Zurück vom berüchtigten Zahnarztbesuch in München lautet die Diagnose Hoffnung. Klar, null Punkte sind null Punkte. Aber nicht immer ist jedes Ergebnis rational zu bewerten. Da lohnt ein Blick in die Hinrunde, als Frankfurt beispielsweise in Mönchengladbach spektakulär spielte, 6:4 obsiegte und auch Monate später dieses Match sich nach vier Gegentreffern am Stück nicht wie ein Sieg anfühlte. Warum also dieses 23. Saisonspiel nicht ähnlich betrachten.
Dachten sich auch die Adlerträger in den Katakomben der Allianz Arena, als die Hessen die weitgehende Unterlegenheit in der ersten Halbzeit einräumten, nicht mehr als ein Torschuss kam in Fröttmaning zustande. Als die Hausherren nach dem Seitenwechsel auf 3:0 stellten, schien die Messe gelesen. War sie aber nicht.
Nachdem die Partie gerade eine Stunde alt war, schalteten die Gäste sprichwörtlich in den Angriffsmodus, die wiedergenesenen Jonathan Burkardt und Arnaud Kalimuendo sowie der gebürtige Memminger Mario Götze verliehen dem Auftritt der SGE neuen Esprit.
Wo anderthalb Spiele lang unter Albert Riera die falsche Neun eines der neuen Themen war, hieß die Parole fortan: Doppelneun, was die Spielertypen anging. Burkardt, erstmals nach 87 Tagen wieder im Kader, ließ sich zwar immer wieder fallen, Kalimuendo beackerte die rechte Seite, aber als es darauf ankam, besetzten beide konsequent die Box. Burkardt traf zum 50. Mal in der Bundesliga.
„Die beiden haben eine unheimliche Qualität, das hat man gesehen. Wie Kali die Bälle festgemacht hat, das gibt einer Mannschaft Sicherheit und die Möglichkeit, dass du weiter vorne attackierst. Die beiden werden in Zukunft gut harmonieren“, äußerte sich Sportvorstand Markus Krösche zum Auftritt der Stürmer. Dass beide netzten, erschien da nicht mal die Hauptsache, sondern die Erkenntnis, die Riera schon hatte: „Gute Spieler können überall spielen. Meine Aufgabe ist es, sie in eine gute Position zu bringen.“ Getan, gesagt.
Die couragierte Leistung der Adler betrifft freilich nicht nur die Joker. Beispiel gefällig: zwischen der 60. und 75. Minute verbuchte die SGE im Norden Münchens sage und schreibe 80,5 Prozent Ballbesitz. Mit Dreh- und Angelpunkt Nathaniel Brown, erst unter der Woche zum sechsten Kapitän ernannt. Und direkt mit der Binde am Arm, weil die ersten Fünf nicht konnten oder von Anfang an durften. Ein Umstand, den Krösche als „sicher außergewöhnlich“ bezeichnete, auch in Anbetracht von sieben Ausfällen. Vielmehr sprach der Sportvorstand einmal mehr über die sportlichen Fähigkeiten des 22-Jährigen: „Extrem schlau, super erster Kontakt, in der Spitze 36 km/h.“
Ausblick: Freiburg
In der Spitze befindet sich nach Samstag weiter der FC Bayern, während die Eintracht auf Platz sieben liegt. Mit acht Punkten Rückstand auf die Top Sechs und dem SC Freiburg im Nacken, der an diesem Sonntag noch gefordert ist. Am kommenden Sonntag treffen beide Vereine im Deutsche Bank Park aufeinander. „Wir müssen jedes Wochenende punkten. Von daher ist es nichts Neues für die Mannschaft. Freiburg ist ein direkter Konkurrent – klar. Aber es sind noch viele Spiele“, sagte Krösche abschließend.


