24.08.2025
Bundesliga

Step by step

Der erste Schritt in die neue Bundesligasaison sorgt für glückliche Gesichter, der Weg der Adler hat aber erst begonnen. Die größten Ausrufezeichen im Duell mit Bremen setzen Uzun und Bahoya.

Wie der Vater, so der Sohn – 32 Jahre später. Vier Tore zum Start in eine Bundesligasaison gelangen den Adlerträgern letztmals am 6. August 1993 unter Trainer Klaus Toppmöller, 4:0 auswärts gegen Borussia Mönchengladbach. Fußball 2000. Fußball 2025, 23. August – 4:1 gegen den SV Werder Bremen unter Trainer Dino Toppmöller. „Das ließ sich schon sehr gut anschauen“, bilanzierte Ralf Weber, damals einer der vier Torschützen am Bökelberg und am vergangenen Samstag als Experte am EintrachtFM-Mikrofon mit von der Partie. Präzise zusammengefasst. 59.500 Zuschauer im Deutsche Bank Park, gewohnt pickepacke voll und erstmals mit neuer Kapazität, sahen einen Auftakt nach Maß der Eintracht in die Spielzeit 2025/26.

Torserie im Deutsche Bank Park

Sportdirektor Timmo Hardung sah „sehr viel Wille, sehr viel Power, sehr viel Überzeugung, eine hohe Energieleistung“, wie er bei EintrachtTV einordnete, und am Ende auch eine „sehr effektive“ Mannschaft. Frankfurt traf damit im Übrigen auch im 22. Ligaheimspiel in Folge, es ist die längste Serie seit über 30 Jahren – zwischen 1991 und 1993 waren es 24 Partien im Stadtwald mit hessischem Torschrei.

Ampel durchgehend auf Grün

Positives Fazit zum Auftakt des neuen Zutrittskonzepts zum NWK-Unterrang: Das im Vorfeld viel diskutierte neue Zutrittskonzept zum Unterrang der Nordwestkurve im Deutsche Bank Pael hat sich zum Bundesligaauftakt gegen den SV Werder Bremen bei ausverkauftem Haus – 59.500 Besucher – erfolgreich bewährt. „Wir können ein positives Fazit zur Premiere ziehen“, resümiert Vorstandsmitglied Philipp Reschke. „Das Konzept hat überwiegend reibungslos funktioniert; Kompliment an alle, besonders auch an die Kurve, die sich mit Geduld und Gelassenheit darauf eingelassen hat.“ Der Befüllungsstand des Unterrangs lag bei der Premiere des Ampelsystems durchgehend im „grünen Bereich“. „Wir schauen uns jetzt anhand der Erfahrungsberichte aller an, was wir besser machen können. Für den Anfang war das gut, aber es kommen ja noch ein paar Spiele“, sagt Reschke.

„Ich habe den Jungs vor dem Spiel gesagt, dass sie diese Vorfreude, die in allen dringesteckt hat vor dem Spiel und auch im Umfeld zu spüren war, auf den Platz zu bringen. Das haben wir von der ersten Sekunde gesehen“, sagte Dino Toppmöller im Nachgang, legte bei aller Freude über den gelungenen Einstand aber auch Wert darauf, „den Sieg richtig einzuordnen. Morgen ist er schon wieder Geschichte, es gibt auch nur drei Punkte“. Ein sehr guter erster Schritt, aber eben auch nur einer von 34. Step by step. Drei Punkte, drei Kapitel.

Can Uzun

15 der insgesamt 18 Torschüsse gab die Eintracht innerhalb des Strafraums ab, doch der Schuss, der zum ersten Saisontreffer in den Bremer Maschen einschlug, kam von außerhalb. Can Uzun legte mächtig Wucht gepaart mit Präzision in den Abschluss, Traumtor zur Führung. „Can war vom ersten Tag der Sommervorbereitung in einem top Zustand, eine richtig gute Frühform. Der Startelfeinsatz gegen Engers, obwohl er zuvor zehn Tage aufgrund einer kleinen Verletzung gefehlt hatte, war eine Belohnung, und er hat das Vertrauen komplett zurückgezahlt. Er hat an sich selbst einen sehr hohen Anspruch, das gefällt mir – und diesen gilt es auf den Platz zu bringen. Er hat ein wahnsinniges Talent, aber es geht nicht nur in die Richtung des gegnerischen Tores, sondern auch ums Verteidigen; dahingehend hat er in der Vorbereitung richtig gute Schritte gemacht“, attestierte Toppmöller und sieht bei der Nummer 42 ein „sehr gefestigtes Mindset“.

Es fühlt sich sehr, sehr gut an, natürlich freue ich mich.

Can Uzun

Beim Tor sollte es nicht bleiben, das 2:0 und 3:0 von Jean-Mattéo Bahoya legte er auf. Im Alter von 19 Jahren und 285 Tagen schwang sich der Offensivmann zum jüngsten Eintracht-Spieler seit detaillierter Datenerfassung 2004/05 auf, dem drei Scorerpunkte in einem Bundesligaspiel gelangen. Randnotiz: Der zuvor letzte Kicker, dem das so jung im Oberhaus gelang, war Jamal Musiala im September 2022 (19 Jahre, 216 Tage). „Es fühlt sich sehr, sehr gut an, natürlich freue ich mich. Von uns als Team war es ein super Auftakt. Ich will mich immer weiter verbessern und der Mannschaft helfen – wenn ich dann so spielen kann wie heute, dann macht mich das sehr glücklich“, so Uzun, der sich im Vergleich zur Vorsaison „im Kopf und physisch stärker“ sieht.

Jean-Mattéo Bahoya

Uzun half seinem Nebenmann Jean-Mattéo Bahoya, einen Doppelpack zu schnüren – „ein wunderbares Gefühl“, so der junge Franzose: „Ich liebe es, mit Can Uzun zu spielen. Er spielt sehr gut, kennt mich und sieht, ob er mich besser anspielen oder gehen kann.“

Der 20-Jährige beschäftigte den Gegner von der Weser permanent, Frankfurts Hans Dampf in allen Gassen – genau das, was Toppmöller von ihm auf regelmäßiger Basis sehen will. „Er ist einen Schritt weiter: körperlich aber auch hinsichtlich des taktischen Verständnisses – hier finde ich ihn mittlerweile herausragend gut, was das defensive Gespür und Positionen im Pressing betrifft. Er blockt Bälle und hilft der Kette, die Tiefe zu verteidigen. Den größten Schritt, den er machen muss, ist Torgefahr.“ Timing, noch öfter und aggressiver in Eins-gegen-eins-Situationen gehen, ein Selbstverständnis entwickeln. Der Saisonauftakt unterstreicht: Der rasend schnelle Flügelflitzer, Rekordhalter der Bundesliga, ist auf einem guten Weg.

Power von der Bank

In der 67. Minute hatte Bahoya Feierabend, für ihn kam Ansgar Knauff – einer, der den Tacho ebenfalls sehr gerne ausreizt. Speed geht, Speed kommt. Etwa drei Minuten benötigte Knauff, dann netzte er zum 4:1.

Torschützen unter sich: Ansgar Knauff, Jean-Mattéo Bahoya und Can Uzun.

„Mit den Wechseln kam nochmal Energie auf den Platz und wir haben das Ding sicher nach Hause gebracht. Ich freue mich, dem Team helfen zu können. Das Tor war, denke ich, wichtig, um Ruhe ins Spiel zu bringen“, so der 23-Jährige und fügte an: „Wir pushen uns gegenseitig. Wir haben viele Spiele, alle werden ihre Chancen bekommen. Alle sind bereit, wenn sie gebraucht werden.“ Das große Kollektiv mit dem Adler auf der Brust. Neben Knauff wurden gegen Werder Elye Wahi, Mario Götze, Oscar Højlund und Nathaniel Brown eingewechselt.

„Drüber gebabbelt – Die Spieltagsanalyse aus dem Deutsche Bank Park“

Ausblick: Im Kraichgau

„So in die Saison zu starten, ist sehr wichtig. Es war ein gutes Spiel und ein sehr gutes Ergebnis. Wichtig ist, dass wir vor der Länderspielpause den Fokus aufrechterhalten. Wir haben gezeigt, welche Leistung wir abrufen können, das wird es aber auch am Samstag in Hoffenheim benötigen – da wollen wir unbedingt nachlegen“, sagte Sportdirektor Hardung. Die TSG aus Sinsheim startete ebenfalls mit einem Sieg in die neue Spielzeit, 2:1 gewannen die Kraichgauer auswärts gegen Bayer 04 Leverkusen. Anpfiff in der PreZero Arena ist am 30. August um 15.30 Uhr.