01.08.2021
Eintracht

Spiel, Spaß und Sieg

10.000 Zuschauer und ein Erfolg zum Testspielfinale. Es gibt nach dem 2:1 gegen Saint-Étienne viel Grund zur Vorfreude auf den Saisonstart.

Wartende Menschen in Eintracht-Trikots auf der Mörfelder Landstraße vor dem Spiel. Bratwurstgeruch und Menschentrauben an Bierwägen vor dem Stadion. Dieser tosende Beifall, als Torhütercoach Jan Zimmermann mit seinen Schützlingen zum Aufwärmen aus den Katakomben heraustritt. „Europacup, Europacup in diesem Jahr“-Gesänge schon vor dem Anpfiff. „Hinti, Hinti“-Rufe, als Martin Hinteregger zur nächsten Rettungsaktion eilt. Die Torhymne untermalt von lautem Jubel. Goncalo Paciencia holt bei der zweiten Ehrenrunde zugunsten der Fans das Handy raus und schießt ein Selfie vor der Nordwestkurve. Ein Trainer, der nach dem Spiel heiser ist, weil er mal wieder lauter rufen musste als gewohnt. 301 (!) Tage haben die Spieler und Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt, Fans, Standbetreiber und viele weitere Menschen rund um den Betrieb eines Heimspiels im Deutsche Bank Park auf solche Bilder und Emotionen gewartet. 301 quälend lange Tage.

Fußballspielender Fotograf: Goncalo Paciencia beim Selfie mit den Eintracht-Fans.

Ja, es war gegen Saint-Étienne wieder soweit: Zuschauer bei einem Heimspiel von Eintracht Frankfurt. Die Gemütslage fiel entsprechend aus. „Das war das Schönste heute“, rückte für Cheftrainer Oliver Glasner sogar kurz das Sportliche in den Hintergrund, als er mit leicht belegter Stimme von den Journalisten nach der Partie nach seiner Gefühlslage gefragt wurde. Alle 10.000 Tickets hatte der Bundesligist verkauft und damit einen Schritt auf dem Weg zurück in die Normalität gemacht. „Für den Moment sind wir ‚Sold Out‘. Aber natürlich freuen wir uns noch mehr, wenn der Deutsche Bank wieder komplett gefüllt ist“, sagte Sportvorstand Markus Krösche vor dem Spiel im Interview mit dem neuen Stadionsprecher Daniel Wolf, der wiederum seine Premiere in dieser Funktion vor Publikum feiern durfte. 

Der Fernsehzuschauer bei EintrachtTV war zwar stimmungstechnisch nicht komplett mittendrin, aber für ihn zog sich die Zuschauerthematik auch durch die Halbzeitpause. Eintracht-Justiziar Philipp Reschke erklärte wie schon in einer Presserunde zu Beginn dieser Woche eindrücklich, was sich in den vergangenen Wochen zum Thema Zuschauer zugetragen hat. Es war Hin und Her gegangen. Letztlich war er sicherlich nicht der Einzige, der am Samstagnachmittag Gänsehaut hatte. An Arbeit wird es Reschke und seinem Team in den kommenden Wochen nicht mangeln, Hygienekonzepte werden weiterhin gefragt bleiben.

Auf Knopfdruck geliefert: Rafael Santos Borré.

Lichtblicke gab es aber beim 2:1-Sieg nicht nur auf und von den Rängen, sondern auch auf dem grünen Rasen. Im finalen Test vor dem Pflichtspielstart zeigte sich die Eintracht erneut spielfreudig und beim Thema Spielkontrolle sattelfest. Der kicker stellte demnach fest, dass Cheftrainer Glasner dies „zu Recht“ lobte. Dabei zeigte sich, dass die Mannschaft wie schon gegen Strasbourg vor der Pause – frisch und ohne den Rhythmus beeinträchtigende Wechsel – die bessere Halbzeit zeigte. Im Vergleich zur Anfangsformation sieben Tage zuvor hatte Glasner nur wenige Veränderungen vorgenommen.

Filip Kostic hatte in dieser Woche nicht voll trainiert und ist zudem gegen Mannheim gesperrt, Seppl Rode ist noch angeschlagen und hofft auf eine Rückkehr ins Training am Dienstag, Ajdin Hrustic fiel Corona-bedingt aus und Rafael Santos Borré sollte als echte Sturmspitze nur wenige Tage nach seiner Ankunft sofort Spielpraxis sammeln. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Djibril Sow und Makoto Hasebe präsentierten sich als eingespielte Doppelsechs, Christopher Lenz ging auf der Kostic-Position ebenso weite Wege und belohnte sich mit seinem Abstaubertor zum 1:0 und Borré überzeugte sicherlich nicht nur Hinteregger, der hinterher urteilte: „Ein Topstürmer“. Seine Ballbehandlung, sein Laufpensum, seine Zweikampfführung – kein Wunder, dass Oliver Glasner „sehr zufrieden“ war mit dem Einstand des Kolumbianers.

Neben Sow und Borré lief auch Steven Zuber erstmals in diesem Sommer in einem Pflichtspiel für die Eintracht auf, nach dem Ende seines EM-bedingt versetzten Sommerurlaubs. Noch nicht dabei war stattdessen Ragnar Ache. Der Olympiateilnehmer hat muskuläre Probleme und befindet sich im Aufbautraining.

In einer Woche wird es ernst

Nach fünf Testspielen wird’s also am kommenden Sonntag ernst für die Adlerträger, in der Ersten Hauptrunde des DFB-Pokals geht’s nach Mannheim. „Das war sehr stimmungsvoll vor zwei Jahren, wir freuen uns wieder darauf“, erinnerte sich Hinteregger am Samstag über die Partie an gleicher Stelle, als die Eintracht nach einem 5:3-Arbeitssieg in die Zweite Runde einzog. Wie sich stimmungsvolle Spiele anfühlen, wissen die Adlerträger nun wieder. Die Waldhöfer auch, zum Drittligaauftakt am vergangenen Wochenende waren 7568 Besucher im Carl-Benz-Stadion zu Gast.

Um bestens präpariert in das neue Spieljahr zu starten, erhalten die Profis nach der siegreichen Generalprobe am Montag erst- und letztmals in der kommenden Woche frei, bis einschließlich Samstag geht es im Training an die nächsten Stellschrauben. An diesen, das hat der gestrige Nachmittag gezeigt, gibt es zusehends weniger zu drehen.

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