen des 2:3 gegen Dortmund ergeben sich für die Eintracht sogleich die nächsten Ziele: Den richtigen Umgang mit einer eigenen Führung.

Einordnung: Richtungswechsel mit Folgewirkung

An inhaltlichen Zielen mangelt es der Eintracht auch eine Woche nach dem Jahreswechsel beileibe nicht. Was nicht zwangsläufig mit der 2:3-Niederlage gegen Borussia Dortmund zu tun hat, aber vor allem aufgrund der Spielentwicklung im Nachgang deutlich zur Sprache kam. Während BVB-Coach Marco Rose die zwei Gegentore seiner Mannen exemplarisch für zwei eigene Schwachstellen heranzog, nahm Eintracht-Cheftrainer Oliver Glasner die Mannschaft grundsätzlich ins Gebet: „Wir haben nach dem Anschlusstreffer viele Bälle gewonnen, aber nicht die Lösung nach vorne, sondern nach hinten gesucht mit dem vermeintlichen Sicherheitsball auf Kevin Trapp. Aber weil Dortmund durchgepresst hat, musste er den Ball aus dem eigenen Sechzehner unkontrolliert lang schlagen. Das ist selten das richtige Mittel.“ Dass die Feststellung des 47-Jährigen nicht von ungefähr kommt, belegt folgender Fakt: Der Torhüter hatte nach Filip Kostic (64) die meisten Ballkontakte aller Frankfurter (59).

...weil das Fußball ist.

Cheftrainer Oliver Glasner

Dass Frankfurt den Tabellenzweiten überhaupt über eine Stunde in die Bredouille gebracht hat, lag wiederum gerade daran, dass die Adlerträger bis zum 2:1 die Marschroute des Österreichers beispielhaft umgesetzt hatten. Dessen war sich auch Markus Krösche bewusst. „Uns hat zuletzt starkgemacht, immer nach vorne zu spielen und Tore in den Schlussminuten zu machen. Das ist ein Lernprozess, die Quintessenz.“ Damit stießen der Sportvorstand und Fußballlehrer in dasselbe Horn. Glasner zeigte ebenso auf: „Wir haben schon oft in der Nachspielzeit Siegtreffer erzielt, weil die Jungs immer nach vorne gespielt haben. Im Umkehrschluss ist uns das diesmal in der Defensive passiert.“ Auf Rückfrage, wie sich dem während der 90 Minuten entgegenwirken lasse, antwortete der Österreicher vielsagend: „Wir wünschen uns natürlich, dass wir das von außen beeinflussen können. Aber es ist nicht so. Das spielt sich oberhalb der Köpfe ab. Deshalb wäre der Deutsche Bank Park wahrscheinlich ausverkauft gewesen – weil das Fußball ist.“ Anders interpretiert: Dieses Selbstverständnis lässt sich vor allem während der gemeinsamen Trainingswochen aneignen.

Geschichte des Spiels: Der doppelte Borré

Physisch ist die Grundlage dahingehend in jedem Fall gegeben. 124 Kilometer spulte die Eintracht ab, Dortmund 123. Vorbehaltlich der Sonntagsspiele kam nur die TSG Hoffenheim auf eine höhere kollektive Laufstrecke. Einmal mehr unermüdlich am Pflügen war Rafael Santos Borré, der zugleich am offensichtlichsten zeigte, was sich das Trainerteam von der Winterpause hinsichtlich mentaler Frische erhofft hatte.

Gut erholt, bestens aufgelegt: Rafael Santos Borré.

Der mit einem um wenige Tage verlängerten Urlaub bedachte Kolumbianer graste nicht nur 12,5 Kilometer ab, sondern steuerte auch seinen ersten Doppelpack im Adlerdress bei – zugleich der erste eines Frankfurters in der laufenden Spielzeit überhaupt. „Wir haben ihm länger Urlaub gegeben als den anderen. Das hat offenbar Wirkung gezeigt. Rafa hat sich schon im Herbst immer in den Dienst der Mannschaft gestellt, ist sehr umtriebig – und war diesmal kaltblütig. Er ist wahnsinnig fleißig, das schätzen wir an ihm. Er ist auf dem richtigen Weg“, freute sich Glasner für den Angreifer, der sich erst in Kostics Hereingabe warf und vor dem zweiten Treffer die Kugel im gegnerischen Strafraum zurückeroberte. „Man sieht, welche Qualität er hat, nicht nur als Arbeiter, sondern auch im Abschluss“, lobte ebenso Krösche.

Zahl des Spiels: 1998

Dass die einträchtige Mission wegen einer Niederlage keine nachhaltige Delle erhält, lässt sich schon historisch erahnen. Denn erst zum zweiten Mal in der Bundesliga überhaupt unterlagen die Hessen nach einer Zwei-Tore-Führung zur Halbzeitpause. Am 17. Oktober 1998 stand gegen Bayer 04 Leverkusen am Ende ebenfalls ein 2:3.

Zur Halbzeitpause mehr als im Soll, nach insgesamt 95 Minuten aber im Hintertreffen – das gab es für die Eintracht in diesem Jahrtausend bis Samstagabend nie.

Doch allein auf Wahrscheinlichkeiten verlässt sich im Herzen von Europa ohnehin niemand. Glasner präsentierte sich bereits im Angesicht der Niederlage angriffslustig: „Wenn wir in der 93. Minute 2:1 vorne sind und den Ball gewinnen, erwarte ich, dass wir nach vorne spielen und nicht zum Torhüter. Das ist der nächste Schritt, den wir gehen möchten. Damit werden wir die Jungs nicht in Ruhe lassen.“

Das schreiben die Medien

Ruhig rauschte es derweil im Blätterwald. Die Presselandschaft fand generell mehr Gefallen am samstagabendlichen Topspiel, das bis zum Ende in beide Richtungen hätte kippen können, und orientierte sich schlussendlich am Ausgang. Gegen „BVB dreht Spiel in Frankfurt“ (FAZ) ließ sich so wenig einwenden wie die Feststellung des SPIEGEL: „Eintracht schnuppert gegen BVB am Sieg.“

Ähnlich hielt es Krösche, der hervorhob: „Das ist nicht an Einzelnen festzumachen, sondern an der Art und Weise, indem wir versucht haben, zu verwalten. Wir haben keine Entlastung mehr geschaffen.“

Ausblick

Für eben diese ist zumindest auf Ebene der Belastungssteuerung in den kommenden Tagen gesorgt. Am Sonntag und Montag haben alle Akteure frei, am Dienstag steht eine Ausdauerdiagnostik auf dem Programm. Das erste Mannschaftstraining vor dem Gastspiel beim FC Augsburg steigt am Mittwoch. Glasner nimmt den Start in die Rückrunde derweil sportlich: „Manchmal muss man einen harten Nackenschlag hinnehmen, um dann aber den nächsten Schritt nach vorne gehen zu können.“ Die Ziele sind ohnehin klar definiert, die nächste Verhaltensregel auf der Agenda.

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