28.05.2022
Eintracht

Schluss ist, wenn die Eintracht trifft

48 Spiele, 29 eingesetzte Spieler, 18 Siege, 13 Niederlagen – und ein (Saison-)Finale für die Ewigkeit. Teil zwei von drei des Rückblicks.

Angesichts des zurückliegenden internationalen Steilflugs der Adlerträger gerät fast in Vergessenheit, dass der Coup in Sevilla zwar der größte, aber beileibe nicht einzige historische Triumph in dieser Spielzeit war. Hatte Eintracht Frankfurt im neunten Saisonspiel gerade erst mit dem mühsamen 1:0 beim Royal Antwerp FC den ersten Sieg eingetütet, wartete das erfahrungsgemäß aussichtlose Unterfangen beim FC Bayern München. Fast 21 Jahre hatten die Hessen beim Rekordmeister nicht gewonnen – bis zum 3. Oktober 2021. Das viel beachtete 2:1 wurde zwar nicht die erhoffte Initialzündung, dient in der Nachbetrachtung aber durchaus als Ausgangspunkt von drei Erzählsträngen.

Gegen den FC Bayern war die Nummer 35 erstmals nach dem DFB-Pokalaus wieder gefragt.

Zwei davon sind personeller Natur. So erfuhr der nach dem Pokalaus in Mannheim nicht mehr eingesetzte Tuta während eines Spaziergangs am Sonntagvormittag von Oliver Glasner, dass er wieder beginnen dürfe. Der Brasilianer erledigte seinen Job mit Bravour, rotierte in der Woche darauf gegen Hertha BSC zwar nochmal auf die Bank, war in der Folge aber immer mit von der Partie, von zwei Sperren in Bundesliga und UEFA Europa League abgesehen.

Grundsätzlich ist der mit einer Vertragsverlängerung bis 2026 belohnte 22-Jährige nur eines von zahlreichen Beispielen, die die Meinung von Markus Krösche belegen: „Es haben sich alle entwickelt, auch die Neuzugänge haben sich akklimatisiert“, lobt der Sportvorstand im Exklusivinterview mit EintrachtTV.

Auf der Saisonabschlusspressekonferenz am Montag hatte Krösche neben Ansgar Knauff auch Jesper Lindström genannt, der „Rookie of the Year“ wurde. Die Auszeichnung für den besten Newcomer der Bundesliga hatte der Däne außerdem im Dezember erhalten, als er mit drei Toren und zwei Vorlagen maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Eintracht nach der Hinrunde auf Platz sechs lag und die Gruppenphase der UEFA Europa League als Erster abschloss.

Jesper Lindström erzielt das 1:0 im Hinrundenspiel gegen den SC Freiburg.

In den letzten zwei Monaten vor dem Jahreswechsel holten die Hessen international zwei Remis und einen Dreier, national aus sieben Begegnungen 18 Zähler. Neben den nackten Resultaten überragten die Adler in dieser Phase vor allem mit ihren Qualitäten, die Entscheidung regelmäßig kurz vor Ultimo herbeizuführen. Neben Paciencias goldenem Elfmeter in Antwerpen traf dies im Jahresendspurt konkret auf fünf Begegnungen zu.

  • Samstag, 30. Oktober, 90.+4: Tuta trifft nach Kostic-Freistoß mit dem Kopf zum späten 1:1-Ausgleich im Bundesliga-Heimspiel gegen Leipzig.
  • Donnerstag, 4. November, 90.+1: Jens Petter Hauge trifft nach Vorarbeit von Jesper Lindström zum 2:1-Sieg in Piräus. Beide Akteure waren zuvor als Joker von der Bank gekommen Die Eintracht steht nach vier Spieltagen sicher in der K.-o.-Runde der UEFA Europa League.
  • Sonntag, 7. November, 90.+4: Rafael Santos Borré schiebt zum 2:1 in Fürth ein. Die Kleeblätter hatten selbst erst in der zweiten Minute der Nachspielzeit kurzzeitig den 1:1-Ausgleich erzielt.
  • Donnerstag, 25. November, 90.+4: Goncalo Paciencia köpft im Heimspiel gegen den Royal Antwerp FC zum 2:2-Endstand ein.
  • Sonntag, 28. November, 90.+5: Filip Kostic flankt auf Evan Ndicka, der mit dem Schädel gegen den 1. FC Union Berlin auf 2:1 stellt. So wuchtig wie wichtig.
Rafael Santos Borré feiert in der Eintracht-Spielertraube seinen Last-Minute-Treffer gegen Greuther Fürth.

Die Reihe ließe sich noch um Kevin Trapp erweitern, der freilich nicht selbst einnetzte, aber bei der Rückkehr auf die europäische Bühne mit einem gehaltenen Elfmeter in der zweiten Minute der Nachspielzeit das 1:1 gegen Fenerbahce SK festhielt.

Es war bekanntlich nicht die erste und erst recht nicht letzte Rettungstat des Nationaltorhüters, der beim Triumph über die Bayern über sich hinauswuchs und dieses Level bis heute konservierte, wenn nicht sogar nochmal toppte. Weshalb letztlich auch Krösche nicht umhinkommt, von seinem Credo, den Teamgedanken in den Vordergrund zu stellen, abzuweichen: „Ich möchte keinen herausheben, bis auf einen: Kevin Trapp. Ein erfahrener Spieler, der natürlich schon vieles erlebt hat und im vergangenen Jahr nochmal einen Sprung gemacht, was das Torwartspiel und seine Persönlichkeit angeht. Er gibt der Mannschaft Halt und Sicherheit. Im fortgeschrittenen Alter so einen Schritt zu machen, ist herausragend.“ Laudatio Ende.

Kaum zu überwindender Rückhalt, nicht nur gegen die Bayern: Kevin Trapp.

Die Besetzung zwischen den Pfosten gehört somit kaum zu den „Baustellen“, die der 41-Jährige in der Analyse ausgemacht hat. „Mehr Heimspiele gewinnen“, möchte der Sportvorstand in Zukunft und erklärt damit im gleichen Atemzug, an was es in der Bundesliga, speziell in der Rückrunde, über weite Strecken gefehlt hat. „Die Herangehensweise der Gegner ist in der Bundesliga, gerade bei unseren Heimspielen, eine andere. Das heißt, sie haben deutlich defensiver gespielt und mehr auf Umschaltmomente gelauert.“ Also gewissermaßen genau das Gegenstück zum ersten Ligasieg in München, um diesen Kreis zu schließen.

Krösche betont deshalb auf der einen Seite zwar, „mit der Bundesligasaison nicht zufrieden“ zu sein, weiß aber auf der anderen Seite genauso, „dass dieser Entwicklungsschritt manchmal etwas dauert. Das muss man der Mannschaft zugestehen. Allerdings wird sich das im Laufe der Zeit nochmal verändern, weil wir für viele jetzt der Gegner sind, der die Europa League gewonnen hat“.

Und damit zum dritten Teil der Geschichte: Als die Road to Sevilla Konturen annahm – ausgerechnet in Sevilla. Mehr dazu und viele weitere Facetten der Saison am Sonntag.

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