Bei all der Hitzigkeit, die das Rhein-Main-Duell zwischen Mainz 05 und Eintracht Frankfurt mit sich brachte, blieb doch noch Zeit für Smalltalk. „Am Ende, als Tuta da lag, habe ich kurz mit Jonny Burkardt gesprochen und ihn gefragt: was ist das für ein Spiel? Er sagte auch, er war an dem Punkt, dass nicht mehr viel ging. Das spricht für die Intensität“, plauderte Kevin Trapp am späten Sonntagabend bei DAZN frei heraus. Keine Frage, die inklusive Nachspielzeiten 104 Minuten hatten es in sich. Dass die Nettospielzeit schließlich 50 Minuten weniger betrug, spricht für sich.
Zweikämpfe, Unterbrechungen, Behandlungspausen, verletzungsbedingte Auswechslungen der ehemaligen Adlerträger Dominik Kohr und Danny da Costa. „Gute Besserung für die beiden Spieler, dass sie schnell wieder zurück sind“, wünschte Dino Toppmöller auf der Pressekonferenz rund um die Auswertung des 1:1, das selbst keine Verbesserung der Ausgangslage, aber wahrlich auch keine Verschlechterung mit sich brachte. Plus eins, wie es so schön heißt.
Nicht mehr, nicht weniger gegen einen Gastgeber, der mit nun zwölf ungeschlagenen Heimspielen am Stück einen neuen Vereinsrekord aufgestellt hat. „Mainz war überlegen, aber große Torchancen habe ich nicht gesehen“, fasste Coach Toppmöller speziell das Geschehen der zweiten Halbzeit zusammen, als Jonathan Burkardt per maximaler Slapstick-Einlage den Endstand markierte. Der FSV-Stürmer stellte mit seinem 16. Saisontreffer in der Bundesliga gleichermaßen einen neuen Klubrekord auf wie Ellyes Skhiri. Der 29-Jährige steht nun bei 173 Einsätzen im deutschen Fußballoberhaus und firmiert nunmehr als alleiniger tunesischer Rekordspieler vor Karim Haggui.
Die Masse machte es einmal mehr auch auf den 32. Spieltag bezogen. Skhiri und sein Pendant Hugo Larsson im defensiven Mittelfeld kratzten mit 12,86 und 12,57 Kilometern teils an der 13er-Marke und deckten wie im gegen Leipzig erfolgreich angewandten 5-4-1 nahezu allein die Zentrale ab. Vier Vergleichswerte, die den gemeisterten Balanceakt verdeutlichen:
- Zusammen kam die Eintracht auf 116,92 Kilometer, der Maschinenraum zeichnete für knapp 22 Prozent davon verantwortlich.
- Der Feldspielerschnitt lag bei rund 11.2 Kilometern, also deutlich unter Skhiri und Larsson.
- Im Ligavergleich landete am Wochenende Skhiri auf Platz drei, Larsson auf Rang sieben.
- Sechs und sieben Ballgewinne waren die meisten bei den Hessen.
Dass die beiden wie alle Adler weit mehr ohne als mit Ball schuften mussten, war nach Auskunft der Beteiligten nicht zwangsläufig geplant, aber beileibe nicht verboten. „Wir haben uns natürlich vorgestellt, dass wir immer wieder ins Pressing gehen, es aber nicht geschafft. Ansonsten finde ich, dass du immer wieder aus einem tiefen Block verteidigen kannst. Das haben wir in dieser Saison schon sehr oft herausragend gut gemacht. Das ist immer ein Mittel, aber natürlich nicht über 90 Minuten. Da hat mir die Mischung nicht so gut gepasst“, wog Toppmöller ab.
Die Ergebnisse und Erfahrungen 2024/25 geben dem Fußballlehrer recht, dass passiveres Verteidigen zum Erfolg führen kann, aber kein Erfolgsgarant sein muss, die die folgenden im wertfreien Sinne Flop Sechs zeigen:
- 26 Prozent: 3:3 gegen den FC Bayern.
- 31 Prozent: 0:2-Niederlage in Dortmund.
- 33 Prozent: 2:0-Sieg gegen Dortmund.
- 36 Prozent: 1:1 in Mainz.
- 37 Prozent: 2:0 gegen Mönchengladbach.
- 37 Prozent: 0:4-Niederlage in München.
Aus den Top Sechs wiederum ist Eintracht Frankfurt in dieser Saison nicht mehr zu stoßen, was insofern bemerkenswert ist, als die letzten zweimal hintereinander im oberen Drittel abgeschlossenen Spielzeiten aus den Jahren 1993 und 1994 datieren. Nach Rang sechs im Vorjahr nun also mindestens wieder Sechster. Die Älteren erinnern sich. Die Jüngeren an den sich an diesem 5. Mai zum dritten Mal jährenden Einzug ins Finale der Europa League 2022. Rückblickend war das 1:0 zu Hause gegen den West Ham United FC das vorletzte Match auf dem Weg zur erstmaligen Teilnahme an der UEFA Champions League.
Ob das auch auf das Gastspiel gegen Mainz zutrifft, liegt danach wie davor einzig und allein in den Beinen und Köpfen der Frankfurter Fußballer. Hugo Larsson betonte nach dem Remis: „Ich denke, wir haben eher zwei Punkte verloren als einen gewonnen. Denn wir sind hier angetreten, um uns vorzeitig für die Champions League zu qualifizieren. Nun möchten wir vor unseren Fans daheim die Entscheidung und unser großes Ziel erreichen.“ Um den großen Showdown nicht nochmal verschieben zu müssen.