07.08.2020
Europapokal

Schönen Gruß, auf Wiedersehen

Nach über zwei Jahren gehen Eintracht Frankfurt und die UEFA Europa League getrennte Wege. Der Abschied auf Zeit schmerzt beiden Seiten.

Würden in der Sportsprache die gleichen Gesetze wie im Finanzgewerbe gelten, die Hypothek wäre am Donnerstagabend mit Zins- und Zinseszins wohl von vornherein zu groß gewesen. Doch da das 0:3 aus dem Hinspiel gegen den FC Basel auch nach 147 Tagen unverändert Bestand hatte, wollten die Adlerträger im 55. Pflichtspiel nochmal alle Energie auf den Einzug in die UEFA Europa League Endrunde in Nordrhein-Westfalen legen. Nicht ohne das Bewusstsein, dafür gegebenenfalls Abstriche in Kauf nehmen zu müssen. „Auf der einen Seite wollten wir den Wettbewerb auf keinen Fall herschenken, auf der anderen Seite müssen wir unsere Prioritäten setzen. Und diese liegen auf der bevorstehenden Bundesligasaison, wofür die Spieler auch im Kopf frisch sein müssen“, erläuterte Sportvorstand Fredi Bobic im Nachgang den schwierigen Spagat, für möglichst viele internationale Glanzlichter zu sorgen und zugleich dem heimischen Brot-und-Butter-Geschäft gerecht zu werden.

Wie dieser hätte gelingen können, benannte bereits am Donnerstagmittag Armin Reutershahn: „Mit einem, am besten zwei Toren in der ersten Halbzeit.“ Adi Hütter pflichtete seinem Co-Trainer hinterher bei: „Wir hätten in der Anfangsphase ein Tor erzielen müssen, um den Gegner zu verunsichern.“ Ein solches lag den Adlerträgern zwar vor der Pause ein ums andere Mal auf dem Kopf. Umgekehrt hatten aber auch die Hausherren ihre Hausaufgaben gemacht. Der FC Basel, in der Super League die stabilste Defensive und auch in der Europa League unter allen Achtelfinalisten nach Manchester United mit den wenigsten Gegentreffern, ließ lange kaum etwas zu und kam seinerseits zu gefährlichen Gegenstößen. 19:20 Abschlüsse verzeichneten die Statistiker am Ende. „Die Konterstärke des Gegners war uns bewusst, doch je länger es 0:0 stand, desto höheres Risiko mussten wir gehen“, erklärte Bobic den nach dem Seitenwechsel immer offeneren Schlagabtausch. Deshalb wollte auch Hütter „der Mannschaft ein Kompliment aussprechen, sie hat alles versucht.“ Nur die mit zunehmender Spieldauer zunehmende Präzision im Passspiel mochte sich nicht vor dem gegnerischen Gehäuse einstellen. Der von Bobic herbeigeschworene „Dosenöffner“ wäre zugleich das wettbewerbsübergreifend 100ste Tor im 55sten Saisonspiel gewesen.

Hütter hin- und hergerissen

Damit aber etwas Unvollendetes zu verbinden, ginge an der Realität vorbei. Immerhin befindet sich Eintracht Frankfurt im nun dritten Jahr unter Hütter und vierten unter Bobic unverändert in einem Entwicklungsprozess, der sich auch daran zeigt, dass der Kader nach der Sommerpause nahezu unverändert geblieben ist. „Ein Jahr ohne Doppelbelastung kann auch dafür gut sein, die Mannschaft Woche für Woche in Ruhe weiterzuentwickeln und gezielt auf die Spieltage vorzubereiten“, ist Hütter überzeugt, auch wenn sich der Fußballlehrer hin- und hergerissen zeigt: „Jeder, der die Europa League ein bisschen verfolgt hat, hat gesehen, was Eintracht Frankfurt in den vergangenen beiden Jahren in diesem Wettbewerb abgeliefert hat.“ Was sich unter anderem darin widerspiegelt, dass RTL bewusst jenes der drei Achtelfinals mit deutscher Beteiligung ausgestrahlt hat, in denen das Weiterkommen eines Bundesligisten auf dem Papier am unwahrscheinlichsten erschien.

So oder so steht für alle Beteiligten außer Frage, dass der Traditionsverein diesem Wettbewerb über zwei Jahre lang genauso viel abgewinnen konnte wie umgekehrt, also gewissermaßen mehr als erwartet zurückgezahlt hat, um zum Bild mit der Hypothek zurückzukehren. „Aber wir sind auch realistisch genug, um zu wissen, dass es immer eine Saison ohne internationalen Fußball geben kann“, ist Hütter stellvertretend für alle Eintrachtler mit sich im Reinen.

Ein Wiedersehen würde freilich niemand ausschlagen. Wann und wie, ist für einen Verein wie Eintracht Frankfurt sicher nur bedingt planbar. Das Verlangen nach weiteren europäischen Nächten bleibt gleichwohl ungestillt.

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