03.10.2020
Bundesliga

Sieg des Willens

Starke Reaktion nach dem Pausenrückstand! Frankfurt bezwingt Hoffenheim 2:1 (0:1). Kamada (54.) und Dost (71.) drehen die Partie.

Dritter Bundesligaspieltag, die TSG Hoffenheim zu Gast bei Eintracht Frankfurt und damit die tabellarische Topkonstellation Dritter gegen Erster. Cheftrainer Adi Hütter hatte sich stellvertretend für die Hessen Schlüsse für den Saisonverlauf verboten, gleichwohl unterstrich die jüngste Ausbeute die aufstrebende Frühform beider Kontrahenten.

Einschüchtern wiederum ließen sich die Hausherren vom gegnerischen Status des Spitzenreiters freilich nicht und übernahmen angefeuert von 8.000 Zuschauern im Deutsche Bank Park wie selbstverständlich das Zepter. Die besten Chancen besaß in der Anfangsviertelstunde André Silva. Erst flankte Steven Zuber, der als einziger Neuer in der Startelf den verletzten Filip Kostic auf der linken Außenbahn vertrat, auf den Portugiesen, dessen eleganter Versuch mit der Hacke aber bei TSG-Torwart Oliver Baumann in sicheren Händen war (4.). Kurz darauf ließ Bas Dost einen langen Ball auf seinen Sturmpartner abtropfen, dessen Direktabnahme aber knapp rechts vorbeirauschte (12.).

Rückstand mit dem ersten Schuss

Knapp fünf Zeigerumdrehungen darauf machten erstmals die Nordbadener auf sich aufmerksam und riefen zugleich in Erinnerung, dass mit Silva und Andrej Kramaric die neben Robert Lewandowski treffsichersten Bundesligatorschützen seit dem Restart auf dem Platz standen. In diesem Rennen zog der Vizeweltmeister alsbald davon, als im Strafraum freigespielt zwei Verteidiger narrte und gefühlvoll mit links in den von ihm aus gesehen linken Giebel schlenzte (18.). Kevin Trapp blieb beim ersten Schuss auf seinen Kasten ohne Abwehrchance.

In der Folge ebbte der anfängliche Schwung mehr und mehr ab, wenngleich sich auch die Offensivszenen der Kraichgauer weiter in Grenzen hielten. Erst zehn Minuten vor der Pause verzeichnete die Truppe von Sebastian Hoeneß weitere Abschlüsse. Erst machte Trapp gegen über den linken Halbraum freigespielten Kramaric geschickt das kurze Eck zu (34.), dann fand der Kroate nach einer Mischung aus Schuss und Steilpass im Sechzehner keinen Abnehmer (39.). Den Adlerträgern wiederum unterliefen im Aufbauspiel insgesamt zu viele Flüchtigkeitsfehler, um wirklich zwingend zu werden, sodass die dritte Gelegenheit einer Ecke auf  Martin Hinteregger entsprang, der aber zu wenig Druck hinter die Kugel bekam und auf Baumann köpfte (43.).

Wille, Wucht und Widerstand

Die Kabinen verließen die Adlerträger zunächst ohne neues Personal, aber mit einer Extraportion Energie. Immer wieder brachen die Frankfurter über die Flügel durch. Erst zog der vorgestoßene Almamy Toure von rechts nach innen, verfehlte mit seinem schwächeren Linken aber sein Ziel (49.). Kurz darauf ging es über die andere Seite, als Zuber auf Dost flankte und der 1,96-Meter Schlacks seine ganze Beinlänge einsetzte, um die eingelaufenen Hinteregger und Daichi Kamada zu bedienen. Der Ball musste sich seinen Torschützen gewissermaßen nur noch aussuchen – 1:1 durch den Japaner (54.)! Es war nach den ersten beiden Saisonvorlagen in Berlin neben die Torpremiere in dieser Spielzeit.

Fortan entwickelte sich ein immer offenerer Schlagabtausch, beide Seiten schafften es, das Mittelfeld immer schneller zu überbrücken beziehungsweise einfach zu überspielen. Die dickste Gelegenheit bot sich wieder Dost, dessen hartes Geschoss Baumann gerade so zur Ecke abwehren konnte (66.). Doch der 31-Jährige ließ ebenso wenig locker wie seine Kollegen. Sinnbildlich die Entstehung der Führung, als erst der in den Strafraum gedribbelte Kamada Silva bediente und die Kugel partout nicht über die Linie wollte, ehe Dost aus nächster Nähe nach Querpass Silvas zum 2:1 einschob (71.). Zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Feld stand der für David Abraham eingewechselte Tuta, der somit sein Pflichtspieldebüt für die Eintracht feierte (63.). Dann wieder Kamada, der mit einem listigen Schuss von der rechten Seite beinahe Baumann überrascht hätte (79.). Kurz darauf verließ der nach Scorerpunkten Mann des Tages das Feld und mit Ragnar Ache kam der nächste junge Sommerneuzugang (80.). Die Zeichen von der Seitenlinie waren eindeutig: Vorenetscheidung statt Verwalten. Tatsächlich schien die Eintracht bis zum Schluss dem 3:1 näher als die Gäste dem 2:2.

Fazit: Willenskraft von Zweikampf bis Torschuss

Hatte die Eintracht vor acht Tagen in Berlin vor der Pause vorgelegt und nach der Pause das Beste aus ihrer Situation gemacht, war nach dem Pausenrückstand gegen die TSG Hoffenheim eine Reaktion gefordert. Und die kam. Adi Hütter vertraute seiner Elf auch nach dem Seitenwechsel, die in allen Bereichen zulegte und nicht zuletzt eine unbändige Willenskraft bewies, die sich vom Zweikampf bis zum Torschuss erstreckte. Insbesondere das entscheidende 2:1 war in dieser Hinsicht nicht zu überbieten.